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"Springen ist eine sehr hohe Belastung für den gesamten Bewegungsapparat,
Wirbelsäule, Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder!"
(Emil Scheid)

Springsport?

Das Springen macht vielen Pferden Spaß, doch gerade hier wird auch viel Missbrauch mit dem Pferd betrieben!
Jede Sparte, in dem Tiere als Sportgeräte und Ego-Booster dem Menschen dienen
und wo Wettkampf auf Kosten des Tieres betrieben wird, lehne ich ab.
In jeder Zusammenarbeit mit dem Pferd gilt: Spaß für BEIDE Seiten!
Das was man immer wieder auf den großen Springtunieren, im 'Großen Sport',
aber auch in manchen privaten Reithallen sieht, ist von dieser Grundeinstellung sicherlich nicht geprägt.
Der Springsport, in welchem Pferde über ihre Verhältnisse hoch springen, mit weggedrückten Rücken,
scharfen und schärferen Gebissen im Maul, Sporen und Peitschen die sie über die Sprünge zwingen,
Hilfszügel, welche das Pferd für den Menschen kontrollierbarer machen,
ist für mich schlichte, bewusste Schädigung und Misshandlung von Tieren!
Eine solche 'Nutzung' des Pferdes übersteigt in vielen Fällen die gesundheitliche Grenze
und die Pferde tragen erhebliche Langzeitschäden davon. Körperlich, wie seelisch.
Von Doping und brutalen 'Trainingsmethoden', wie z.B. 'das Barren' möchte ich gar nicht sprechen :o(
Doch auch das häufig zelebrierte Freispringen von unausbalancierten Jungpferden z.B. innerhalb einer Körung,
so wie es Rivaldo durchleben musste, wo je höher umso toller ist und Pferde per Absperrband und Peitsche
über Sprünge gezwungen werden, halte ich für mehr als schädlich und absolut nicht sinnvoll.
Abgesehen davon, dass Pferde sehr viel besser WEIT, als hoch springen können,
kommen solche Szenen für mich sehr nahe einem Bild von Jäger und Beutetier.



Natürliche Springbegeisterung

In freier Natur springen Pferde in den meisten Fällen aus dem Grunde ihr Leben zu sichern,
auf der Flucht, um Hindernisse zu überwinden, welche ihr Fortkommen behindern.
Sie sind dann unter vollster Anspannung, das Adrenalin schaltet Schmerz und Rückmeldung des Körpers aus,
das Ganze nennt sich schlicht Überlebensmechanismus.
Durchaus sieht man aber auch Pferde freiwllig, ohne Zwang und "einfach so",
quasi just for fun, mal über ein natürliches Hinderniss springen.
In der Natur, rein aus Freude, dass sie es können springen sie
und im Spiel mit den Herdenkumpels probieren sie ihre Fähigkeiten aus.
Nicht nur Rivaldo ist sehr springbegeistert, auch das erste Pferd meines Mannes
'Sunny', ein Mustang-Mix, sprang vollkommen alleine und aus purem Spaß.
Er stand mit seinem Herdenverand auf einer riesengroßen Weide in der Eifel,
durch welche ein kleiner Bach floß. Traumhafte Pferdebedinngungen ...
Wie alle anderen Pferde hatte auch Sunny die Möglichkeit den Bach an einer Stelle trockenen Hufes
zu überqueren, welches er auch gelegentlich nutze. Viel lieber jedoch sprang er ÜBER den Bach :o)
Einfach aus Lust und Laune. Und auch Rivaldo nutz regelmässig die Gelegenheiten über etwas zu springen.
Seine Augen leuchten dann, er scheint mit Stolz erfüllt und vor Kraft zu strotzen.
Es gibt sie also: Die natürliche Springbegeisterung.
Pferde sind von der Natur mit der Fähigkeit zu springen 'ausgestattet' und von Zeit zu Zeit,
wenn es die Situation ergibt, ob aus Not oder Freude, springen sie.
Springen sie aus Freude, ist das toll und wunderschön!



Talente fördern

Die Individualität, die Vorlieben und Talente des Pferdes bestimmen letztlich die Zusammenarbeit.
So wie jeder Mensch seine Stärken und Schwächen hat, so hat auch jedes Pferd besondere Talente
und Bereiche, die ihm weder besonders liegen, noch großen Spaß bereiten.
Es gilt auf das Pferd einzugehen, seine Talente zu fördern, um ihm ein gutes Gefühl zu vermitteln,
es körperlich zu stärken und in der Persönlichkeit wachsen zu lassen.
Zeigt mein Pferd ein Interesse für´s Springen und ist mit Begeisterung dabei,
werde ich ihm diesen Wunsch nicht abschlagen, es versuchen zu unterstützen und im eine Hilfe sein.
Zwischen der Förderung von Talenten und der Überforderung ist es jedoch ein schmaler Grad
und neben dem Feedback das Pferdes, sollte der Mensch überlegt handeln, sinnvolle Übungen aussuchen,
die dem Pferd ein Erfolgserlebnis bescheeren und es am Ende nicht frustrieren.
Herausforderungen müssen bewältigbar sein, nur dann bringen sie Spaß und Selbstbewusstsein!
So sollte nicht nur die Sprunghöhe dem Pferd im 'Leistungsvermögen', Gemüt und Körpergröße angepasst sein,
auch mögliche Kombinationen, die Intensität und vorallem Häufigkeit solcher Gymnastiksprünge sollte sich
immer am Wohlbefinden und Gesundheitszustand des Pferdes orientieren.
Auch Pferde können übermütig sein, sich zu viel zu trauen und in einen 'Rausch' geraten
und letztlich bleibt das Springen etwas, dass nicht im natürlichen, TÄGLICHEN Ablauf des Pferdes verkommt,
sondern eine Besonderheit darstellt. Darauf ist auch sein Bewegungsapparat ausgelegt!
Gerade in der Springgymnastik zählt das wie und nicht das wie hoch.
Sprünge, wie wir sie regelmässig z.B. in der Aachener Soers sehen, eben hauptsache möglichst hoch,
halte ich für gesundheitsschädlich und für schlicht sinnlos. Also sinnlos für´s Pferd ...
Für das Puplikum oder das Ego des Reiters gelten sie wahrscheinlich als hoch sinnvoll.

Wenn wir hin- und hineinhören ins Pferd, dabei den Geist wach und das Herz offen halten,
kann so mancher Fehltritt verhindert und das Springen zu einer sinnvollen Gymnastikübung werden.



Sinnvoll und mit Spaß

Es muss nicht immer das klassiche Cavaletti sein, ein paar Baumstämme auf der Weide zu platzieren,
über die die Pferde bei Lust und Laune hüpfen dürfen oder vielleicht auch zusammen, nebeneinander, nacheinander mit "seinem" Menschen springen, ist eine tolle Sache, fördert nicht nur die Trittsicherheit
und das Körpergefühl, sondern vorallem die Verbindung von Pferd und Mensch zueinander.
Auch beim Springen sollten Druck und Zwang in jeder Hinsicht tabu sein!
Das Pferd sollte Losgelassen vor und über einem Sprung und seine Freude dabei sichtbar sein.
Ein Pferd über einen Sprung zu nötigen, ob frei oder unter dem Sattel, ist für mich absolut nicht tragbar.
Pferde teilen sich uns immer mit und immer haben sie gute Gründe für ihr Handeln!
Sollte das Pferd einen Sprung verweigern, wird es seine Gründe dafür haben!
Diese können gesundheitlicher Natur sein, im mangelnden Vertrauen zu seinem Menschen
oder zu seinem eigenen Körpergefühl liegen, ihre Ursache in Überforderung haben,
weil der Mensch zu viel des Guten wollte oder das Pferd nicht ausreichend gymnastisch
an diese Aufgabe heran geführt hat (Balance!). Was auch immer: Es gibt einen Grund!
Auf keinen Fall ist dieser Grund ein 'Veräppeln' des Pferdes oder weil es uns ärgern möchte.
Durch das sinnvolle Springen kann das Pferd seine Koordinationsfähigkeit und den kraftvollen Einsatz
der Hanken üben, welches gerade für das REITpferd von besonderer Bedeutung ist.
Denn erst wenn eine Stoß-und Schubkraft vorhanden ist, kann sich daraus Tragkraft entwickeln:

"(...), denn die Schiebkraft kann nicht gereglt werden, wenn keine vorhanden ist,
und das Pferd kann nicht richtig gehen lernen, wenn es nicht geht."
(Gustav Steinbrecht, Das Gymnasium des Pferdes)

Zudem stärkt es die Bauchmuskulatur, welche ja der Gegenspieler der so wichtigen Rückenmuskeln ist
und es kann Balance und Gleichseitigkeit fördern, wenn auf ein ruhiges Tempo geachtet wird.
Das Pferd sollte sich im Laufen "leise" und leicht anhöhren und nicht "donnern"!
Natürlich auch nicht vor einem Sprung!
Gerade junge Pferde springen im Handgalopp ab, landen aber im Außen- oder Kreuzgalopp.
Unterstützt man das Pferd hier durch einen sinnvollen Aufbau und die Galopphilfe im richtigen Moment,
bekommt es ein Gefühl für das passende Timing und den Handgalopp,
denn es fühlt sich sicherer und angenehmer an im passenden Galopp zu laufen.
Ein sehr verständliches Argument für ein Pferd, dass die wohlwollende Absicht des Menschen immer erkennt!
Cavaletti´s kombiniert mit vorgelagerten und/oder folgenden Trabstangen lösen das Pferd,
helfen bei Übergängen und fördern das Taktgefühl für den Wechsel der Gangarten.
Das Traben und Springen über erhöhte Stangen an der Longe ist ein gutes Training,
um auf Sprünge unter dem Reiter vorzubereiten, denn der Mensch kann hier das Loslassen
und Aufwöblen des Rückens gut unterstützen. Zudem ist jede Animation zum 'Beine heben' überaus sinnvoll
und anders, als das eigentliche Springen, auch für den häufigeren Einsatz geeignet.
Die Aktivität der Beine ist für das Reitpferd von elementarer Bedeutung.
Aktiv sind die Beine bei jedem Pferd, sonst käme es schlicht nicht von der Stelle ;o)
In freier Wildbahn nutzen Pferde ihre Beine für ein energiesparendes, je nach Situation,
auch schnelles Fortkommen und machen eher lange, flache Bewegungen.
Sobald wir auf einem Pferd aber auch reiten möchten, sollte die Tragkraft geschult und ausgebildet werden.
Eine schleppende Hinterhand und eine nicht beachtete natürliche Schiefe,
können keine Reiterlast tragen und auch kein Pferd gesund und sicher über einen Sprung bringen.
Nur durch eine sinnvolle Gymnastizierung können Pferde uns unbeschadet tragen!
Gerade beim Springen wird die natürliche Schiefe des Pferdes deutlich sichtbar
und schnell zu einem folgenschweren Problem.
Körperlicher Schaden entsteht dann vorallem auf Seiten des Pferdes, wenn es seine Gelenke falsch belastet,
doch letztlich kann auch der Reiter körperlichen Schaden nehmen, wenn das Pferd, aus Mangel an Balance,
wegrutscht und das Gleichgewicht verliert.
Oft sehe ich Pferde nach einem Sprung gerade so und irgendwie durch die nächste Ecke kommen.
Dieses Laufen gleicht mehr einem Schliddern und es hat mehr mit Glück und den Jobs der Schutzengel
zu tun, dass nicht viel öfter Unfälle passieren.
Ein nicht- oder schlecht balanciertes Pferd zu springen, ist fahrlässig für Tier und Mensch!
Wir haben eine Verantwortung für diese Tiere und gerade, wenn wir etwas derartig anspruchsvolles,
wie das Springen, vom Pferd 'verlangen', muß die Gesundheit des Pferdes oberstes Gebot sein.
Ein gymnastiziertes und bereits ausreichend balanciertes Pferd kann jedoch von ein paar Sprüngen
durchaus profitieren und einen psychischen, wie physischen Nutzen daraus ziehen.
Sprünge lassen sich auch wunderbar ins Spiel, die freie Arbeit integrieren.
Ein beliebtes Spiel von Rivaldo und mir ist z.B. dass wir gemeinsam einen Sprung nehmen oder
ich ihn hinter dem Hinderniss freudig zu mir rufe, nachdem er vor dem Sprung geduldig auf mein Zeichen gewartet hat. Rivaldo springt dann mit Freude und Konzentration.
Springen kann also eine sinnvolle Gymnastizierung und spaßbringende Abwechslung sein,
sofern auf eine gute Rückentätigkeit geachtet, die Balance bzw. natürliche Schiefe des Pferdes
nicht außer acht gelassen wird und das Pferd gefördert und nicht überfordert wird.



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