StartseiteAbout usRivaldo Rinston


Die wirkliche Liebe beginnt, wo keine Gegengabe mehr erwartet wird.

(Antoine de Saint-Exupéry)



RIVALDO RINSTON kam am 1. Mai 2007 zu uns.
Seine junger Geist war bereits auf Leistung getrimmt und sein Vertrauen in den Menschen erschüttert.
Als Hochleistungssportler sollte er in die erfolgreichen Hufspuren seines Vaters treten
und nahm genau dadurch den größten Schaden. Der junge Körper von vier Jahren zeigte klinische Befunde,
wie das "Hufrollensyndrom" und Arthose und auch sein Pferdeherz war schwer belastet.
Vieles in seinem Leben lief falsch. Heute, glücklich und gesund, soll sein Weg uns als Beispiel dienen, wie ein

PFERDGERECHTER, natürlicher Weg zu Gesundheit, Harmonie und Freude aneinander


aussehen kann.
Auch ein 'Zuchtpferd' wie Rivaldo, in dessen Adern Sportlerblut fließt,
ist und bleibt ein fühlendes Lebewesen, welches weder in eine Box oder Einzelhaft gehört,
noch Getreide in seiner Ernährung und Eisen unter seinen Hufen benötigt.
Rivaldo ist ein sehr selbstbewusstes, starkes Pferd, das genau wie alle anderen Pferde
nicht domminiert und unterworfen, sondern gefördert und respektiert werden möchte.
Mit dem Tag, an dem Rivaldo seinen Huf in unser Leben gesetzt hat,
hat für uns eine neue wunderbare, prägende und spannende Reise begonnen, doch fangen wir vorne an...

Rivaldo ist ein sehr präsentes, lauffreudiges und sensibles Pferd, mit unglaublich viel Power und Willen.
Auch wenn man ihn als einen kleinen "Macho" bezeichnen könnte, ist sein Herz immer voller Liebe und Ehrlichkeit!
Trotz seiner Erfahrungen, kann man seine Mentalität mit drei Worten beschreiben:
HIER BIN ICH
Rivaldo wurde am 30.03.2003 aus der Stute Santana in Dalen, den Niederlanden geboren.
Seine Mutter wurde relativ schnell an einen Händler weiter verkauft, so dass Rivaldo ohne sie aufwuchs.
Nach eingehender Recherche stellte sich heraus, dass Rivaldo´s Mama an Osteochondrosis dissecans (OCD) erkrankt war und einige Chips operativ entfernt werden mussten. Glücklicherweise war dies erfolgreich,
so dass sie heute wohl auf ist, wie wir von ihrer heutigen Besitzerin erfahren haben.
Die OCD ist zu einem sehr hohen Prozentsatz genetisch bedingt, wobei auch andere Einflussfaktoren,
wie Fütterung und Aufzucht hier eine entscheidene Rolle spielen. In Deutschland dürfen nur solche Hengst
zum Hengstregister I zugelassen werden, die genomanalytisch frei von OCD sind.
Noch bei seinen Züchtern, verbrachte Rivaldo seine ersten beiden Lebensjahre täglich auf der Hengstweide,
mit anderen Youngstern und schlief des Nachts in einer Box.

Rivaldo 2jährig auf der Hengstweide

Im April 2005 wurde er dann an eine ambitionierte, junge Tunierreiterin verkauft und
im September 2006 begann für Rivaldo dann bereits "der Ernst des Lebens",
denn natürlich sollte er möglichst schnell der erfolgreichen Laufbahn seines Vaters folgen.
Eine klassische "Sportpferdelaufbahn" ...
Rivaldo ging in einen "proffessionellen" Ausbildungsstall zum Antrainieren und zur Vorbereitung auf die Körung,
in welchem er dann auch rundum beschlagen (!) und "selbstverständlich" aufgestallt wurde,
also seine Tage in der Box oder mit Training verbrachte. Das mit nur 2 1/2 Jahren!

Ein kleines Mädchen erzählt in der Schule:
“Gestern haben wir ein kleines Fohlen bekommen.”
Darauf die Lehrerin: “Und? Wollt ihr es grossziehen?” -
Das Mädchen: “Nein, wir lassen es von ganz alleine wachsen!”

In der Körung (Dezember 2006) "erreichte" er am ersten Tag die zweit höchste Punktzahl
und das Gesamtergebniss der medizinischen Untersuchung ergab die Röntgenklasse 1-2.
Am zweiten Tag verletzte sich Rivaldo und seine Körung wurde abgebrochen.
Man sieht auf den Bildern aus der Körung eine ältere Narbe am rechten Hüfthöcker, von der wir nicht wissen,
woher sie stammt. Die Wunde muss sehr tief gewesen sein, denn die Vernarbung kann man heute noch fühlen.
Rivaldo zeigt hier auch immer wieder Verspannungen an, die wir aber durch Massagen sehr gut lindern können.

Rivaldo NRPS Körung in Ermelo (NL)

Kurz nach der misslungenen Körung wurde er in einer Klinik in den Niederlanden gelegt/kastriert und
ging zurück in den Stall seiner damaligen Besitzerin. Hier durfte er tagsüber zusammen mit einem Shetty und einem Haflinger auf ein Paddock und mußte zumindest nicht mehr nur in der Box stehen.
Eingedeckt, mit Gamaschen oder Bandagen und Hufglocken fand er in Shetty Sjonnie einen Freund.
Eine nachhaltige Liebe, denn Rivaldo reagiert bis heute auf Shetlandponys mit besonderer Aufmerksamkeit.

Die Körung war im Dezember 2006, direkt im Anschluß, also im Januar 2007 wurde Rivaldo dann im Schnellverfahren angeritten und lief seine ersten Materialprüfungen.
Weil er der damaligen Besitzerin aber wohl zu groß wurde und grundsätzlich auch zu 'lauffreudig' war, gab sie ihn schon im Februar 2007, kurz vor seinem 4. Geburtstag (30.03.) in einen neuen, weiteren Ausbildungs- und Verkaufsstall, aus welchem er dann eigentlich in die Staaten verkauft werden sollte, jedoch platze dieser Verkauf.

Rivaldo´s Leben nach Körung bis er zu uns kam


Im März 2007 kreuzte Rivaldo, mit seinen mittlerweile 4 Jahren unseren Weg.
Am 1. Mai 2007 zog er zu uns!

Angekommen in Deutschland ließen wir eine große Ankaufsuntersuchung, inkl. Röntgen machen.
Die Ergebnisse waren erschreckend, traurig und vielsagend:
- insgesamt Röntgenklasse 3-4
- auf beiden Vorderbeinen Verdacht auf Podotrochlose (Hufrollenentzündung) / vergrößerte Strahlbeinkanäle
- beidseitige Zuspitzung des Processus Extensorius (Strecksehnenansatz am Hufbein)
- Spat beidseitig (Gelenksspalten stark verengt, so gut wie geschlossen)
- Präarthrose an vielen weiteren Gelenken
- leichte, aber chronische Atemwegserkrankung
Weil wir dieses Pferd von Anfang an liebten und uns bereits für ihn entschieden hatten,
und er sich für uns ;o), blieb er trotz und gerade wegen der Befunde bei uns.
Seine Erkrankungen sind das Ergebnis eines Weges voll Leid, Druck, Leistung, nochmal Leistung,
nicht artgerechter Aufzucht und späterer Haltung, sowie die Folgen von Beschlag und falschem Training.

"Jedes Pferd wäre ein Spätentwickler, wenn man es nur lassen würde."
(Robert Stodulka)

Die ersten 4 Lebensjahre haben ihre Spuren hinterlassen, nicht nur auf Rivaldo´s Knochen.
Rivaldo war es gewöhnt, sich präsentieren zu müssen, Leistung zu erbringen
und auf Kommando "stramm zu stehen", wie ein kleiner Soldat.
Dass er trotz alledem ein so wahnsinniger "Strahlemann" geblieben und weder seinen Charme,
noch sein Interesse und die Neugierde auf diese Welt verloren hat, zeigt, wie unglaublich willensstark er ist.
Bis heute ist Rivaldo ein "Kämpfer" , sein Sicherungsbedürfnis und Selbstschutzprogramm ist enorm.
Er hat lernen müssen für sich alleine zu entscheiden und sich selbst stets zu sichern,
weil der Mensch oft eben genau daran, an seine Sicherheit und an seine Gesundheit, nicht dachte.
Als er zu uns kam, konnte man ihn keine 3 Meter über den Hof führen; an der Hand riß er sich ebenso los,
wie an der Longe und selbst im freien Laufen, ganz alleine, rollte er sich ein und verfiel in seine erlernte Hilflosigkeit.
Jede, noch so freundliche und liebevolle Berührung versuchte er durch Kopfwenden zu unterbinden
und nicht selten flogen seine Hufe oder Zähne in meine Richtung, wenn ich versuchte mich ihm zu nähern
oder gar ihn zu putzen. Von Sattelzwang bis Steigen war alles dabei und jedes Missverständis beantwortete
Rivaldo mit Wut oder Weglaufen. Sein Vertrauen war tief erschüttert und seine Meinung über die Menschen ganz schön im Minus. Auch im Umgang mit anderen Pferden hatte er offensichtlich Defiziete.
Er war keineswegs agressiv, aber er fühlt sich schnell übervorteilt und war stets um Kontrolle bemüht.
Dies Alles, gepaart mit seiner Power und seinem zum Glück starken Willen, machte es in manchen Momenten
durchaus gefährlich, doch dadurch, dass er bedinngungslose Achtsamkeit, Rücksicht und Kongruenz forderte,
lernte ich die wahrscheinlich wichtigsten Lektionen im Umgang mit Pferden und für mein eigenes Leben.

"Wahrscheinlich sind es die schwierigen Pferde im Leben, die uns am weitesten bringen,
wenn wir die Probleme beim Schopf packen."
(Karola Bady)

Es ist bis heute nicht leicht, ihn täglich neu zu überzeugen, dass der Mensch nicht nur Anforderungen stellt,
sondern auch Freund, verlässlicher Partner und Beschützer sein kann. Aber das Vertrauen wächst.
Die Momente, in denen er aufmacht, beginnt zu vertrauen, sich fallen lässt und freiwillig anschließt,
werden immer mehr und dann ist das Glücksempfinden auf beiden Seiten besonders groß.
Wir sind sehr dankbar für diese Geschenke.
In den ersten Jahren war es beeindruckend zu sehen, wie er seine abgebrochene Kindheit neu erfühlt,
sich ausprobiert und uns immer wieder mit seiner Fröhlichkeit und Power mitreißt.
Ein 'gebranntes Kind' und ein faszinierender Lehrmeister!
Wir haben gerade durch seine Sensibilität, seine Empfindsamkeit und seine direkte Art,
die Chance, in all unseren Handlungen und Gedanken besonders deutlich gespiegelt zu werden,
durch ihn zu lernen und unsere eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
Rivaldo zeigt uns, welch´ wichtige Bedeutung es (für ihn) hat, dass man aufrichtig, kosequent,
respekt- u. rücksichtsvoll, achtsam und kongruent in all seinem denken, fühlen und handeln als Mensch lebt.
Und nicht nur Rivaldo beantwortet diese Eigenschaften überaus positiv ;o)

Rivaldo 2007 & 2008

So haben wir uns im ersten Jahr ganz vorsichtig angenähert, Vertrauensaufbau stand an erster Stelle.
Er sollte sich einleben dürfen, ankommen und entspannen. In seiner großen Herde blühte er auf
und genoß die freie Zeit, das Pferd sein dürfen. Wir verbrachten viel Zeit mit ihm auf der Weide,
arbeiteten frei in der Halle und auf dem Außenplatz und in dieser gelösten Atmosphäre begann Rivaldo
aufzutauen und zu spielen. Die 'Games' schafften eine Basis aus Freiwilligkeit und Spaß.
Rivaldo ließ immer mehr Berührungen zu, stellte fest, dass Putzen auch sehr angenehm sein kann
und ließ sich ganz langsam fallen, während ich ihn kratze, kraulte, schubberte und massierte.
Er wollte sich sogar revangieren, mich zurückkraulen, doch dass meine Haut ein bisschen empfindlicher
und verletzlicher ist, als die von Pferden, mußte er noch lernen ;o)
Durch den vorangegangenen groben Umgang mit ihm, war er selbst grundsätzlich ein 'kleiner Rüpel' geworden,
doch durch meine eigene Achtsamkeit ihm gegenüber, wurde er langsam vorsichtiger und umsichtiger.
Rivaldo ist bis heute sehr korrekt in seinem Feedback:
Nähern sich ihm im fremde Menschen, täscheln und berühren ihn "ungefragt einfach so",
reagiert er ablehnend und revangiert er sich mit der gleichen Ignoranz der Individualdistanz.
Die Menschen wundern sich dann, warum Rivaldo sie grob stubst und anrempelt, doch im Grunde hat er vollkommen recht. Ich begegne neuen Menschen auch mit Respekt auf die eigene "Komfortzone",
überfalle sie nicht mit "intimen" Berührungen, sondern stelle mich vor und taste mich vorsichtig heran.
Doch auch mir gibt Rivaldo ständig Lernstunden:
Bin ich fein und achtsam, bemüht auch er sich von den alten Mustern abzulassen und auf mich 'kleines' Menschlein einzugehen; bin ich aus Gedankenlosigkeit oder im Stress doch mal gröber und 'auf Autopilot',
wird er wieder zum Rüpel. Ich bin ihm sehr dankbar für diese hartnäckigen Hinweise,
denn Achtsamkeit meint kein Verhätscheln, sondern das bewusste Wahrnehmen der Umwelt,
ein Sein im Hier und Jetzt, mit allenen Sinnen. Immer wenn ich 'auf Autopilot' bin, vergesse ich etwas,
stoße mich ständig fühle mich schlicht nicht richtig wohl in meiner Haut. Bin ich umsichtig und achtsam,
kann ich auch Stress viel sinnvoller und leichter bewältigen, bin konzentriert und trotzdem entspannt.
Dadurch, dass ich auf Rivaldo´s Reaktionen achtete, seine Meinung Gehör findet, festigte sich die Basis
und gegen Ende des ersten Jahres konnten wir erste Spaziergänge unternehmen, uns mit dem Longieren
näher befassen und sogar ein bisschen reiten. Es war alles noch weit entfernt von wirklicher Harmonie,
von 'alles easy', denn immer wieder machte ich Fehler und das zarte Band zwischen uns riss ab.
Doch eine Entwicklung war sichtbar und die Fortschritte toll und kraftspendend.

"Geht ein bisschen zusammen auf die Weide.
Lauft oder spaziert umher, wie es euch gefällt, aber bleibt zusammen ...
Die Verbindung, die zwischen euch wachsen soll, hat schon gut angefangen,
aber sie will gepflegt werden. Ihr müsst gar nichts tun, genießt nur euer Zusammensein.
Das genügt."

[Mercedes Lackey, Un araldo per Valdemar (Mailand: Fantacollana Nord, 1988), S. 102]

Mit steigener Bewegung, 'Arbeit' fiel mir am Ende des ersten gemeinsamen Jahres (April 2008) auf,
dass sich Rivaldo irgendwie in der Schulter festhielt, er tickte vorne links.
Unser Tierarzt führte daraufhin eine ausführliche Untersuchung durch,
inkl. Leitungsanestesie + Röntgen und kam zu dem Schluss,
dass die aktuelle Symptomatik sehr wahrscheinlich vom Hufrollenkomplex her rührt.
Auf Grund seines jungen Alters und seiner Befunde in der Ankaufsuntersuchung,
entschlossen wir uns zu einer noch gründlicheren, bildhaften Untersuchung,
um das best Möglichste für Rivaldo, so früh wie möglich, tun zu können.
Wir liessen ein MRT und weitere Röntgenaufnahmen in einer Klinik anfertigen, mit den Ergebnissen:
1. Podotrochlose bestätigt
- Bursa (Schleimbeutel) "verklebt" (abgeklungene Entzündung, aber keine intakten Kollagenfasern)
- Entzündung des Ansatzes des Strahlbein-Hufbeinbandes
- Schäden und Entzündung der tiefen Beugesehne
- krankhaft veränderte Strahlbeinkanäle ("Lollypops")
- deutliche Konturveränderungen des Strahlbeines (Ränder wie "ausgefranzt") beidseitig, VL stärker, als VR
2. Spat weiter fortgeschritten zum Vorjahr [Gelenke fast völlig "durchbaut", Spalten geschlossen]
3. leichte Hufknorpelverknöcherung
4. "Fehlstellung" in der Knochensäule um 3 Grad
5. Prognose als Reitpferd gänzlich schlecht

Tierarzt und Klinik schlugen folgende Maßnahmen vor:
- "klassischer Hufrollenbeschlag" für die Vorderbeine: Eisen mit Gummikeilen (geschlossen, mittig offen),
in 3 Grad Erhöhung zur "Behebung der Fehlstellung", das Ganze mit NBS-Eisen
- hinten weiter Barhuf
- Phenylbutazon (die erste Zeit)
- Tildren
- Hyaluronsäure + Cortison VR + VL
- Fütterung von Muschelextrakten
- Getreidefütterung
- Trainigspause von 4 Monaten mit Weidegang 12-14 Stunden täglich
Wir fühlten uns nicht wohl mit diesen Maßnahmen, außer dem Weidegang,
doch die schwere und wenige Monate später tödliche Erkrankung unseres Tarumtänzer Taris († 28.08.2008), ließ keine Kraft, Gedanken oder ein intensives Hinterfragen zu.
Aber das Bauchgefühl bestätigte sich und machte durch ständiges Abtreten der Eisen,
durch frische Überbeine und Wunden an den Innenseiten der Röhren durch Anschlagen
und einer deutlichen Empfindlichkeit im Rücken klar, dass dieses nicht der richtige Weg sein kann.
Rivaldo ruderte/paddelte vorne plötzlich stark, entwickelte Strahlfäule und vorallem blieb das 'Ticken'.

Nach dem Tod unseres geliebten Traumtänzer´s im August 2008 sammelten wir neue Kräfte
und ließen Rivaldo intensiv osteopathisch, physiotherapeutisch und chiropraktisch behandeln.
Wir führten selbstständig Magnetfeld-Behandlungen durch, dehnten ihn passiv,
nähten in seine Decken einen 'Back on Track Rückenwärmer' ein und kehrten zu einer Fütterung
mit Heu at libitum, Mineralfutter & min. Kraftfuttergabe (beides noch synthetisch) zurück.
Er blieb so lange es täglich ging auf der Weide und kam nur spät abends, zur Nacht in seine Box.
Der Offenstallbau war bereits in Planung.
In den letzten Monaten im Jahr 2008 haben wir erst die Keile an den Hufeisen weggenommen
und auf NBS-Eisen solo reduziert, um dann im Februar 2009 Rivaldo endlich die Eisen abzunehmen.
Unsere Reise ins Thema Barhuf begann.
Tierärzte, wie Klinik waren nicht begeistert und prophezeiten Schlimmes, doch abgesehen davon,
dass sie auch keine Ideen hervorbrachten, wurde der schreckliche Leidensweg unseres Traumtänzers
erst durch die Fehler von Tierärzten, inkl. orthopädischer Hufbeschläge ausgelöst.

Rivaldo´s ersten 4 Wochen auf Barhuf verliefen ganz gut.
Sicherlich mit Fühligkeit, aber wir hatten eher den Eindruck, er fühlt sich "puddelwohl" ohne Eisen.
An das wiedererlangte Gefühl in seinen Hufen musste er sich erst wieder gewöhnen.
Wir schämten uns, dass wir Rivaldo mit den Eisen seines Tastsinnes beraubt,
damit sein Körpergefühl eingeschränkt hatten und nicht direkt unserem Bauchgefühl gefolgt sind.
Stattdessen trauten wir den Schulmedizinischen Maßnahmen mehr zu, als seinem eigenen Körper
und den Kräften der Natur. Doch wir begriffen erst nach und nach die Zusammenhänge seiner Erkrankung.
Das Hufrollensyndrom traf Rivaldo nicht zufällig oder aus genetischen Gründen,
sondern weil man seinen Hufen die Chance zur natürlichen Entwicklung genommen hatte,
als man ihn mit gerade 2 1/2 Jahren beschlug und aufstallte.
An seiner Entwicklung in Zahlen, seit dem Zeitpunkt seitdem er bei uns ist, also ab seinem vierten Lebensjahr
kann man erkennen, wieviel er noch zu wachsen und sich zu entwickeln hatte, so auch seine Hufe.
Doch Rivaldo stand im Februar 2009, als 6 jähriges Pferd mit +/- 700kg Körpergewicht,
auf den Hufen eines 2 1/2 Jährigen! Neben dem viel zu frühen beschlagen (man hätte es besser ganz gelassen),
hatte man ihn nicht artgerecht gehalten, das Lauftier Pferd in eine Box gesperrt und zudem noch erheblich Überbelastet mit Training und Leistungsabfrage.

Direkt nach Abnahme der Eisen, war sein rechtes Vorderbeine angelaufen/schwammig und warm,
welches sich zum Glück durch leichte, ruhige Bewegung und/oder kaltes Abspritzen besserte.
Wir begonnen die Hufe langsam zu trainieren und gingen auf unterschiedlichen Untergründen spazieren.
Unser damaliger Hufpfleger, ein 'normaler' Schmied, berundete wöchentlich die ausbrechenden Bereiche,
doch als die Hufe in der 5. Woche tonusmässig stärker bearbeitet und ausgeschnitten wurden,
kam Rivaldo die ersten Tage nicht mehr freiwillig aus der Box und der ansonsten absolute Wirbelwind
mutierte zu einer Schildkröte. Die damalige Tierärtzin riet eindringlich wieder zu Eisen,
sah sich darin bestätigt, dass es ohne halt nicht geht und warnte uns vor Verschlimmerung "der Krankheit", irreversiblen, weiteren Schäden, doch trotz der uns gemachten Angst blieb Rivalo auf unseren Wunsch hin weiter Barhuf. Heute wissen wir, dass das die einzig richtige Entscheidung war, doch es war ein harter Weg.
Die enorme Fühligkeit besserte sich glücklicherweise dann endlich nach ca. 14 Tagen,
jedoch blieb Rivaldo noch recht empfindlich, zumindest auf harten Untergründen.
Gut angepasste Hufschuhe für´s Gelände haben uns die Übergangszeit sehr erleichtert.

Ich begann mich weiter intensivst mit den Themen Hufe, Hufgesundheit, Hufphysik, Anatomie,
Haltungsvarianten, getreidefreie Ernährung und der natürlichen Schiefe des Pferdes zu beschäftigen.
Ich bemühe mich noch heute dieses Wissen täglich zu erweitern.
Barhuf war also klar, doch ob die Ausschneidetechnik des Schmiedes die Richtige war, blieb fraglich.
Heute würde ich die darauf folgende Zeit mit den Worten "auf in den Kampf" beschreiben:
Ich empfand es als ziemlich schwierig, einen Weg durch den "Methoden-Dschungel" an der Barhuffront zu finden
und die geführten Gespräche mit Hufbearbeitern der verschiedensten Methoden, TA´s und den Schmieden
waren nicht ganz einfach, teilweise hitzig und ich hatte den Eindruck, man muss sich seine Informationen,
zum Wohle seines eigenen Pferdes hart erkämpfen.
Doch zwischenzeitlich war ich sogar froh, wenn es 'hitzig' wurde bzw der Schmied oder Tierarzt
sich überhaupt auf ein Gespräch einließen, denn häufig sah ich nur in fragende Gesichter.
Häufig konnte man nicht nachvollziehen, warum ich, als Pferdebesitzer mir Gedanken um die Hufe meines Pferdes mache und als Antwort auf meine Fragen kam nicht selten: "Das macht man schon immer so!".
Passend dazu, wussten die wenigsten Schmiede und TA´s etwas damit anzufangen,
wenn ich die untergeschobenen Trachten, die weghebelnden Wände, die gequetschen Hufknorpel,
schlechte Strähle, Zwanghufe, schnabelnde Zehen oder komplett unterschiedliche Hufe recht zu links
bemängelte und das dann vielleicht sogar noch in einen Zusammenhang mit der Art der Haltung oder
der natürlichen Schiefe brachte. Abgesehen davon, dass die Lösung sowieso immer nur Beschlag lautete,
die Pferde angeblich quasi mit solch kathastrophalen Hufzuständen auf die Welt gekommen sind
und man die Hufe durch bloße Schneidetechnik ganz sicher nicht verbessern könnte,
war ein kranker Huf ohne Eisen für Tierärzte und Schmiede sowieso absoluter Wahnsinn...
Erst richtig beliebt machte ich mich, wenn ich mit der Theorie im die Ecke kam,
dass die Eisen die ganze Krankheit von Rivaldo unter anderem, aber doch maßgeblich erst verursacht hatten.
Eine Eisenfront.
Mitdenken und Nachfragen war aber anscheinend nirgendwo soo wirklich erwünscht,
denn obwohl der Huf ja eigentlich immer der Gleiche ist, hat auch jede der einzelnen "Barhuffraktionen"
eine eigene Ideologie, Herangehensweise und natürlich ihren 'Guru'.
Und jeder hat Recht, jeder hat das Rad neu erfunden!
Zumindest hatten alle "Barhuffraktionen" das Ziel des gesunden Barhufes und somit Pferdes,
wenigstens etwas, doch die Auswahl der geeigneten Methode war nicht so leicht.

Das Vorgehen nach Dr. Hiltrud Strasser verwarf ich gleich zu Anfang, weil es mir viel zu radikal war,
doch obwohl der Weg erst über die Methode von Jochen Biernat führte, erkannte ich später,
dass zumindest die Theorie von Strasser nicht ganz falsch sein kann, da sie sich grundsätzlich an der Natur orientiert, nur die Umsetzung blieb weiterhin deutlich zu heftig und gar nicht pferdgerecht.
Während wir also die Hufe von Rivaldo mehr oder weniger erstmal nach der Biernat-Methode bearbeiten ließen,
setzte ich die neu gewonnenen Erkenntnisse in den Bereichen Haltung, Ernährung und Bewegungstherapie um.
Das Support- und Wellness-Programm für Rivaldo, durch die mit der Zeit enstehende 'Care-Community',
setzten wir natürlich fort und Rivaldo´s Zustand besserte sich zusehenst.
Noch immer im Zweifel mit der richtigen Hufbearbeitungsmethode, drückte Rivaldo und sein Körper seine Dankbarkeit für alle dieses dadurch aus, dass er im Sommer 2009 nicht nur lahmfrei wurde,
sondern auch sein gesamtes Wesen und sein gesamter Körper sich immer positiver veränderten.
Die Krone dieses teilweise harten Weges setzten dann die neue Röntgenbilder auf,
denn an Rivaldo´s Strahlbeinen war "das Wunder" eingetreten, was allgemein als unmöglich gilt:
Das Strahlbein hatte begonnen sich zu regenerieren.
Die Zubildungen an den Rändern sind minimiert und die sog. "Lollypops" verschwunden!

Ab Sommer 2009 hielten wir an unserem Weg fest und setzen weiterhin kosequent neue Erkenntnisse um.
Am 21. Januar 2010 zogen wir bei dickstem Schnee und eisiger Kälte in den Offenstall,
sodass Rivaldo nun auch über Nacht immer an der frischen Luft sein und sich bewegen kann, wie er möchte.
Die Umstellung verlief problemlos.
Die diagnostizierte "leichte, aber chronische Atemwegserkrankung" äußerte sich hauptsächlich im Winter.
Er hustete mal stärker, mal schwächer bei beginnender Bewegung oder starker Staubentwicklung.
Noch im selben Winter, in dem wir in den Offenstall zogen, besserte sich dieses sofort deutlich,
doch seine Bronchien werden sicherlich noch weitere Jahre der Genesung benötigen, bis es hoffentlich ganz ausbleibt. Im Offenstall, immer an der frischen Luft und ohne Staub-und Schimmelsporen hat er hier die besten Vorraussetzungen.
Gleichzeitig hatten wir begonnen Rivaldo´s Ernährung naturnah umzustellen.
Zuerst begriffen wir den Unsinn der ganzen Industriefuttermittel, welche synthetisch vitaminisiert- und mineralisiert sind und fütterten nur noch organisch und natürlich, bis wir dann auch das Getreide gänzlich aus Rivaldo´s Speiseplan eleminierten. Auf der Suche nach Antworten zur Hufbearbeitung beschäftigte ich mich immer mehr mit Wildpferden und ihrem nantürlichen Lebenswandel, ihrer Umgebung und auch ihrer Nahrung.
Niemand hat jemals Wildpferde an "Müslibäumen" fressen oder sich den Bauch in einem Haferfeld voll schlagen sehen. Kein Wildpferd der Welt frisst solche Massen an Getreide! Wenn Sie Getreide finden, sind es sehr sehr geringe Mengen und sie fressen dann nicht das isolierte Korn, sondern die gesamte Pflanze!
Getreide ist kein natürliches Pferdefutter!
Rivaldo zeigte in den ersten beiden Jahren immer wieder Verdauungsstörungen, war im Bereich der Bauchspeicheldrüse bei Berührung empfindlich und sein Bauch war häufig angespannt, welches gerade eine losgelassene Rückentätigkeit erheblich erschwerte. Trotz regelmäßiger Zahnkontrollen und Korrekturen,
fanden wir immer wieder unverdaute Körner im Kot.
Die Umstellung auf eine getreidefreie und naturnahe Ernährung löste nicht nur all diese Probleme,
sie machte ihn deutlich fitter, das Fell glänzend, das Hufwachstum stark und letztlich seinen Körper sogar Wurmfrei! Durch die wurmwiedrigen Kräuter und Pflanzen in seiner Fütterung, fühlt sich kein Parasit mehr so richtig wohl in Rivaldo´s Körper und wir sind sehr froh, dass wir chemische Wurmkuren nicht mehr benötigen.

Die naturnahe Ernährung, die ständige, kontinuierliche Bewegung im Offenstall und das Leben im Herdenverband sind für Rivaldo´s Bewegungsapparat, sowie seine Psyche die beste Medizin, denn es ist die Natur des Pferdes.
Was auf Rivaldo wie Medizin wirkt, ist nichts anders als die Grundvorrausetzung und das Mindestmaß an Natürlichkeit, was ein gesundes, glückliches Pferd benötigt. Wirkliche, echte Medizin würde zu großen Teilen überflüssig werden und unzählige Verhaltensstörungen und Krankheiten würden gar nicht erst erstehen, wenn ein Pferd, ein Pferd sein dürfte und seiner Natur Rechnung getragen würde.
Es obliegt unserer Verantwortung, denn wir sind es, die diese Wesen als Reitpferd 'nutzen' möchten!
In der Natur sorgen die Pferde selbst ausgesprochen gut für sich, doch sie befinden sich in unserer Obhut!
Wieviele Reiter erwarten Respekt von ihren Pferden, doch respektieren sie selbst nicht mal die Natur des Pferdes!
Die Achtung vor diesen Geschöpfen beginnt nicht in der Bodenarbeit oder beim Reiten,
sondern in der Schaffung würdiger und ihrer Natur entsprechender Lebensbedinngungen!


Die bewegungstherapeutische Arbeit, auch und besonders im Hinblick auf die natürliche Schiefe des Pferdes,
ist eng verbunden mit dem emotionalen, innerlichen Gleichgewicht.
Die Verbindung zu Rivaldo wächst täglich weiter und wir sind bereits ein Team geworden.
Gerade was die Entwicklung von Vertrauen, Harmonie und Einklang betrifft, darf es keinen Zwang,
keinen Durck, auch keinen Zeitdruck geben, denn der Weg ist das Ziel.
Das Wie ist entscheidend, Qualität statt Quantität und durch dieses Leben, im Hier und Jetzt,
konnten wir eine solide, ehrliche und freudvolle Basis schaffen, in der Vertrauen und Freiwilligkeit an erster Stelle stehen. Durch die entstandene innere Balance, entwickelt sich auch die äußere Balance immer mehr,
wodurch sich Rivaldo immer kraftvoller, gesünder und balanter bewegt.
Nachdem wir im Juni 2010 auch noch die für uns verständlichste und logischste Hufbearbeitungsmethode,
die Natural Hoof Care, gefunden hatten, begann Rivaldo sich immer schwebender, gelöster und balancierter zu bewegen. Schulterfreiheit und Raumgriff bekommen eine neue Dimension seit der natürlichen Trachtenfußung.
Es ist mir eine sehr große Freude, Rivaldo heute entspannt, aber dennoch hoch motiviert in einer wundervollen Dehnungshaltung unter mir laufen zu fühlen und zu erleben, wie die Schäden, Narben und Grauseligkeiten seiner Vergangenheit immer mehr verblassen.

Rivaldo läuft bis heute lahmfrei, selbstverständlich barhuf ;o)
und wir freuen uns auf die weitere, gemeinsame Reise.


Rivaldo´s Pedigree

Rivaldo´s Entwicklung in Zahlen

Rivaldo´s Schiefe von Körper und Geist

Rivaldo´s Hufdokumentation

Die Individualität des Pferdes



Rivaldo 2009 & 2010

Die letzten Schneebilder stammen aus dem Dezember 2010.
Rivaldo´s weitere, gesamte Entwicklung ist den einzelnen Rubriken zu entnehmen.

"Jeder hat das Pferd, das er verdient.
Man hat es sich selbst ausgesucht und zu dem gemacht, was es jetzt ist."
(Bent Branderup)




Rivaldo´s Entwicklung in Zahlen
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