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"Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten."
(Mahatma Gandhi)

Die Grundlage einer freudigen und respektvollen Zusammenarbeit mit dem Pferd
kann nur am Boden und in einer Atmosphäre ohne jeglichen Zwang und Druck geschaffen werden.
Das Fundament wird am Boden gelegt und bildet die Basis der Beziehung zueinander.
Das Pferd braucht den Menschen nicht!
Wir sind es, die unsere Freizeit mit ihm verbringen möchten, es (hoffentlich) gerne als Freund hätten.
Das Interesse des Pferdes für eine Zusammenarbeit mit uns und ein späteres Vertrauen in diese Partnerschaft
muß sich der Mensch verdienen und sich dessen würdig erweisen.
Möchte der Mensch das Pferd reiten, muss er den Rücken und den gesamten Körper des Pferdes
auf diese zusätzliche Last vorbereiten und stetig die hierfür erforderliche Muskulatur trainieren.
Das Pferd darf keinen psychischen und keinen physischen Schaden durch den Menschen erleiden.

"Das Pferd ist nur dann in der Lage, seine Anlagen voll zu entfalten,
wenn es sich hinsichtlich seiner arttypischen Lebensbedürfnisse mit der Umwelt
- das heißt, auch mit dem Menschen - in Einklang befindet.
Der Umgang mit dem Menschen soll für das Pferd Geborgenheit in allen Situationen bedeuten."
(Prof. Klaus Zeeb, Fachtierarzt für Verhaltenskunde)

In einer guten Partnerschaft, Freundschaft oder Kooperation profitieren immer beide Seiten von einander.
Genau wie innerhalb einer Pferdeherde.
Es wird nicht Eines, gegen das Andere aufgerechnet, aber es besteht eine Balance
und die Absichten sind wohlwollend, ehrlich und immer auch im Sinne des Gegenübers.
Übervorteilung, Machtausübung, Ausbeutung, Unterdrückung oder gar Betrug führen über kurz oder lang
immer zum Ende einer freiwilligen Verbindung. Den Fortbestand kann dann nur noch Zwang sichern.
Ich möchte kein Pferd zwingen mit mir zu arbeiten, sich von mir reiten zu lassen
oder mit mir Zeit zu verbringen! Ich möchte ebenso nicht, dass es unter mir als Reiter leidet,
daher braucht nicht nur ein Verständnis für das Wesen, das Verhalten und die Psyche des Pferdes,
auch gerade die Biomechanik, Anatomie und die natürliche Schiefe benötigen meine besondere Aufmerksamkeit.
Das harmonisches Miteinander in einer Verbindung und Gemeinschaft,
in welcher sich alle Beteiligten wohl fühlen, wird bestimmt durch den respektvollen Umgang,
Aufrichtigkeit, Interesse am Gegenüber und dessen Wünschen, Bedürfnissen und Sorgen.
Und wo könnte ich dem Pferd besser auf Augenhöhe begegnen,
von 'meinem hohen Ross' im wahrsten Sinne des Wortes absteigen, als am Boden?
Hier kann der Mensch das Pferd erfassen, verstehen lernen, eine Verbindung aufbauen
und es gymnastisch befähigen einen Reiter tragen zu können, ohne Schaden zu nehmen.



Pferdisch!

Das Pferd ist kein Mensch. Es ist eine andere Spezies, als wir.
Möchten wir diesen Wesen näher kommen, braucht es in erster Linie Respekt und Achtung
vor ihrem Leben, ihrer Einzig- und Andersartigkeit.
Dies ist bereits mehr als die halbe Miete, die Basis und das aller, aller Wichtigste!
Doch neben dieser respektvollen Grundhaltung, braucht es auch das Interesse und die Bereitschaft des Menschen das Pferd verstehen zu wollen, sich mit seinem Leben näher zu beschäftigen.
Fahre ich in ein fremdes Land in den Urlaub, bemühe ich mich, zumindest ein paar Worte in der Landessprache sagen zu können und ich lese einen Reiseführer, der mir Informationen über die Menschen, Bräuche und Gepflogenheiten gibt, damit ich mich nicht gleich am ersten Tag versehentlich in ein Fettnäpfchen setze.
Dieses Interesse und meine Bemühungen werden von den Menschen geschätzt und freudig aufgenommen,
selbst wenn meine Aussprache absolut stümperhaft ist und ich mich vielleicht trotzdem entgegen einer üblichen Tration verhalte, wird dieses mit einem Lächeln 'verziehen'.
Die Menschen im Urlaubsland wissen, ich bin anders als sie und gerade deswegen habe ich mit meinem Einsatz
Achtung und Respekt vor meinem Gegenüber, dessen Leben und Land bewiesen.
Wir können keinem Pferd der Welt weismachen, wir seien auch ein Pferd,
allein körperlich sind uns hier Grenzen gesetzt, aber wir können ihnen Respekt zollen,
in dem wir uns bemühen ein paar 'Worte Pferdisch' zu lernen.

Pferde untereinander kommunizieren über 'leise Hilfen' und auf einer weitestgehend nonverbalen Ebene,
durch feine Singnale, einzig mittels ihrer Körpersprache, z.B. reicht ein Augenzucken,
ein Nüstern kreuseln aus, um einem anderen Pferd etwas mitzuteilen.
Sie besitzen die Fähigkeit mimische Veränderungen im Millimeterbereich wahrzunehmen
und es scheint als können sie Gedanken lesen. So auch die Gedanken eines möglichen Angreifers,
eines Raubtieres und das obwohl dieses ebenfalls, genau wie der Mensch, nicht der gleichen Art angehört.
Zebra´s beispielsweise können einen Löwen auf der Pirsch nach Beute sehr wohl von einem satten,
müden Löwen unterscheiden und die Gefahr für sich selbst so genau einschätzen.
Es geht also nicht ausschließlich um 'pferdisch'.

Pferde sind unglaublich gerecht und sozial einander gegenüber, denn sie Wissen um die Vorteile der Gemeinschaft und immer sind sie bemüht um Harmonie und Einklang. Keine andere Funktion liegt der Rangordnung zu Grunde.
Egoistisch motivierter (Futter-)Neid, Agression und Missgunst unter den Pferden entstehen nur durch den Menschen(!), dadurch dass er ihren natürlichen Lebenwandel beengt, kontrolliert und verändert.
Eine Herde lebt immer nach festen Regeln, es herrscht eine wechselnde Rangordnung,
jedoch ist diese NICHT linear, wie lange Zeit angenommen wurde
und auch noch heute von manchen 'Horsegurus' propagiert wird.
Rang, Position und Status in der Pferdewelt sind nicht wie eine Sprossenleiter aufgebaut.
Mit diesem Vorwand wird jedoch gerne jede Art von 'Dominanztraining' erklärt
und nicht selten Gewalt, physisch wie psychisch rechtfertigt.
Durchaus gibt es immer ein oder mehrere Leittiere,
welche für die Abdeckung der elementar wichtigen Bereiche 'zuständig' sind.
Eine Herde jedoch auf Leitstute und Leithengst herunter zu reduzieren,
würde die komplexen Verbindung und Beziehungen der Pferde nicht im Geringsten korrekt beschrieben.
Innerhalb einer Herde, die aus nur zwei Pferden, nur Hengsten, nur Stuten,
Stuten mit einem Haremshengst oder einer ganzen Familienbande bestehen kann,
herrscht KEIN starres Hierachiesystem, sondern vielmehr ein flexibles Kollektiv,
in welchem jedes Pferd seinen eigenen, wichtigen Platz, seine Rechte und Pflichten hat.
Jedes einzelne Individuum hat in dieser Gruppe seine Bedeutung, Daseinsberechtigung und Wichtigkeit
und die Talente des einzelnen Pferdes werden geschätzt und zum Wohle aller eingesetzt.
Vor allen Dingen gilt unter Pferden nicht das Recht des Einzelnen Stärkeren,
sondern das Zusammenleben ist bestimmt von 'Aufgabenverteilung', Verwandschaft und Freundschaften.
Eine Herde besteht aus einer kooperativen Gemeinschaft, in der jedes Pferd,
für einen begrenzten Zeitraum und für einen genau definierten Aufgabenbereich seine Position bezieht.
Freundschaften werden nicht durch diese 'Jobverteilung" und Rangordnung bestimmt oder beeinflusst,
sondern, ganz ähnlich wie beim Menschen, durch Sympathie und Ähnlichkeiten geschlossen.
So kann es sein, dass zwei Hengste aus unterschiedlichen Herden miteinander befreundet sind
oder das eine rangniedrige Stute, die 'beste Freundin' der momentanen Leitstute ist.
Solche Freundschaften sind also unabhängig von Rang, Herdenzugehörigkeit
oder dem Verwandtschaftsgrad und nicht selten überdauern sie viele Jahre.
Das Zusammenleben der Pferde wird also nicht ausschließlich durch 'Rang und Namen' bestimmt,
sondern auch durch innige Freundschaften.

Das System der Rangordnung, das Freundschaftsprinzip und die Art der Verständigung
funktionieren aus einem einzigen Grunde so erfolgreich:
Pferde sind immer sehr ehrlich, dadurch immer kongruent in ihrem Denken und Handeln
und immer richten sie dieses zum Wohle der bestehenden Herde, ihres Gegenübers aus!
Ein Pferd handelt in seiner Herde nie aus Egoismus, denn eine weitere Tugend der Pferde ist eine Art
altruistisches Verhalten. Pferde treten füreinander ein und handeln im Sinne der Gemeinschaft.
Sie verteidigen einander, auch auf die Gefahr hin, selbst zu Schaden zu kommen
oder sie kraulen sich abwechselnd, handeln also wechselseitig uneigennützig.
Wenn ich also versuche, auf genau diesem Wege mit meinem Pferd zu kommunizieren
(= Lateinisch: communicare, bedeutet: „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“),
dann handle ich seiner Art entsprechend (artgerecht) und interessanterweise sind genau solche Eigenschaften
auch in der restlichen, menschlichen Welt allgemeingültig als sehr ehrenhaft und erstrebenswert angesehen! ;o)
Wer sollte hier also in erster Linie von wem lernen??!

„Mehr als jede Kunst ist die hippische mit den Weisheiten des Lebens verbunden.
Viele ihrer Grundsätze können jederzeit als Richtlinien für das Verhalten im Leben dienen."
(Alois Podhaisky - Leiter der spanischen Reitschule in Wien, 1965)

Eine Leitstute in freier Wildbahn wird nicht auf Grund von äußerlichen Merkmalen,
wie Schönheit , Kampfeswillen oder Dominanz in diese Position gewählt, sondern weil innere Werte,
wie Selbstsicherheit, Erfahrung, Weisheit, Demut, Achtsamkeit und Entschlossenheit sie besonders auszeichnen.
Obwohl sie so etwas wie eine "Übermutter" ist, ist sie dennoch nicht unnahbar.
Auch sie betreibt ganz natürliche Fellpflege mit den Herdenmitgliedern
und anders als oft behauptet, entscheidet nicht ausschließlich sie, wann diese beendet ist.
In einer natürlichen Pferdegemeinschaft muss nicht der Ranghohe die Zärtlichkeiten beenden,
sondern auch der Rangniedrigere darf sagen, wann er nicht mehr möchte.
Ein Leithengst ist der "Bodyguard" einer Familienbande und er wird die Gemeinschaft verteidigen,
selbst wenn es ihn das Leben kostet. Ihn zeichnen in der Tat auch äußerliche Merkmale wie Imposanz
und Kraft aus, denn er ist das körperliche Schutzschild der Herde, jedoch wird er vorallem
auch durch seine inneren Werte, wie z.b. Mut, Durchsetzungsvermögen, Entschlossenheit,
Erfahrung, Selbstbewustsein und Wachsamkeit von der Herde als Leithengst erwählt.

Oft werden "Trainings" unter den Jungpferden als Kämpfe missverstanden,
jedoch wird lediglich spielerisch gekämpft, um für den Ernstfall, zB. das Erkämpfen einer Stutenherde
oder das Abwehren eines Angreifers zu trainieren – Verletzte gibt es bei Spielen äußerst selten.
Jegliches Handeln verfolgt immer einen Plan, hat immer seinen Sinn, ist immer Teil eines GANZEN.
Konsequenz ist eine weitere Tugend der Pferde.
Ein Pferd ist schlicht weg ehrlich und kongruent in seinem Auftreten,
wenn es sich in Phase 1 über kleinste Signale äußert und mitteilt,
in Phase 2 deutlicher wird und in Phase 3 seiner Mitteilung durch Taten Wahrhaftigkeit verleiht.
Dieses Verhalten kann letztlich das Leben der gesamten Herde sichern,
wenn es z.B. um das Signal zur Flucht geht.
Doch auch in kleinen Auseinandersetzungen und Reiberreien unter Kumpels,
schafft ein solches Verhalten Transparenz, auf die immer verlaß ist und dadurch Sicherheit gibt.
Das ist Ehrlichkeit in letzter Konsequenz.




Also alles auf Pferdisch?

Der pferdgerechte Alltag besteht aus vielen kleinen Gesten, Gedanken und Handlungen,
denn es ist unsere Basis der Verständigung mit dem Pferd.
Sie entstehen auf ganz natürliche Weise, wenn man auf "pferdisch" kommuniziert
und nach den Regeln & Pflichten einer Herde handelt.
Sicherlich ist es absolut sinnvoll das natürliche Verhalten der Pferde zu beobachten und zu studieren,
um zu begreifen, was welche Geste bedeutet und quasi Vokabeln in 'pferdisch' zu lernen.
Gesten richtig zu deuten und die Sprache des Pferdes zu verstehen ist sehr wichtig,
um z.B. das Gähnen und das 'Kraulgesicht' von Rivaldo oben in der Diashow nicht fehl zu interpretieren.
Rivaldo fühlt sich hier sehr wohl, genießt mein Kraulen und gähnt vor Entspannung.
Gähnen an sich kann jedoch auch ein Zeichen dafür sein,
dass das Pferd versucht Stress abzubauen, wozu auch Schmerzen zählen.
Doch abgesehen von den 'Pferdischvokabeln' ist der erste Schritt
das Wahrnehmen und Erkennen der eigenen Körpersprache.
Denn im Grunde ist die Sprache nicht mal "pferdisch", eine Verbindung zum Pferd,
wie zu jedem anderen Lebewesen lässt sich am einfachsten herstellen,
wenn wir unseren Körper, der unseren Geist, unsere Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringt,
mit seiner eigenen Sprache zur Kommunikation nutzen, uns dieser erst mal wieder gewahr werden.
In jedem Moment unseres Lebens spricht unser Körper, zu uns selbst und zu unserem Gegenüber.
Durch Ausdruck, Mimik, Energie und Haltung teilen wir uns (unbewusst) mit,
geben Signale und deutliche Zeichen, nicht nur im Umgang mit Tieren.
Körpersprache ist die älteste, eindeutigste und simpelste Art der Kommunikation!
Ein Pferd ist immer ein COSMOPOLIT -
denn die Sprache des Körpers ist in jedem Land der Welt verständlich.
Doch wir Reiter schaffen es immer wieder soo Widersprüchlich in unseren Aussagen zu sein,
dass die Pferde immer weniger Lust haben, uns zu zu hören und letztlich zu glauben.
Pferde fordern und fördern die menschliche Kongruenz,
die Übereinstimmung von verbaler und nonverbaler Aussage!

In der alten Phrase "Versuche nicht Deine Angst zu verbergen, denn das Pferd wird sie riechen!"
liegt so viel Wahrheit. Auch wenn Pferde einen exzellenten Geruchssinn besitzen
- sie können bis zu 2km weit riechen - erspüren und sehen sie vorallem,
was wir denken oder nicht denken wollen und lesen in uns, wie in einem offenen Buch!
Pferde untereinander unterhalten sich fast ausschließlich auf der nonverbalen Ebene
und sind entsprechend verwirrt, wenn wir Menschen mit unserem Körper ihnen etwas anderes mitteilen,
als wir es ihnen (& uns) mit Worten "erzählen wollen".
Als Beispiel hierzu kann ich selbst dienen:
Ich mag keine sehr lauten Geräusche, wie z.B. das Tösen eines Zuges, der schnell vorbei rauscht.
Möchte ich aber mit Rivaldo die beliebte Strecke nahe des Stalls entlang der Bahnlinie reiten,
wo der Boden so schön ist, aber durchaus ab und an ein Zug kommt,
signalisiere ich Rivaldo mit meinem angespannten Körper und sorgenvollem Geist
dass er zu Recht Angst haben und fliehen sollte, auch wenn ich ihm (& mir) verbal weismachen möchte,
dass alles in bester Ordnung ist und es keinen Grund zu Panik gibt. Das ist kein kongruentes Verhalten.
Ein ähnliches Problem haben viele Reiter die an einem knatternden Traktor vorbeireiten möchten,
das Pferd aber scheut und sich weigert daran vorbei zu gehen.
Der Mensch ist vielleicht erbosst, er denkt, das Pferd "stelle sich an", wolle ihn "veräppeln",
denn er hat Tage zuvor gesehen, wie ein Traktor an der Wiese vorbei fuhr,
während sein Pferd in aller Seelenruhe weiter graste.
Vielleicht haben diese Reiter ähnliche Probleme wie ich mit lauten Geräuschen,
vielleicht haben sie aber auch einfach erwartet, dass ihr Pferd genauso handeln wird
oder zumindest einen kurzen Gedanken daran verschwendet, dass es scheuen könnte.
Pferde sind also sehr sensibel für die Sprache unseres Körpers,
demnach auch für unsere Gedanken und dafür, wenn diese nicht miteinander übereinstimmen.
Ein weiteres Beispiel ist der Longenführer, der sein Pferd zum schwungvollen antraben
und zur produktiven Mitarbeit motivieren möchte:
Mit hängenden Schultern, still auf der Stelle stehend, mit eingezogenem Brustkorb, flacher Atmung,
mit der Energie einer müden Schildkröte und womöglich noch nebenbei plaudernd
mit der Freundin an der Bande, wirbelt der Mensch die Peitsche Richtung Pferd,
gibt sein (lautes) Stimmkomando, sowie die Parade mit der Longe in der Hand
und erwartet dann ein Pferd das fröhlich, hoch motiviert und raumgreifend um ihn herum schwebt?
Mhhhhhh...!
Und reagiert das Pferdchen dann nicht in der Art und Weise wie wir es erwarten,
sondern trottet müde und "in den Boden laufend" im Kreis um uns herum,
dann ist es der "doofe Gaul", der heute mal wieder so träge und faul ist.
Es ist dem Pferd gegenüber respektlos ihm nicht unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken,
aber genau das von ihm zu erwarten. Das Pferd ist der Spiegel seines Menschen!
Unsere Gedanken und inneren Bilder haben weit mehr Gewicht, als wir uns bewusst sind
und unser Körper drückt aus, was wir fühlen, woran wir glauben und nicht glauben.
Doch darin liegt auch ein großes Potenzial: Die Kraft der inneren Bilder!
Die Visualiserung vor dem inneren Auge was wir uns wünschen zu erreichen oder zu erhalten.
Wie auch immer wir es drehen oder wenden: Der Schlüssel zum Pferd, ist unser eigener Körper, inkl. Geist.

"Internetbeziehungen, Computerspiele, Handys, Radios und grelle Multimediaanwendungen
ermutigen unser heutiges exzessives Vertrauen auf Sprache und äußerliche Erscheinung.
Der mordere Mensch ist wahrhaft fasziniert von Worten.
Im Widerspruch dazu haben Psychologen heraus gefunden,
dass weniger als 10% der Kommunikation verbal verläuft.
Verhalten, emotionelle Ladung, Absichten und subtile Energieveränderungen
sorgen für eine Vielzahl an Informationsnuancen.
Dies sind Qualitäten, die von der postindustriellen Gesellschaft
so schmählich herunter gespielt werden, dass die Menschen ihre Fähigkeit verlieren,
voll und authentisch agieren zu können.
Auf der Grundlage einiger weniger isolierter Erfahrungen, ihrer oft unbewsussten Vorturteile
und der Meinung ihrer Freunde beurteilen sie andere,
und manchmal auch sich selbst, als gut oder schlecht, klug oder dumm,
vertrauenswürdig oder Verdacht errregend.
Wenn sich so ein Eindruck erst einmal gebildet hat,
werden sie stets blinder für die Ereignisse des Augenblicks."
(Linda Kohanov, aus "Botschafter zwischen den Welten")




Pferdisch & Menschlich

Die Basis einer Beziehung im Einklang mit dem Pferd kann nur auf Augenhöhe geschaffen werden.
Der Mensch findet am Boden zu seiner eigenen Natur zurück, zur Sprache seines Körpers.
Es geht nicht darum sich zu verhalten wie ein Pferd, Gesten zu immitieren
und Gleiches mit Gleichem zu beantworten: Für ein Pferd bleiben wir immer ein Mensch!
Wir können keinem Pferd dieser Welt vorgaukeln, wir wären von der gleichen Spezies,
doch das braucht es auch nicht. Was es braucht ist Ehrlichkeit und Empathie, in jeder Hinsicht.
Pferde folgen einer würdigen Führungspersönlichkeit, welche innere Stärke und Selbstsicherheit
ausstrahlt, wie von selbst und schließen sich gerne dem Menschen an, ohne jede 'Technik'.
Doch was, wenn wir nicht selbstsicher, in uns ruhend und voller Stärke sind?
Auch auf dem Weg dorthin, während der Weiterentwicklung des Menschen,
wissen sie Ehrlichkeit und Mitgefühl zu schätzen und zu honorieren,
denn durch unser kongruentes Verhalten werden wir glaubwürdig für das Pferd.
Authentizität leben und ausstrahlen.
Der aufrichtige Umgang mit Pferden hilft uns nach und nach die eigene Persönlichkeit zu entfalten,
eine natürliche Autorität zu entwickeln, um sie besonnen und sicher führen und leiten zu können.
Eine persönliche Entwicklung, von welcher der Mensch nicht nur im Umgang mit Pferden profitiert.

Wenn wir uns unseres Körper, unserer Gefühle und Gedanken gewahr werden,
können wir dieses zur Kommunikation mit dem Pferd nutzen, ohne uns zu verbiegen
- denn genau das, sollten wir das Pferd ebenso wenig.
So wie wir Mensch sind, bleibt das Pferd ein Pferd und auch wir Menschen haben dem Pferd etwas zu bieten:
Wie gesagt, das Pferd braucht den Menschen nicht, doch wenn es einen Vorteil,
einen Nutzen aus der Beziehung und Arbeit mit dem Menschen ziehen kann,
dann, dass wir seiner Persönlichkeit zur Entfaltung Raum geben und es körperlich so fördern,
dass es schöner, erhabener, ausdrucksstärker und gesünder wird.
Ein Pferd wird schnell erkennen, dass wir nicht eigennützig handeln,
wenn wir ihm Hilfen bieten, die es nicht nur als Reitpferd erst befähigen uns gesund zu tragen,
sondern ihm auch Chancen eröffnen, für sich selbst seine Bewegungsmöglichkeiten zu verbessern
und seine Talente zu entwickeln. Wir können der persönliche Coach unseres Pferdes werden,
so dass es sich im wahrsten Sinne des Wortes seine Hilfen abholt, denn es spürt den wohlwollenden Hintergrund.
Genau dann wird es gerne und motiviert mit uns arbeiten.
Die Absicht hinter unseren Handlungen entscheidet also darüber, ob wir Motivation wecken können!
Je gröber und deutlicher ich in meiner Hilfengebung sein muss,
desto schlechter ist meine Verbindung zu meinem Pferd und seine Meinung über den Menschen.
Mein Pferd reagiert nicht oder nicht ausreichend auf meine Hilfen,
weil ich mich missverständlich, undeutlich und eben nicht kongruent ausgedrückt habe
und nicht genügend Motivation schaffen konnte. Was waren meine Absichten?
Einfühlungsvermögen, echtes Interesse am Pferd und Teamgedanken schaffen Motivation!

"Warum versteht mich das Pferd nicht? Sich immer wieder selbst fragen.
Denn geben wir die Hilfen richtig, reagiert auch das Pferd richtig."
(Fredy Knie, sen.)

Pferde sind grundsätzlich von Natur aus weder dumm, noch ignorant
und schon gar nicht absichtlich gegen den Menschen, auch wenn sie dazu allen Grund hätten,
denn allzu oft lernte uns das Pferd als Jäger und Beutefänger kennen!
Sog. Problempferde, welche evt. in der Tat "gegen den Menschen gehen",
ihn evt. sogar angreifen, agressiv und ignorant sind oder schlicht dumpf wirken,
im wahrsten Sinne des Wortes den Mensch aufgegeben haben,
sind so geworden, weil wir Menschen, sie dazu gemacht haben !!
Das Flucht- und Herdentier Pferd wird erst dann zum Angreifer und/oder "Problempferd",
wenn wir Menschen ihm keinen Raum geben, es isolieren, es unterdrücken
und respektlos mit ihm umgehen; erst dann, wenn es keinen Ausweg mehr sieht,
schlägt sein Selbstschutzprogramm Alarm und es beginnt sich und sein Leben zu verteidigen.
Im besten Fall. Der passive Stresstyp erträgt, schluckt und geht innerlich zu Grunde.
Er ist matt, antriebslos, abgestumpft und leer, vielleicht zeigt er sogar autoaggressives Verhalten,
denn der Mensch ist über seine Wünsche und Bedürfnisse hinweggegangen
und hat ihm seine Persönlichkeit aberkannt.

"Wir müssen stets bedenken:
wenn ein Pferd Widerstand leistet, unruhig wird, wegläuft, sich hinlegt oder sich verteidigt,
macht es dies fast immer, um sich einem Schmerz zu entziehen,
den ihm die Behandlung des Reiters verursacht, oder aus Furcht davor.
Dieser tatsächliche Schmerz oder die Angst davor führen, wiederholt empfunden, häufig dazu,
dass das Pferd reagiert, oder, wenn sich das unterwirft, seine Kräfte nicht in natürlicher Weise einsetzt und damit eine überflüssige und schädliche Anstrengung unternimmt."

[Federico Caprilli. In Carlo Giubbilei, Federico Caprilli. Vita e scritti (Mailand: Edizioni Equestri, 1989), S. 72]

In den seltensten Fällen erlange ich durch rohe Gewalt den Respekt meines Pferdes,
vielmehr verdeutliche ich ihm durch meinen groben Aktionismus wie wenig
echte Führungsqualitäten ich zu bieten habe und das mir nicht an seinem Wohl gelegen ist.
Was daraus resultiert ist nicht die Form Respekt, die man sich in einer Partnerschaft wünscht,
sondern eine Form von Angst! Nichts anderes.
Schmerz und Zwang waren und sind schon immer Mittel und Wege gewesen,
die "funktionieren" und mit denen ich jemanden oder etwas gefügig machen kann, so auch ein Pferd;
doch in erster Linie ersticke ich damit jegliche Eigeninitiative und unterdrücke das Individum,
welches nur aus Angst vor weiteren Sanktionen dann meinen Forderungen nachkommt.
Ich spreche dem Pferd damit nicht nur jegliche Recht ab, ich raube ihm das Strahlen,
die Freude und Leichtigkeit.
Nichts anderes sind die Stufenmodelle und Druckmethoden vieler 'Horsemanshipler' und 'Dominanztrainer',
die die Pferde genau darüber, über eine ausschließlich negative Verstärkung, wozu auch die Wegnahme
eines zuvor erzeugten Drucks gehört, gefügig machen. Pferde zu unterwerfen, mittels physischem
oder psychischem Druck ist nicht sehr 'edel' und sicherlich nicht pferdgerecht.
Ähnliches gilt für das zum Teil abenteuerliche Verschnallen und Verzurren der Pferde
zum Longieren mittels Hilfszügel aller Art oder das Aufbauen von Treibgassen vor Sprüngen.
Wieviel Schmerz und Druck es dann im Einzelnen "bedarf", bis das Pferd das tut, was der Mensch möchte,
bis man im wahrsten Sinne des Wortes dem Pferd den "Willen gebrochen" hat,
ist sehr abbhängig vom Charakter und von der Lebensweise des jeweiligen Pferdes.
Ich habe Pferde erlebt und dazu zählt auch Rivaldo, die würden ihr eigenes Leben dafür 'opfern',
ehe sie dem Schmerz und Druck erliegen, sich "brechen lassen" oder aufgeben.
Manch ein anderes Pferd "gibt schneller auf"
(lverständlicherweise dann auch oft sich selbst u. den Menschen sowieso) -
und genau dass ist es, was ich NICHT möchte und was nicht pferdgerecht ist.

"Nicht weniger sind die groben und hochmütigen Methoden zu verurteilen,
die den Willen zerschmettern, die Seele erzürnen und die Intelligenz trüben;
sie bringen charakterliche Werte zum Schwinden, töten das Genie und
begraben jedweden Funken von Willigkeit und Leistungsbereitschaft
unter einem Berg von Demütigungen."

[Federigo Mazzucchelli, Elementi di Cavallerizza (Mailand: Pietro Agnelli, 1802), S. 130]

Ich möchte NICHT, dass mein Pferd aufgeben muss, ich möchte KEINEN Willen brechen,
sondern ich möchte es positiv motivieren, mit ihm im Team leben und umgehen,
seinen Willen respektiere ich und ich achte auf seine Siganale, darauf was es "sagt".
Das Pferd ist nicht mein Sklave! Es ist keine Marionette!
Ich möchte es auch nicht abrichten oder mir unterwerfen - es NICHT dominieren,
sondern ich möchte sein soziales Denken und Handeln erhalten, seine Talente fördern
es in seiner Andersartigkeit respektieren und mit ihm in Harmonie und Gleichklang leben,
dann kommt es meinen Wünschen und Vorschlägen gerne nach.
Es achtet gerne darauf was ich "sage", weil es weiß, es ist ihm selbst
und dem Wohle der Herde, uns als Familienbande, nützlich.
Meine Ideen und Vorschläge sind von guter Absicht, denn ich möchte es fördern in seiner Persönlichkeit,
in seiner gesundheitlichen Konstitution und seinem individuellen Ausdruck und Talent.
Ich als Leitpferd bin ehrlich und kongruent. Vertrauen lohnt, denn ich sorge und schütze.
Doch auch wenn ich zumeist in dieser Menschenwelt leite, gilt die Meinung des Pferdes.
Es findet nicht nur Gehör, seine Ideen sind willkommen und werden unterstützt.
Ich versuche täglich mich dieses verantwortungsvollen "Jobs" würdig zu erweisen
und erhalte hier von den Pferden, im Besonderen von Rivaldo die allerbeste Ausbildung.

Pferde mit Führungsqualitäten, ob Stute oder Wallach (Hengst) strahlen durch inneren Glanz,
durch Klarheit, Willensstärke, Selbstbewusstsein, Wahrhaftigkeit und ihre starke Intuition.
In freier Natur kann nur ein Pferd mit solchen inneren Qualitäten eine Führungspersönlichkeit sein.
Und genau danach strebe ich als Mensch. Es gibt keinen besseren Persönlichkeitstrainer als ein Pferd!

"Teaching is more than imprinting knowledge, it is inspiring chance.
Learning is more than absorbing facts, it is acquiring understanding."
(William Arthur Ward)

Weiter zu:

Die NATÜRLICHE SCHIEFE des Pferdes

Spieglein Spieglein Pferd

Die Individualität des Pferdes

Rivaldo´s Schiefe von Körper und Geist

Freund Pferd? (Artikel aus dem 'Stallgeflüster' der Uelzener Versicherung) [1.247 KB]



Natürliche Schiefe des Pferdes
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