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"Sie müssen eins werden mit dem Pferd, Spock!"
(Captain James T. Kirk)




Kommunikation & Gymnastik mit und ohne Seil



Meinen Traumtänzer Taris habe ich viele Jahre im Kreis sinnlos um mich herum laufen lassen,
meist ausgebunden mit Dreieckszügeln oder Chambon. Runde um Runde.
Einer von vielen vielen Fehlern. Aber ich habe gelernt :o)
Als Rivaldo zu uns kam, habe ich auch hier so begonnen, doch dank seiner Neigung zum "einrollen"
und seiner hochsensiblen Art, wurde mir bewusst, wie langweilig, eintönig, stupide
und grundsätzlich überhaupt nicht sinnvoll dieses Vorgehen ist. Pferdgerecht muss anders aussehen.
Es war ihm ins Gesicht geschrieben, wie unwohl er sich mit diesen Hilfzügeln fühlte und
auch ich fühlte mich ähnlich hilflos, so steif in der Mitte stehend konnte ich ihn nicht richtig unterstützen
und eine Verbindung zueinander war irgendwie auch nicht vorhanden.
Seine natürliche Schiefe war zwar deutlich für mich zu erkennen, aber ich konnte sie nicht korrigieren,
konnte Rivaldo in seinem Körpergefühl nicht viel helfen, sondern musste da stehen und hoffen,
dass er sich selber auf der gebogenen Linie "irgendwie" gerade machen würde ...
Ganz zu schweigen von der Belastung für Gelenke, Sehnen und Bänder,
welche unweigerlich entsteht, wenn das Pferd im Kreis seiner Schiefe folgend läuft.
Es kann nicht anders, denn es ist nicht für diesen gebogenen Bewegungsablauf "gemacht",
sondern für das energiesparende Geradeauslaufen auf weiten Ebenen.
Das Pferd kann weite, lange und gerade Strecken äußerst ökonomisch zurücklegen,
doch auch das gesunde Laufen auf einer gebogenen Linie kann es lernen.
In der Absolvierung meines Longierabzeichens der FN wurde genau dieses aber nicht gelehrt,
sondern Hilfszügel, steifes Stehen und viel Peitscheneisatz wurden gut geheissen und empfohlen.
Heute longiere ich so nicht mehr, Dank Rivaldo.



Im Prinzip beginnt heute unsere 'Arbeit' am Seil, wenn ich bei Rivaldo ankomme,
ihm sein Halfter anbiete und wir unsere gemeinsame Zeit starten.

Jede Handlung, jede Tätigkeit und jeder Schritt ist Gymnastik, ist Ausbildung, ist Kommunikation!

Durch das freie Arbeiten und freie Longieren haben wir die Leichtigkeit, die Harmonie und
unsere Verbindung zueinander gefunden und neue, feine Möglichkeiten der Gymnastizierung entdeckt,
die uns BEIDEN auch noch Spaß machen und unglaublich abwechslungsreich sind.
Das hat meinen Kopf befreit, mir gezeigt, wie sich Rivaldo bewegen möchte, was ihm gut tut
und was ich für Möglichkeiten der Einwirkung habe, ganz ohne Seil, Halfter oder gar Gebiss.
Besonders durch die freie Arbeit habe ich seinen Körper, mit seinen Stärken und Schwächen,
seinen individuellen Bewegungsablauf und seine eigene Biomechanik begriffen.
Dieses Verständnis macht mich heute zu einem guten Ausbilder von Rivaldo,
dessen Hilfen er gerne annimmt, denn ich habe ihn in seiner Ganzheit erfasst
und richte jede Handlung nach seinem Wohlergehen und seiner Entwicklung aus.

Wenn ich heute mit Rivaldo an einem Seil 'arbeite', dann unterscheidet sich diese 'Arbeit' grundsätzlich kaum von der Freien, denn die Grundsätze und die Körpersprache bleiben die Selbe - mit oder ohne Seil.
Üben wir mit Seil, dann trägt Rivaldo hierzu entweder ein normales Stallhalfter, Knotenhalfter
oder einen Kappzaum; die zwei Letzeren sollten gut angepasst sein und bestens sitzen.
Wir haben eine intensive Verbindung zueinander und kommunizieren in allererster Linie über unsere Körpersprache, diese bildet weiterhin die Basis und die Grundvorraussetzung. Das Seil ist nur eine Ergänzung.
Auch beim Longieren geht es grundsätzlich um Vertrauen, mit dem Pferd eine Einheit zu bilden, zu fühlen, genau zu beobachten und über feinste Signale sich zu verständigen, genau so, wie am Boden und im Sattel.

Kommunikation -


Es bietet uns viele Vorteile, dass wir mal nicht im Sattel oder auf dem Pferd sitzen.
Ähnlich der Freiarbeit können wir so das Pferd im Ganzen beobachten und Hilfestellungen anbieten.
Das Pferd kann ohne Reiter neue Bewegungsabläufe besser ausprobieren und erlernen,
wie z.b. eine reele Dehnungshaltung, ohne das sein Reiter es unabsichtlich im Sattel dabei stört.
Und Hand auf´s Herz: Wieviele Pferde laufen am langen Seil wirklich in Balance??
Die meisten laufen mit erhobenem Kopf, weggedrücktem Rücken und herraustretender Hinterhand
oder mit der Nase im Sand, liegen dabei auf der Vorhand und laufen mehr IN den Boden,
als darüber im Gleichgewicht zu schweben. Ganz zu schweigen von einer Fußung in der Spur.
Doch auch wenn es viele Vorteile gibt, dass wir hierbei nicht auf dem Pferd sitzen,
hat es aber auch den Nachteil, dass wir nicht direkt den Pferdekörper fühlen und spüren können.
Wir sollten also noch aufmerksamer, feinfühliger und sensibler in unserer Wahrnehmung sein.
Gesundheitliche Verfassung, Stimmung und Ausbildungsstand sind drei Dinge,
welche es auf BEIDEN Seiten, bei Pferd und Mensch vor JEDER Handlung zu überprüfen gilt.




Die Arbeit am Seil oder den langen Zügeln kann so vielfälig sein.
Alle möglichen Seitengänge, fliegende Wechsel ... den 'Lektionen' sind keine Grenzen gesetzt
und sie werden spielerisch, mit Freude und Motivation, im Teamwork erarbeitet.
Rivaldo lernt dabei selbstständig, wie sich sein Körper in der einzelnen 'Lektion' anfühlt,
denn er wird nicht mittels Hilfszügel in eine Form gepresst oder mit Druck zu etwas gezwungen.
So kann er seine Grenzen selber setzten und sie eigenständig überwinden,
ohne in eine bestimmte Haltung gezerrt zu werden, zu der er in dem Moment noch gar nicht
oder noch nicht so lange fähig ist. Das schafft Selbstvertrauen und gute Gefühle.
Diese Freiheit, obwohl wir mit einem Seil verbunden sind, dankt er mit Vertrauen und Freude
an der Zusammearbeit und auch für mich ist es eine Wonne und Glückseligkeit,
ihn in einer Leichtigkeit sich gymnastizieren zu sehen, wie er neue Bewegungsmuster entwickelt,
sich, seinen Körper und seine Talente oft völlig neu entdeckt und erfindet.
Doch das aller aller Schönste ist die Verbundenheit, das Gemeinsame, der Gleichklang.
Und das obwohl Rivaldo eigentlich erheblich "Longen-traumatisiert" war !! (Siehe hierzu: DAILY)



Longieren ist Tanzen

Ich möchte mit Rivaldo eine fließende, homogene Einheit bilden, wie bei einem harmonischen Tanzpaar,
dass einander bis in die kleinste Geste und Bewegung wahrnimmt, aufeinander abstimmt
und jede Aktion des Einzelnen in einer gemeinsamen Harmonie endet.
Das Tanzpaar richtet seine volle Aufmerksamkeit auf den Partner,
nicht auf die Zuschauer, nicht den Boden und dennoch ecken sie nirgendwo an,
rempeln nicht gegen Andere auf der Tanzfläche, weil all ihre Sinne offen sind.
Sie sind ineinander versunken, scheinbar fest miteinander verbunden.
Bei guten Tänzern kann man von außen nicht erkennen, wer führt,
denn der Tanz ist freiwillig und der Partner lässt sich vertrauensvoll leiten.
Sie haben Freude am gemeinsamen Tun. Sie tragen Verantwortung für die Schritte des Anderen.
Der Zuschauer ist begeistert vom Gleichklang, der glücklichen und schwingenden Ausstrahlung,
welche mitreisst und wie auf einer Wolke ein Stück mitträgt, ein Teil werden lässt dieser Kunst.

Nur ehe ich meinen Tanzpartner Pferd führen und leiten kann und wir lostanzen können,
muss ich mich dieser Führung würdig erweisen und das Vertrauen meines Pferdes genießen,
damit es sich von mir freudig leiten lässt und das Ganze nicht in einem hässliches Gezerre endet.
Auch muss ich mir sicher sein, dass mein Gegenüber, mein Pferd tanzen möchte,
auf seine Tagesform und seine Stimmung eingehen und es nicht zwingen zu tanzen.

"Ein Tänzer, der mit Peitsche und Stachel zum Umherspringen gezwungen wird,
ist auch nicht schöner als ein Pferd das gleichermassen behandelt wird."
(Xenophon)

Selbstverständlich muß ich als führender Tanzpartner Mensch genau wissen, was wir gleich tanzen wollen:
Ich muss also einen genauen Plan haben, wo mein Pferd hinfußen soll, welche Haltung ich dabei anstrebe,
wieviel Spannung und welchen Rhytmus dieser Tanz haben wird.
Die innere und äußerliche Haltung des Menschen ist auch hier entscheidend.
Im Geiste, vor dem inneren Auge visualisieren wie mein Pferd in einer gesunden und balancierten
Selbsthaltung zufrieden läuft und dieses innerliche Bild auch mit meinem eigenen Körper ausdrücken.
Damit mein Partner Pferd meine Visionen umsetzen kann, sollte ich ausserdem noch ein guter Pädagoge sein,
denn für unser Pferd sind wir Tanzpartner und Tanzlehrer zugleich.
Auch das beeindruckenste Tanzpaar hat die einzelnen Schritte -Step by Step- ein Mal gelernt,
vielleicht sogar jeder für sich und erst danach konnten die Schritfolgen einander gereiht werden.
Und ganz sicher, brauchte es auch etwas Zeit, bis sie aufeinander eingespielt und abstimmt waren.
Ein guter Lehrer und Pädagoge geht auf seinen Schüler ein, arbeitet im individuellen Lernryhtmus,
hat über sich selbst zu JEDERZEIT die volle Kontrolle und weiß seinen Zögling zu motivieren
und natürlich zu LOBEN! Freude zeigen, wenn wir Freude empfinden und gerade beim Longieren,
dem Laufen auf einer gebogenen Linie, welches dem Pferd nicht leicht fällt, unsere Bewunderung,
Begeisterung und Achtung vor den Anstrengungen des Pferdes zum Ausdruck bringen, seine Mühen honorieren.

Einen geübten Tanz kann man weiterentwickeln und abwechslungsreich gestalten.
Ob mit Stangen (um welche man auch drumherum laufen kann), dem Überlaufen von Planen,
kleineren Sprüngen, Gassen, Engpässen oder interessanten Hindernisparcouren ...
Auch die Dualaktivierung nach M. Geitner lässt sich wunderbar sinnvoll integrieren und ist eine große Hilfe.

Matthias unter der Dualaktivierung ;o) - DANKE !! -


Anders, als es Herr Geitner (Dualaktivierung) oder die FN vermitteln, bleibe ich nicht steif in der Mitte stehen,
sondern bewege mich mit meinem Pferd zusammen, begleite es in seinen Abläufen.
Der Zirkel lässt sich so permanent verlagern und auch in der Größe individuell anpassen.
Bewegung ist Energie! Das Pferd begleiten, leiten und nicht steif in der Mitte stehen.
In der Arbeit am Seil geht es nicht um ein müde machen das Pferdes, nicht um ein Herz-Kreis-Lauf-Training, sondern um eine sinnvolle Gymnastizierung und ein harmonisches Miteinander, über Kommunikation.
(Sein Herz-Kreis-Lauf-System schult das artgerecht gehaltene Pferd von ganz alleine!)
Um meine Hilfen geben zu können, muss ich teilweise nahe am Pferd sein.
Würde ich fest an einem Punkt stehen bleiben, wäre der Zirkel sehr klein,
doch die Zirkelgröße orientiert sich ausschließlich an den Fähigkeiten des Pferdes,
wie gut es auf einer gebogenen Linie bereits laufen kann und wie Tragfähig es ist.
Habe ich mein Pferd gut geschult, vielleicht sogar bis an die Versammlungsfähigkeit hin ausgebildet,
kann es durchaus auch einen sehr kleinen Zirkel laufen - nichts anderes ist z.B. eine Pirouette.
Doch bis dahin, also in der "normalen" Longenarbeit gehe ich mit dem Pferd mit,
begleite und unterstütze es mit meinen Hilfen und und bestimme die Größe des Zirkels.

Der menschlichen und pferdischen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Neben der sinnvollen Gymnastizierung kennt das Pferd bald weder Ängste,
noch Bewegungsblockaden, sondern seinen eigenen Körper "in und auswendig",
gewinnt dadurch Selbstvertrauen, Selbst- bewusst -sein, Sicherheit und
so noch mehr Spaß an Bewegung und der 'Arbeit' mit seinem Menschen.
Raus aus dem "Schubladendenken" und den ausgetretenen Hufschlägen
und "Tür frei" für Kreativität, Freiheit und Harmonie! :o)


Vorbereitende & Ergänzende Arbeit an der Hand

Die natürliche Schiefe in der Longenarbeit

Warum keine Hilfszügel?



So wie ich reiterlich nicht über 20-30min. hinaus mit Rivaldo aktiv arbeite,
so gestaltet sich auch das Training am Seil meist eher sogar noch kürzer.
Es ist auch abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Übung und der Stimmung des Pferdes,
doch die 30-Minuten-Grenze überschreiten wir i.d.R. nicht.
Auch Michael Geitner, 'Erfinder' der Dualaktivierung empfielt ein 10-10-5-System,
so daß auch er nicht über 25 Minuten Konzentrationszeit kommt.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Konzentrationfähigkeit bei Pferden nach 20 Minuten
stark abfällt, bei einem Jungpferd ist die Zeitspanne selbstverständlich noch kleiner zu bemessen.
Gerade die biegende Arbeit zur Balancierung ist sehr sehr anstrengend für das Pferd,
denn ein Pferd hat von Natur aus keinen Grund in konstanter Biegung zu laufen,
meist läuft es geradeaus - inkl. seiner natürlichen, hier sehr nützlichen Schiefe.

"Lieber wenig und das Wenige gut."
(Egon von Neindorff)

Gerne helfen wir Ihnen bei der Entwicklung und Umsetzung einer sinnvollen Longenarbeit.


Spieglein, Spieglein Pferd



Longing: die natürliche Schiefe
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