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Schau zu, wie Dein Pferd durch die Kurve läuft und Du erkennst den Grad seiner Schiefe!



WAS ist eigentlich die natürliche Schiefe?

Im Groben kann man die natürliche Schiefe des Pferdes mit der Händigkeit des Menschen vergleichen.
Ebenso wie der Hund und die Katze ist das Pferd ein 4-Füßler, wodurch die Schiefe deutlicher ausgeprägt ist.
Natürlich ist diese Schiefe, weil sie jedes Pferd von Natur aus mitbringt.
Über ihren Ursprung wird geforscht, man vermutet, dass zum Einen die Lage des Fohlens im Mutterleib ausschlaggebend ist, zum Anderen ist der Ablauf nach der Geburt in menschlicher Obhut ein Anderer,
als in der freien Natur. In "Gefangenschaft" werden die Fohlen i.d.R. leider in einer Box geboren.
Wenn sich die Mutterstute erhebt, ist sie gezwungen an diesem Ort, in dieser Box zu bleiben,
auch wenn es sich dabei um eine "große" Laufbox handelt, kann sie dennoch nicht so weiterziehen,
wie sie es in der Natur aus Sicherheitsgründen müsste. Fressfeinde werden von der Nachgeburt
und dem Fohlen selbst angelockt, daher zieht die Stute mit ihrem Fohlen und der gesamten Herde
direkt nach der Geburt weiter, ehe das Fohlen überhaupt den ersten Schluck Muttermilch getrunken hat.
Diese direkte Fortbewegung nach der Geburt ist wichtig für den gesamten Kreislauf, die Hufe
und so auch für die "Geraderichtung" des Körpers. Wenn das Fohlen in unseren Ställen und Boxen
den ersten Schritt seines Lebens unternimmt, bewegt es sich dabei direkt in einer leichten Biegung
und ehe es überaupt seinen ersten Kilometer im Leben gelaufen ist, setzt es einen Fuß,
eben meist das rechte Vorderbein, unter den Körper seiner Mama, um Milch zu saufen.
Ein Rechtshänder ist geboren.
Weitere mögliche Ursachen liegen sicherlich auch in der Vernetzung der beiden Gehirnhälften des Pferdes. Hierzu erfahren Sie mehr in der Rubrik "Dualaktivierung", doch beginnen wir mit dem Einfachen
und dem Verständnis, was die Schiefe genau ist:
Ein jedes Pferd hat seine "Schokoladenseite"!
Auf der einen Hand lässt es sich leicht stellen, biegt sich mit Leichtigkeit geschmeidig um unseren Schenkel
und auf der anderen Hand ist es steif, läuft gegen den inneren Schenkel und fällt in Wendungen auf die Schulter.
An der Longe driftet es auf der einen Hand nach Außen, die Hinterhand neigt zum ausfallen und evt.
bricht es sogar komplett über die äußere Schulter aus; auf der anderen Hand läuft es einen kleineren Kreis,
fängt sich häuptsächlich auf der inneren Schulter ab und möchte zum Longführer rein kommen.
Die Hufe sind Abbild dieses schiefen Bewegungsablaufes,
besonders die Vorderhufe sind meist von unterschiedlicher Größe und Stellung.
Ein Huf ist breiter und flacher, der andere ist kleiner und steiler.
Die natürliche Schiefe des Pferdes ist im gesamten Körper ablesbar!
Die Muskulatur ist nicht symetrisch; Bänder und Sehnen sind auf einer Seite verkürzt und selbst auf einem Röntgenbild der Knochensäule zeigt sich die Schiefe durch unterschiedlich große Gelenksspalten.
Ein Pferd ohne Reiter hat mit seiner natürlichen Schiefe keine Probleme, seine Schiefe entspricht seiner Natur als Fluchttier. Durch die seitliche Anordnung der Augen an seinem Kopf und die Fähigkeit zur monokularen Sichtweise kann es gleichzeitig Anfgreifer und Fluchtweg sehen.



WARUM benötigt das Pferd die Schiefe?

Weil es ein Fluchttier ist!
Die natürliche Schiefe des Pferdes ist keine Laune der Natur, sondern sie hat für das Fluchttier Pferd einen ganz wichtigen Nutzen. Durch die seitliche Anordnung der Augen an seinem Kopf und die Fähigkeit zur monokularen Sichtweise kann es gleichzeitig Anfgreifer und Fluchtweg sehen.
Eine sinnvolle Einrichtung der Natur, welche jedoch mit der wichtigen Geraderichtung des Reitpferdes kollidiert.
Claudia Obenhaus erklärt dieses mit Witz sehr verständlich in ihrer "Bauernhofreitschule" !!! HIER !!!



WIE und WESHALB die Schiefe korrigieren?

Weil wir Menschen auf dem Pferd reiten möchten und um zu einem solchen zu werden, muss es:
1. seine Fluchtentscheidungen an uns abgeben (uns also vertrauen und uns entscheiden lassen)
2. in neue Balance gebracht und geradegerichtet werden, um dadruch tragfähig zu sein!
Das "Geraderichten" ist in unserer FN-FEI-Ausbildungsskala jedoch der vorletzte Punkt.
? Takt
? Losgelassenheit
? Anlehnung
? Schwung
? Geraderichtung
? Versammlung
Meint der Punkt der Geraderichtung in dieser Skala wirklich die Korrektur der natürlichen Schiefe?
Wäre das nicht etwas spät?
In meinem Verständnis und durch meine Erfahrung, kann ein Pferd erst die Losgelassenheit,
den Takt und daraus irgendwann den Schwung entfalten, wenn es balanciert ist!
Hat man die Skala vielleicht "falsch" übermittelt ?
Entscheidet eine unglückliche Wortwahl vielleicht über die Nicht-Balancierung unserer Pferde?
Wieviele Pferde werden auf ein L-/M- oder S-Niveau ausgebildet,
so dass sie den Punkt Geraderichtung erreichen?
Die Skala der Ausbildung entwickelte sich aus der für die Kavallerie gültigen "Heersdienstverordnung 1912".
Die abgekürzt "H.Dv.12" basiert auf einer Neufassung von Reitinstruktionen aus dem Jahr 1882.
Diese fasste das gesammeltes Wissen der Kavallerieausbildung seit dem 18. Jahrhundert zusammen.
Sie wurde 1912 eingeführt, 1926 überarbeitet und letztmalig aktualisiert 1937.
Bei der Erarbeitung dieser Reitforschrift lag im Wesentlichen "Das Gymnasium des Pferdes"
von Gustav Steinbrecht zur Ausbildung von Pferden zugrunde.
Auf der Suche nach Antworten laß ich sein Werk und stellte überrascht fest:
Direkt nach einer Erläuterung über die Kommunikationmöglichkeiten zwischen Mensch und Pferd,
den sog. Hilfen und dem grundsätzlichen Zweck der Dressur, folgt für den Reiter und Ausbilder des Pferdes
eine ausführliche Verständniserklärung über die natürliche Schiefe! Steinbrecht´s orginal Titel:
"Vom Gleichgewicht und den Abweichungen von demselben".
Nach der Theorie über die Biomechanik des Pferdes folgt dann die Praxisanleitung, mit dem org. Titel
"Die systematische Dressur des jungen Pferdes". Auch im ersten Punkt, "von der Logenarbeit" kommt die Bedeutung der natürlichen Schiefe nicht zu kurz. Es folgt das Anreiten. Nach der Gewöhnung des Pferdes ans Reitergewicht, geht es bei Steinbrecht erst mal darum von der Stelle zu kommen, inkl. der natürlichen Schiefe des Pferdes. Orginal Titel:
"Vom Anreiten des jungen Pferdes, oder der Entwicklung der Schiebkraft in der natürlichen Richtung derselben". Und genau dann, direkt nach dem das Pferd den Reiter auf seinem Rücken akzeptiert hat
und man die Richtung bestimmen kann, folgt "die Gewinnung einer zünflichten Richtung" (org. Titel)!
Diese soll über die Biegungen des Halses, des Genicks, der Rippen, des Rückens, der Hinterhand
und allen Seitengängen erreicht werden, ehe er überhaupt erst zum Galopp kommt !!!
Steinbrecht setzt also ganz offensichtlich die Balance des Pferdes ebenfalls an die erste Stelle der Skala.
Hat man das Wort "Gleichgewicht", wie es Steinbrecht benutzt, in unserer offiziellen Skala vorne weg einfach vergessen? Wie kommt man als vorletzten Punkt auf "Geraderichtung", wenn nach Steinbrecht´s Kaiptel über den Galopp nur noch die Piaffe, die Passage und die Schulsprünge kommen?
Wer sein Pferd nach den Vorgaben Steinberecht´s ausgebildet hat, ist bereits glücklicher Reiter eines geradegerichteten Pferdes eher er überhaupt galoppiert ist!
Balancierung des Pferdes ist das oberste Gebot!

"...reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade!"
(Gustav Steinbrecht, 1808 - 1885)

Mit dem o.g. "vorwärts" ist keineswegs ein schnelles, eiliges oder zügiges Reiten nach vorne gemeint!
Vielmehr ist mit dem Wort "vorwärts", das Vortreten der Hinterbeine unter den Schwerpunkt angesprochen!
Nur über die Kontrolle von jedem Hinterbein und das fleissige Vorschwingen unter die Masse,
ist eine Geraderichtung, damit eine Entwicklung der Tragkraft und somit die Versammlung zu erreichen!

Wie kann ein Pferd taktmässig laufen, wenn es schief in der Bewegung ist,
seine diagonalen Beinpaare deutlich unterschiedlich belastet?
Angenommen es schafft dieses, dann doch nur durch Kompensation,
welche unweigerlich mit einer Überlastung einzelner Körperbereiche einhergehen muss.
Meist nutz es allerdings die Reiterhand als fünftes Bein, auf welches es sich stützen kann.
Zügellhamheiten und spätere Taktfehler sind die Folge!
Ohne eine regelrechte Bewegungsabfolge aller 4 Beine, eben durch die gleichmässige Gewichtsverteilung,
ist es für das Pferd, mit dem Reiter oben auf, unmöglich einen klaren Takt herzustellen.
Auch auf die Psyche hat die natürliche Schiefe ihre Auswirkungen für das Fluchttier unter dem Reiter,
nur viel zu selten, werden die Symptome richtig gedeutet und als solche erkannt.
Meist wird dem Pferd grundsätzliche Widersetzlichkeit und Ungehormsam unterstellt, obwohl es schlicht überfordert ist. Ein unausblanciertes Pferd, welches hektisch und panisch seinem eigenen Gleichgewicht hinterher oder besser seiner fehlenden Balance davon läuft, ist alles andere als losgelassen oder freudig bei der gemeinsamen Sache. Vielmehr hat es Stress! Es setzt möglichst schnell seine Füsse voreinander,
denn in der Geschwindigkeit wird es die gesuchte Stabilität für sich erst ein Mal finden. Das ist ein Naturgesetz.
Mit einem Fahrrad bekommt man auch erst Stabilität und fällt nicht mehr um, wenn man ein gewisses Tempo erreicht hat. Doch wie oft wird erkannt, dass die natürliche Schiefe der Auslöser für die "Rennerei" ist?
In welcher Form ein Pferd auf diesen Stress - "Hilfe, wo ist meine Balance?" - reagiert,
hängt selbstverständlich von seiner individuellen Natur, seinem Charakter und seinem Temperatment ab.
Ein stoisches, eher ruhiges Pferd wird langsam, demotiviert bleiben,
vielleicht wird es sogar noch "fauler" in der Arbeit, als in der freien Bewegung.
Es wird sich kaum trauen eines seiner 4 Füße vom Boden wegzunehmen,
denn es hat schlicht Angst noch mehr Gleichgewicht zu verlieren und versucht sich so zu stabilisieren.

"Das Geraderichtetsein ist die Seele der Rittigkeit -
die Schiefe die gefährliche Ausgangsbasis aller Widersetzlichkeit."
(Kurt Albrecht)

Findet ein solches Pferd seine neue Balance mit Reiter, wird es motivierbar, fleissig und aufmerksam in der Arbeit werden UND bleiben. Findet ein Pferd mit eher viel Power seine Balance als Reitpferd, wird es ruhiger, kontrollierbar und losgelassen werden UND bleiben.
Die Ausbildungsskala der alten Meister, u.a. vertreten durch die Akademische Reitkunst nach Bent Branderup,
die sog. AKADEMISCHE LEITER hat dieses genau berücksichtigt; sie stellt die BALANCE an die 1. Stelle!
! Balance
! Losgelassenheit
! Form
! Takt
! Tempo
! Schwung




PHYSISCHE SCHÄDEN durch die Schiefe?

Grundsätzlich besaßen die Pferde aus vergangenen Zeiten ein deutlich höheres Maß an Versammlungsfähigkeit.
Sie hatten eine geschmeidige Hinterhand und verfügten über enorme Tragkraft.
Die heutigen Zuchtprodukte zeichen sich vorallem durch die enorme Schubkraft aber aus.
Welche Auswirkungen hat also dieses heutige Vorhandensein von MEHR an Schubkraft,
Raumgriff und Vorwärtsdrang auf den Bewegungsablauf unserer Pferde ?
Verstärken all diese, ja durchaus auch positiven Veränderungen nicht auch die Vorderlastigkeit,
Zentrifugal- und Scherkräfte, letztlich die natürliche Schiefe ?? Genau das tun sie!
Diese verstärkte Händigkeit begünstigt bei Nichtbeachtung die klinischen Befunde unserer heutigen
Reit- und Freizeitpferde. Gängigen Erkrankungen, wie da wären "Kissing Spines", "Hufrollensyndrom",
Ataxien, Arthrosen, Sehnenverletzungen - allen voran der Fesselträger, Kreuzdarmbeinprobleme,
alle möglichen Gelenksblockaden, muskuläre Probleme, Veränderungen an den Kniescheibenbändern oder ständig "auskugelnde Knie" usw. ... sind häufig und oft maßgeblich durch die natürliche Schiefe und eine falsche Haltung des Pferdes ausgelöst. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die allermeisten dieser Krankheiten "hausgemacht" und angeritten sind, eben weil man die natürliche Schiefe nicht, zu wenig oder zu spät beachtet und korrigiert hat! Durch die nicht beachtete Schiefe werden einzelne Bereiche des REITpferdes,
egal ob "Zuchtprodukt" oder Wiesenpferd überlastet! Doch zum großen Glück:
Hilft man dem Pferd bei der Findung einer neuen Balance, lassen sich viele Symptome lindern.

Ich reite und beschäftige mich mit Pferden seit 1986. Auch wenn ich mich wundere, freue ich mich über die steigende Inanspruchnahme von Physiotherapeuten, Osteopathen, Chriopraktiker und Co., nicht nur bei den Profis, auch bei den Freizeitreitern. Diese Form der Therapien stellen einen ganzheitlichen Ansatz dar,
bieten großartige Möglichkeiten, über welchen ein langfristiger Erfolg erzielt werden kann.
Nur wäre es nicht sinnvoll die gröbsten Blockaden, Verspannungen und Verrenkungen in und an unseren Pferden, schon von vornherein zu minimieren bzw. in dem Ausmaß erst gar nicht entstehen zu lassen?
Dieses hat jeder Pferdebesitzer selbst in der Hand, durch pferdgerechte Haltung, Fütterung und gesunde Hufe, aber eben auch und vorallem durch anatomisch richtiges trainieren und reiten unter Beachtung der natürlichen Schiefe des Pferdes!

Nun hat selbstverständlich nicht jeder Freizeitreiter einen "Sportcrack" im Stall stehen,
vielleicht auch kein Warmblut, sondern einen Haflinger, Norweger, Tinker oder einen süßen Mix.
Was für eine Rolle spielt die natürliche Schiefe denn bei unseren Freizeitpferden?
Wenn ich die Freizeitreiter betrachte, dann würde ich behaupten, geht es den Meisten in erster Linie um ein bisschen "nett reiten", Zeit mit dem Freund Pferd verbringen und das Ganze im Gelände, in der Halle oder auf dem Platz, mit vielleicht hier und da mal ein paar kleineren Sprüngen. Super. Aber:
Selbst wenn man großen Wert auf die sinnvolle Gymnastizierung seines Pferdes legt und sich dabei an der FN-FEI-Skala der Ausbildung orientiert: Erreichen denn ALL unsere Freizeitpferde das Ende der Ausbilungsskala, sprich die Geraderichtung und später die Versammlung in ihrem Leben?
Ich kenne wenige. Falls sie es nicht erreichen, so bleibt die natürliche Schiefe im ihrem gesamten Pferdeleben unbehandelt. Diese Pferde laufen Gefahr ihr Leben lang OHNE wirkliche BALANCE mit Reiter zu bleiben,
mit all ihren negativen Folgen für den Körper.
Wieviel gesünder, glücklicher und zufriedener könnten all die Pferde sein, wenn sie balanciert wären?!



Gedanken zur Entwicklung des Reitpferdes

WIESO ist die Schiefe bei manchen Pferden stärker und bei einigen weniger stark?
Ich persönlich habe festgestellt, es gibt Pferde, dessen natürliche Schiefe ist ausgeprägter
und es gibt solche, bei denen fällt sie deutlich geringer aus. Wieso?
Auf der Suche nach Antworten habe ich festgestellt, dass es sich bei den Pferden,
dessen natürliche Schiefe extrem ausgeprägt ist, meistens um Warmblüter, Vollblüter oder grundsätzlich um moderne "Zuchtprodukte" handelt, dessen Exterieur und Gangmechanik durch unseren heutigen Anspruch stark verändert wurde. Die alten, schweren und auch teilweise noch die barocken Rassen, wie z.B. Haflinger, Kaltblüter,Tinker oder die "Wald-und Wiesenpferde", welche vielleicht von der modernen Zuchtentwicklung ein wenig verschohnt geblieben sind, weisen teils eine deutlich geringere Schiefe auf.
Auch unter den Spaniern, den Friesen oder den Knappstrubbern findet man noch Exemplare,
bei welchen die Versammlungsbereitschaft und die Tragkraft noch im Blut liegt, wenn auch immer weniger,
denn die Nachfrage nach diesen "barocken Typen" steigt und auch sie werden deshalb dem gefragten "Sporttyp" in der Zucht immer mehr unterworfen, wodurch auch hier die "alten Eigenschaften" verändert werden...
Von mir gemutmaßt, vielleicht ist die Nachfrage genau aus diesen Gründen,
weil sie versammlungsfähiger und weniger "schief" sind, jetzt gerade so groß ??
Diese Umstände ändern jedoch grundsätzlich nichts an der Grundsätzlichkeit der natürlichen Schiefe,
sie erklären nur wieso diese bei manchen Pferden, so auch bei Rivaldo unglaublich stark ausgeprägt ist.

Beim Studium der historischen Reitkultur, den Methoden und Schwerpunkten der Altmeister fällt auf,
dass sich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte die Gewichtungen der Ausbildungstechniken und Ziele verändert haben. In den Grundzügen ähneln sie sich alle, jedoch legt z.B. Antoine de Pluvinel (1555-1620) seinen Focus ganz klar auf die Hankenbeugung, die grundsätzliche (in unseren heutigen Augen sehr frühe) Versammlung der Pferde, durch Lektionen wie z.B. das Terre a´Terre, die Levade, oder die Piaffe, all das kommt sogar noch VOR dem Galopp. Die Trabarbeit kommt bei ihm grundsätzlich sehr sehr kurz.
Ganz im Gegensatz dazu steht o.g. Gustav Steinbrecht (1808-1885), ca. 200 Jahre später mit seinen Schwerpunkten. Steinbrecht kommt erst zum Galopp, zur Versammlung und allen o.g. Lektionen,
nach einer sehr ausgeprägten Trabarbeit, in welcher unser heutiges "Vorwärts-Abwärts" und alle SEITENGÄNGE eine enorm wichtige Rolle einnehmen.
Ganz klar liegt in seinem Focus das Lösen der Rückenmuskulatur, vorallem über große, gebogene Linien und
das Schulterherrein in Schritt und Trab, sowie die Aktivierung der Hinterbeine zum Untertreten unter den Schwerpunkt, in der Dehnungshaltung. So wie ich Steinbrecht verstehe, deutet er bereits so etwas wie den "Entlastungssitz" an (Caprilli hat ihn dann um 1900 so richtig "erfunden"), in dem er davon spricht, dass der Reiter mit seinem Sitz immer dem Schwerpunkt, der Schwerpunktlinie des Pferdes folgen, mitgehen soll.
Was ich mit diesem kleinen Exkurs sagen möchte:
Ich persönliche glaube die Schwerpunkte liegen deshalb so unterschiedlich bei diesen beiden Männern als Beispiel, weil Steinbrecht und Pluvinel ganz unterschiedliche Pferde ritten, veränderte Pferde zur Verfügung hatten, dass sich eben bereits dort eine Veränderung im Exterieur und die Tragkraft in mehr Schubkraft entwickelte.
Die Pferde wurden immer mehr auf Vorwärs, auf Raumgriff und "Go" gezüchtet,
wodruch sich die Schiefe mit der Zeit immer mehr verstärkte (ein Naturgesetz).
Das gipfelt in den aktuellen Zuchtprodukten der heutigen Zeit.

Persönliches Fazit

Die veränderten Pferde dieser beiden Männer sind symbolisch für die Entwicklung der Pferdezucht zu sehen.
Die Tragkraft, eine geschmeidige und versammlungsfähige Hinterhand muss in den Zuchtplänen wieder an Bedeutung gewinnen und wir haben aktuell genug von spektakulärer Schubkraft und Powerpaketen mit nach vorn fliegenden Beinchen! Die natürliche Schiefe des Pferdes ist zum Teil nicht mehr "natürlich" und sie wird gefährlich ungesund, wenn sie keine Berücksichtigung erfährt.

Die Zuchtenwicklung am Beispiel Rivaldo

Rivaldo´s Schiefe von Körper und Geist

Video´s v. Marijke de Jong zur Natürlichen Schiefe des Pferdes (englisch)

Die natürliche Schiefe in der Longenarbeit



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Die Individualität des Pferdes
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