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"Ich habe in meinem Leben über 500 Pferde gehabt und bin von ihnen noch nie enttäuscht worden, aber ich habe auch noch nie zwei Pferde mit demselben Charakter gesehen.
Jedes Pferd hat einen anderen Charakter und auf den müssen Sie eingehen."
(Fredy Knie, sen.)

So wie jeder Mensch seine eigene, persönliche Geschichte aus positiven und negativen Erfahrungen hat,
so hat auch jedes Pferd einen Teil seines individuellen Weges oft hinter sich, wenn wir auf es treffen.
Das Leben und jedes Zusammtreffen mit dem Menschen prägt das Pferd. Positiv, wie negativ.
Der ganz eigene, unverwechselbare Charakter eines jeden Lebewesens bestimmt in erster Linie,
wie mit den Erlebnissen und Erfahrungen des Lebens umgegangen wird.
Jedes Pferd ist einzigartig! Jedes Pferd ist anders!

In der Diashow zu Beginn dieser Seite kann man Rivaldo mit seinem besten Freund Ben sehen,
zwei Pferde wie sie unterschiedlicher vom Charakter nicht sein könnten -
auch wenn sie sich dennoch in vielen Dingen ähneln, sind beide Charaktäre vollkommen anders.
Vereinfacht könnte man sagen, es gibt auch unter den Pferden extrovertierte und introvertierte Persönlichkeiten, tempramentvolle und ruhigere Gesellen, es gibt "Kämpfer" und es gibt die "stillen Wasser".
Sicherlich liegen zwischen diesen Extremen noch eine Vielzahl weiterer Mischtypen, denn jedes Pferd ist ein Individuum, doch die grundsätzliche Richtung lässt sich damit gut beschreiben.
Bei der Ausbildung und dem Zusammensein mit einem Pferd muss genau dieser Aspekt immer bedacht werden.
Wir Menschen sollten sehen lernen, welchen Typ Pferd wir vor uns haben
und die ganz eigene Persönlichkeit des Pferdes erkennen.
Die Ausbildung und die gesamte Zusammenarbeit muss nach den Talenten,
den Eigenheiten und Fähigkeiten des jeweiligen Pferdes ausgerichtet werden,
wenn wir seine Natur, seine individuelle Persönlichkeit bewahren, zur Entfaltung fördern
und sein Herz und seine Psyche frei von Schaden halten möchten.
Das ein Kaltblut sicherlich schneller seine persönlichen Grenzen in Dressurlektionen erreicht
und ein Araber sehr wahrscheinlich nur begrenzt als Kutschpferd einsetzbar sein wird,
ist klar und das soll an dieser Stelle auch gar nicht Thema sein.
Vielmehr geht es mir um die Psyche, um die Persönlichkeit und den Charakter des Pferdes
und wie dieser a) von der Natur von Grund auf angelegt und b) durch das Leben geprägt wurde.
So wird ein tempramentvolles, extrovertiertes "Kämpfer-Pferd" leicht durch ein "zu viel" an Support und Bestärkung ein wenig übermütig, doch obwohl es sicherlich durch seine Natur ein wenig mehr klare Grenzen benötigt, als der ruhigere Geselle, läuft man beim aufzeigen dieser schnell Gefahr den "Kämpfer" zu einem "Krieger" zu machen. Denn ist aus dem "Kämpfer" erst ein einsamer, enttäuschter "Krieger" geworden,
ist er uns meist als Problempferd, im Schlimmsten als "Hoffnungsloser Fall" bekannt,
vor dem gewarnt wird, weil er beisst, tritt, durchgeht und überhaupt gar nicht zu händeln ist.
Umgekehrt benötigt das "stille Wasser" wahrscheinlich weniger so starke Grenzen,
jedoch weil dieser introvertierte Typ Pferd auch seine eigenen Grenzen undeutlich meldet,
im Falle eines Falles diese eher nicht verteidigt, besteht hier ganz schnell die Gefahr es zu überfordern,
es zu übervorteilen und es im Ganzen zu überhören.
Positive Unterstützung trifft hier zwar im Besten noch auf fruchtbaren Boden,
doch Negativerlebnisse versickern im "stillen Wasser", fressen diesen Typ Pferd auf,
woraus dann stereotype Bewegungen wie Koppen oder andere autoagressive Handlungen werden können.
Meist finden wir diesen Typ Pferd, diesen "ruhigen Gesellen" z.B. im Schulbetrieb, wo er Stunde um Stunde,
Rund um Runde, enttäuscht und mit glanzlosen Augen, aber brav und kinderlieb den Xten Reitschüler erdulet.
Die Introvertieren, die still vor sich hin Leidenden, sind es selten die Aufsehen erwecken.
Sie zeichnet eine erlente Hilflosigkeit aus, der sie sich mit der Zeit ergeben haben
und sie können täglich zu nichts weiter mehr Kraft aufbringen, als auf die Gunst des Menschen zu hoffen.
Die Extrovertieren, die "Kämpfer", welche zu "Kriegern" gemacht wurden, sind es,
die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die den xten "Horseman-Guru" aus der Reserve locken,
um dann am Ende doch entweder aufgegeben oder doch noch gebrochen, besiegt zu werden.

Egal ob 'Kämpfer' oder 'stilles Wasser': Auf jedes Pferd muss individuell eingegangen werden
und nur wenn wir genau hinsehen, hinfühlen und das Pferd in seiner Eigenheit erfassen,
kann eine Zusammenarbeit mit Spaß und Freude erfolgen und von Erfolg gekrönt sein.

Als Ergänzug zu den Ausführungen in "Spieglein Pferd" zeigt die Tatsache das jedes Pferd seine eigene Geschichte hat auch, dass es erlernte Verhaltensweisen aus dem früheren Leben eines Pferdes gibt,
welche es prägten und zudem machten, was es heute ist. Wir haben ja auch unser Päckchen.
Nicht jedes Pferd reagiert genau gleich, es gibt kein Patentrezept und sicherlich ist der liebende,
sorgende Reiter so manches Mal in einer Problemsituation nicht wirklich aktuell "Schuld" am Ausmass des Geschehens und dennoch zeigt uns einzig das Pferd mit seinem Verhalten, wie es behandelt werden möchte,
wo seine Seele Verletzungen hat, wo seine Baustellen liegen, aber eben auch bei uns selbst.
Mensch und Pferd:
Eine untrennbare Wechselwirkung von zwei Lebewesen mit Gefühlen und Geschichten.

Ich bin der Überzeugung, dass nichts im Leben ohne Sinn ist und so glaube ich auch,
dass beim Aufeinandertreffen von Mensch und Pferd sie EINANDER immer etwas lehren können.
Doch weil das Pferd unglaublich geduldig ist, immer gefallen möchte, wir Menschen zudem oft glauben
es ist unser Besitzt, ist es meist nur das Pferd, was lernen soll und nicht der Mensch!
Pferde sind unglaublich gutherzige Wesen und sie haben uns Menschen in Sachen Verzeihung und Vergebung einiges voraus. Wenn jeder Mensch an jedes Pferd, egal welchen Charakters und mit welcher Geschichte,
mit ein bisschen mehr Sensibilität, Achtung, Respekt und vorallem Verständnis herantreten würde,
dann bin ich mir sicher, hätten wir deutlich weniger leidende Pferde und zudem auch eine bessere Menschenwelt, denn das, was man in unserer aktuellen Reitkultur heute sieht, ist nichts anderes,
als die kleinen und großen Kriege dieser Welt.

Das Verhalten des Pferdes resultiert aus seinem Charakter und seiner Lebenserfahrung!
Dies sollte bei jeder Handlung bedacht werden, im besonderen bei vermeintlichem Ungehornsam
oder unerwünschtem Verhalten, denn die Ursache liegt immer in zwei Punkten:
1. Auslöser ist der Mensch, welcher aktuell mit dem Pferd umgeht
2. Außmaß/Art der Verhaltensauffälligkeit ist in der Vergangenheit, der Persönlichkeit des Pferdes begründet
Am Beispiel "Spieglein Pferd", am ausbrechenden, davon laufenden Rivaldo im Erlebnisbericht:
1. Rivaldo reagierte auf meinen momentanen Gesamtzustand, meine aktuelle Inkongruenz,
meine Körpersprache und meine unterdrückten Emotionen just zu diesem Zeitpunkt
2. Rivaldo reißt sich los, weil er in seiner Vergangenheit durch den Menschen traumatisiert wurde
und dort dieses Verhalten, zum Selbstschutz entwickelt hat.
Rivaldo ist ein Kämpfer, welcher zum Krieger gemacht wurde.

"Farouche - wild und störrisch.
Zu dieser Bemerkung möchte ich hinzufügen, dass die meisten Fehler eines Pferdes einen Beweis für sein Gedächtnis und seine Intelligenz darstellen, um die man sich zuwenig Gedanken macht;
man vergisst dabei, dass die Eindrücke von heute das Ergebnis von morgen hervorbringen;
dass man die Erziehung eines jungen Pferdes ebenso sorgfältig überwachen muss wie die eines Kindes und es daher nur mit Menschen umgeben darf, die in der Lage sind, ihm gute Gewohnheiten zu vermitteln."

(François Bauer interpretiert von Dr. med. vet. R. Stodulka, Sein Leben, Sein Werk, Der Mythos, Wu Wei Verlag 2009)

Natürliche Schiefe des Pferdes
Rivaldo´s Schiefe
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