StartseiteLifeEquipmentHilfszügel?

"Ich spreche diesen Riemen jeglichen Nutzen ab".
(Robinchon de la Guérinière)

Wie der Name schon sagt, ist ein HILFS-Zügel eine "Kompensations-Maßnahme", welche die Unfähigkeiten des Reiters/Longeurs oder die unzureichende Gymnastizierung des Pferdes ausgleichen soll. In jedem Fall ist es eine Zwangsmaßnahme, mit welcher das Pferd in eine bestimmte Form/Haltung gezwungen wird, in dem ich dieses Lebewesen verschnüre wir ein Päckchen. Gerd Heuschmann sagte mal:
"Die Reiter sind mittlerweile süchtig, nach der seitlichen Silhouette eines gerundeten Halses!",
doch dieser rundet sich ja erst dann, wenn der Rücken locker und die Hinterhand aktiv ist.
Der Kopf ist ein Indikator für die Losgelassenheit, sowie die Rücken- und Hinterhandtätigkeit
und letztlich auch für den Versammlungsgrad des Pferdes.
An ihm ist abzulesen, wie aktiv die Hinterhand arbeitet und ob das Pferd über den Rücken geht oder nicht. Verzurre ich den Kopf nun in eine bestimmte Position, nehme ich mir als Trainer meines Pferdes diesen Indikator. In aller Regel werden Hilfszügel dabei in den Gebissringen verschnallt - es entsteht eine starre Verbindung (auch bei elastischen Teilen), welche nicht individuell auf das Pferd reagieren (nachgeben) kann und zudem permanent, durch die Bewegungsdynamik eine Unruhe im so empfindlichen Pferdemaul erzeugt.
Aber auch ein starrer Zügel, welcher am Kappzaum oder einer sonstigen Zäumung montiert wird und auf die Nase wirkt, stellt einen Zwang und eine Nötigung dar. Selbst bei vielleicht "korrekt" verschnallten Hilfszügeln, welche die Nase des Pferdes weder hinter die Senkrechte zwingen, noch es bewusst einengen sollen oder in eine Psydo-Aufrichtung bringen, können sich die einzelnen Muskeln nicht natürlich an - und abspannen.
Sie sind gezwungen in dieser Spannung zu verharren!
Verkrampfungen und Verspannungen sind die logische Folge.
Jedoch wissen wir alle, dass sich ein Muskel nur dann gesund ausbilden kann,
wenn er die Möglichkeit der An- und Abspannung/Entspannung hat.
Der dickste Muskelprotz in der "Muckibude" hebt und SENKT seine Gewichte, um seine Muskeln zu stählen.
Aus rein biomechanischen Gründen sind Hilfszügel jeglicher Art abzulehnen!

"Es genügt nicht, das Pferd in eine Körperhaltung zu pressen. Ein Pferd, das eine Lektion erlernen soll, muss zunächst einmal verstehen, was von ihm verlangt wird."
(Richard Hinrichs)

Möchte ich ein Pferd am Boden, an der Longe oder frei gymnastizieren, Muskulatur aufbauen und Bewegungsfähigkeiten schulen, gelange ich OHNE den Einsatz von Hilfszügeln zu einem sehr viel nachhaltigerem Trainingseffekt, da ich meinem Pferd erlaube, selber in die gewünschte Haltung hineinzufinden.
Es kann jederzeit seinen Kopf frei bewegen und die angestrebte Haltung dann verlassen, wenn es diese schlicht und einfach nicht mehr halten kann!! Muskeln können so an-und entspannen und sich kräftig ausbilden.
Die Dualaktivierung nach M. Geitner, das spielerische und vorallem das anatomisch sinnvolle Longieren mit oder ohne Bodenhindernisse, aber in jedem Falle OHNE HILFSZÜGEL, sowie jede freie Arbeit mit dem Pferd bieten mir hier ausreichend und vielfältige Möglichkeiten !!
Ich möchte, dass mein Pferd in seinen Körper fühlt, erspürt was es da tut und letztlich
so freiwillig und selbstständig in die für ihn individuell, aktuell machbare Haltung kommt.
Habe ich auf diese Weise z.B. eine Dehnungshaltung am Boden erarbeitet, wird sich mein Pferd unter mir im Sattel nicht nur an seinen selbsterlernten Weg dort hin erinnern, es ist nun auch rein körperlich in der Lage dieser Anforderung nachzukommen und es ist an mir, als Reiter, das Pferd dabei nicht zu stören bzw. es zu unterstützen und zu fördern.

Wenn das Pferd unter mir als Reiter seinen Kopf in die Höhe nimmt, den Unterhals rausdrückt,
der Rücken nach unten schwingt, es gegen die Hand geht, vor der Hand flieht oder oder oder,
sind das deutliche Zeichen, ist das die Sprache meines Pferdes, welches versucht mir etwas mitzuteilen.

"Hilfzügel jedweder Art sind für solche Reiter, die nach Hife schreien.
Dann sollten sie dies aber lieber nach gutem Unterricht tun, als nach schädigenden Zwangsmaßnahmen, die ihre Pferde mechanisch in eine Position zwingen."
(Klaus Balkenhol)

Ich persönlich sehe mich dann in der Pflicht, zu ergründen warum mein Pferd in der Form agiert.
Bin ich als Reiter, der es stört? Ist es ein unpassender Sattel?
Ist der Auslöser vielleicht ein Gebiss im Maul, welches nicht richtig liegt, zu klein ist oder hat mein Pferd gar Zahnprobleme? Ist es gesundheitlich überhaupt in der Lage meinen Forderungen als Reiter nachzukommen oder blockieren z.B. Wirbel? Hat es vielleicht Verspannungen? Hat es Hufprobleme? Ist es grunsätzlich ausgeglichen (Haltungsform/Sozialkontakte) und sorge ich sonst für alle übrigen Bedürfnisse meines Pferdes? Habe ich mein Pferd ausreichend gymnastisch auf die Anforderung unter dem Sattel vorbereitet?
Mögliche Ursachen gibt es ebenso viele, wie Lösungsansätze.
Kein Lösungsansatz ist für mich persönlich der Gebrauch von Hilfszügeln, denn das ist reine Augenwicherrei:
Symptombekämpfung und genau das Gegenteil von GANZHEITLICHEM DENKEN!

„Es gibt sogar Reiter, die sich mit Pferderausbildung befassen und die in ihrer Rat- und Gefühllosigkeit zum feststehenden Ausbindezügel, zum flaschenzugartig wirkenden Schlaufzügel und anderen sinnreichen Konstruktionen von Hilfszügeln greifen, welche Kopf und Hals des Pferdes herunterziehen und so eine Beugehaltung erzwingen, die eben nur eine Zwangshaltung sein kann.
Man kann mit solchen Methoden und der nötigen grausamen Ausdauer beste Pferde zerbrechen und ihnen den Lebensmut nehmen.“
(Udo Bürger - Vollendete Reitkunst, 1959)

Hilfszügel jeglicher Art, ob in der Longenarbeit oder beim reiten lehne ich für mich grundsätzlich ab!
Arbeite ich mein Pferd biomechanisch sinnvoll und gehe in der Ausbildung und Weiterbildung auf es ein,
schließt das die Nutzung von Hilfszügeln erstens aus und zweitens sind sie schlicht weg überflüssig!
Weitere Info´s zur sinnvollen Longenarbeit -> !!! HIER !!!

"Der Reiter, der das Nachgeben im Genick mit Hilfszügeln erzwingt und das Pferdemaul mit speziellen Reithalftern zuschnürt, handelt nicht anders als ein Erzieher, der ein Kind knebelt und am Stuhl festbindet um es zur Ruhe zu zwingen."
(Phillipe Karl , "Irrwege der modernen Dressur - Die Suche nach einer klassischen Alternative")

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