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Die Zahngesundheit des Pferdes ist ein vernachlässigtes Thema,
doch die regelmässige Gebisskontrolle ist bei unseren Hauspferden zwingend notwenig!

Pferde waren ursprünglich Steppen-, Savannen und Tundrentiere.
Sie nahmen täglich fast permanent strukturreiche Kost zu sich, wie z.B. grobe Steppengräser,
frische und vertrocknete Beeren, Kräuter, verschiendeste Rinden und Laub.
Im Frühjahr fanden die wilden Pferde auch mal junges, frisches Gras, doch niemals weideten sie hier Stunden um Stunden, sondern immer war ihre Ernährung ausgesprochen vielfältig und größtenteils bestimmt durch Strukturfutter.
Nicht nur die Inhaltsstoffe hielten das Wildpferd gesund, auch die Beschaffenheit der Nahrung.
Grobes, holziges, hartes und faserreiches Futter nutzten die ständig nachschiebenden Pferdezähne
ab und hielten das Gebiss intakt. Jedes Jahr wachsen die Pferdezähne um 2-4 mm.
Über die Kautätigkeit solcher Nahrung hielt Wachstum und Abnutzung die Balance.

Mit den Pferdezähnen verhält es sich ganz ähnlich wie mit den Hufen:
Das ausschließliche Laufen auf weichen Untergründen, wie auf den immer grünen Wiesen,
kann genauso wenig für Hornabrieb und Gegendruck sorgen und damit die Hufe gesund erhalten,
wie es auch nicht der natürlichen Nahrung des Pferdes entspricht und so Zahnprobleme hervorruft.
Weiches Weidegras, frisch oder als Heu, ist nicht mit der natürlichen, strukturreichen Nahrung eines Wildpferdes vergleichbar. Heulage, Silage oder Getreide, i.d.R. sogar noch geschrotet oder aufgepoppt, kennt das Wildpferd nicht. Alle diese Futtermittel sind keine pferdgerechte, natürliche Ernährung und neben diversen "Wohlstandserkrankungen" wie Hufrehe, PSSM, Cushing, Tyning up, EMS, Ekzeme und auch viele Koliken,
führt dies zu Zahnproblemen.

MERKE:
Je artgerechter ein Pferd gehalten und ernährt wird, desto gesünder ist es. Auch seine Zähne!


Neben der Ernährung, was gefressen wird, ist das wie ebenfalls entscheidend.
Eine weitere Ursache für die ungleichmässige Zahnabnutzung mit entsprechender Hackenbildung am Gebiss,
ist die meist hohe Fresshaltung der Hauspferde.
Tröge, Tränken und Heunetze werden auf menschlicher Brust- oder Hüfthöhe montiert,
doch die natürliche Fress- und Saufhaltung eines Pferdes ist BODENNAH!
"Naja", denkt vielleicht mancher. "So schlimm kann dass doch nicht sein!" Doch!
Denn nur gesenktem Kopf ist das naturgemäße Gleichgewicht zwischen Ober- und Unterkiefer des Pferdes vorhanden! Ober- und Unterkiefer "decken" sich während der Kautätigkeit in dieser Haltung, Backen- und Schneidezähne werden so gleichermaßen abgenutzt.
Bei der Kopfhaltung in ca. 1m Höhe, während des Fressens aus Futtertrögen,
verschiebt sich der eh schon etwas schmalere Unterkiefer des Pferdes um ca. 3-6 mm zurück.
(Probieren Sie mit Ihrem Pferd verschiedene Kopfhaltungen aus und ertasten Sie dabei den Kiefer!)
Die Folge einer Kautätigkeit in dieser Position ist leicht nachzuvollziehen:
Ungleichmässiger Abrieb der Zähne!
Die Oberkieferschneidezähne werden zu lang, weil ihnen das "Gegenüber" fehlt, wodurch sie schräg nach vorne nachschieben. Durch die seitliche Mahlbewegung entstehen in einer hohen Fresshaltung vorallem Haken und Spitzen an den Rändern der Zähne, hauptsächlich an der Backenseite des Oberkiefers und auf der Zungenseite des Unterkiefers. Die zu lang gewachsenen Zähne und die entstandenen Zahnhaken können die gegenüberliegende Kieferseite, die Zunge, sowie die Backenschleimhaut verletzen!
Wer sich schon mal auf "die Backe" gebissen hat, weiß, dass dies äußerst schmerzvoll,
jedoch durch die Heileigenschaften der Schleimhäute schnell vergessen ist.
Bei einem Pferd mit Haken, Kanten und Spitzen an den Zähnen hält der Schmerz an,
denn bei jeder Bewegung des Kiefers werden die Schleimhäute neu verletzt.
Ein Trensengebiss, ein Nasenriemen werden dann zur Tortour und viel wichtiger:
Das Grundbedürfnis FRESSEN bedeutet für das Pferd dann nicht nur Pein,
sondern Verdauungsprobleme, Abmagerung und sogar Koliken können die Folge sein.
Ein Pferd dass während des Kauvorganges Schmerzen erleidet, wird seine Nahrung nicht ausreichend einspeicheln und kauen, wodurch sich auch Nährstoffverluste ergeben.
Die Auswirkungen von Zahnproblemen sind weitreichend, auch für den Reiter, aber vorallem für das Pferd.
Die Zähne liegen im Kiefer des Pferdes und weil alles mit allem verbunden ist,
wirkt sich jegliche Disbalance im Kiefer nachteilig auf das gesamte Pferd aus.
Eine Lahmheit muss nicht immer ihre Ursache im Bewegungsapparat haben,
manchmal sind Zahnschmerzen der Auslöser.

Mögliche Symptome im Training:

- Kopfschlagen
- Verwerfen
- Zungenspielen
- Steigen
- Bocken
- Pullen
- Aufrollen
- Steifigkeit
- Probleme beim Stellen und Biegen
- "wie tot im Maul"
- Probleme beim Trensen
- Durchgehen
- festes Genick
- Festhalten im Rücken
- schlechte Hinterhandtätigkeit
- Ausbrechen
- Lahmheiten/Taktstörungen

Symptome während der Futteraufnahme:

- Fressunlust
- starkes Speicheln
- Kopfschlagen während des Fressens
- ungewöhnlich langsames Fressen
- Formung von "Heuwickeln", sog. "Röllchen"
- Futterverlust aus dem Maul
- Verschlucken

Symptome des Allgemeinzustandes:

- Abmagerung
- schlechter Fellzustand/Fellwechsel
- größere oder unverdaute Futterpartikel im Kot
- Fauliger Geruch aus dem Maul oder den Nüstern
- Blutspuren im Maul
- Nasaler Ausfluß
- Schwellungen im Bereich des Gesichtes, Kiefers oder der Maulschleimhaut
- Koliken
- Empfindlichkeiten beim Kopf putzen/bei Berührung der Wangen



Neben dem Umstand dass unsere Hauspferde weder artgerecht das Futter aufnehmen können,
noch die Beschaffenheit der Nahrung natürlich und pferdgerecht wäre, sind Fehlstellungen im Gebissbereich
des Pferdes ein vernachlässigter Exterieurmangel in Zuchtplänen. So kommt es durchaus vor,
dass "Treppen- oder Wellengebisse" (beides Fehlstellungen) bereits angeboren sind
und einer besonderen, intensiveren Beobachtung und Behandlung bedürfen.

Auch der Zahnwechsel beim Jungpferd bedarf öfter Unterstützung, wenn sich Zahnkappen im Milchgebiss
nicht selbstständig lösen und so die nachschiebenden, bleibenden Zähne blockieren.
Beim Jungpferd ist daher eine halbjährliche Zahnkontrolle angeraten.
Ein gängiges Verfahren bei Jungpferden, vorallem bei solchen, welche im Sport eingesetzt werden,
ist das Entfernen der Wolfszähne. Die Wolfszähne sind sehr klein und befinden sich vor den ersten Backenzähnen.
Ein Pferd kann einen, zwei oder gar keinen Wolfszahn besitzen.
Obwohl die wenigisten Wolfszähne wirkliche Probleme bereiten,
werden sie doch routinemäßig entfernt, um Schmerzen oder störenden Interaktionen mit dem Trensengebiß vorzubeugen.
Ein Verfahren das neu überdacht werden sollte, denn abgesehen davon, dass es viel zu häufig eben nicht von Nöten ist,
stellten Experten fest, dass ein richtig angepasstes Trensengebiss gar nicht gegen die Wolfzähne stoßen kann.
Rivaldo wurden die Wolfszähne gezogen, ehe er zu uns kam.
Ein Vorgehen mit Folgen, denn er ist hoch traumatisiert,
was Berührungen rund ums Maul und erst recht, Zahnarztbesuche betrifft.
Über die Jahre hat es sich schon deutlich gebessert, das gewonnene Vertrauen zum Menschen
trägt auch hier Früchte. Abkauübungen und die Maularbeit nach Linda Tellington-Jones gehören in unseren Alltag.
Doch obwohl unser kompetener Pferdedentist überaus sensibel, ruhig und sehr pferdgerecht handelt,
ist eine Sedierung noch unumgänglich. "So wenig wie möglich, so viel wie nötig" kann in Sachen Sedierung
und damit Chemie nur umgesetzt werden, wenn das Gewicht des Pferdes bekannt ist.
Eine anschließende Ausleitung nach einer Sedation über Kräuter oder Homöopathika ist angeraten.
Zudem sollte mit einem traumatisierten Pferd selbstverständlich die Zahnkontrolle selbstständig geübt werden,
dass es wieder Vertrauen fassen kann und Berührungen am Maul zur Normalität werden.
Eine Sedierung darf und sollte nur von einem Tierarzt vorgenommen werden
und auch die Zahnbehandlung an sich, sollte ein Fachmann, mit der entsprechenden Zusatzausbildung durchführen.
Nicht jeder Tierarzt verfügt über die notwendige Routine und Fachwissen.
Ein Pferdedentist sollte ruhig, freundlich und professionell arbeiten und keine Maschinen zur Behandlung verwenden.

"Ein weiterer und vor allem entscheidender Nachteil dieser leider mittlerweile 'modernen' Behandlunsmethode ist die Tatsache, dass die Arbeit einer Maschine niemals die Präzision gut ausgeführter Handarbeit ersetzen kann, besonders hinsichtlich der Ausbalancierung des Kiefers um damit die Winkelung und die Freilegung des Kiefergelenks zu optimieren.
Vorteile bietet die maschinelle Methode eigentlich nur dem Behandler selbst,
denn dieser spart tatsächlich ein erhebliches Maß an Kraft."
(Dany Welter - der Belgier Master Equine Dentist)

Bei einem ausgewachsenen Pferd sollte ein Mal im Jahr ein Pferdedentist das Gebiss überprüfen
und ggf. behandeln, bei Jungpferden halbjährlich.








Zusammenhang Natürliche Schiefe

Hoch interessant bei jedem Zahnarztbesuch ist die Feststellung, dass sich in der Tat auf der rechten Seite von Rivaldo´s Gebisses deutlich mehr Kanten und Haken bilden, als auf der Linken.
Rivaldo ist ein Rechtshänder; offensichtlich auch was seine Kaumuskeln betrifft.



Rivaldo´s Zahnwechsel war mit 6 1/2 Jahren abgeschlossen.
Alle Zähnchen sind gut durchgebrochen und er hat keine Fehlstellungen oder sonstigen Besonderheiten am Gebiss. Rivaldo nimmt jegliche Nahrung bodenah zu sich und wird ausgesprochen natürlich ernährt.
Die Hakenbildung hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen,
dennoch bleibt die jährliche Zahnkontrolle ein absoluter Pflichttermin.

Gerne stehen wir Ihnen mit unserem pferdgerechten Pferdedentisten (Veterinär) zur Verfügung.



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