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"Reiten: Das Zwiegespräch zweier Körper und zweier Seelen,
das dahin zielt, den vollkommenen Einklang zwischen ihnen herzustellen."
(Waldemar Seunig)



Reitvorschrift für eine Geliebte


„Nimm Dich in acht: das Pferd errät Dich, Dich und Deine geheimsten Gedanken ....
Wenn Du ihm nicht vertraust, wird es Dir nicht trauen;
Wenn Du schwankend wirst, wird es eigene Wege gehen.
Wenn Du erschrickst, wird es erschrecken; aber es wird mutig und guter Dinge sein,
wenn Du mutig und guter Dinge bist.
Wenn Du unstet bist, ist es unstet; wenn Du ohne Schwung bist,
wird es schwunglos sein.
Wenn Du fliegen möchtest, wird es fliegen:
Kaum dass die Hufe die Erde zu berühren scheinen.
Ein schwebendes Gebilde aus lebendigem Stahl scheint Dich zu tragen.
Lässt Du Dich aber zur Erde ziehen im Geiste und im Wollen,
so kriecht ein müder Wurm unter Dir im Staube.
Dein Pferd weiß um Dich!
Wer die Erde verachtet, wer die Ferne nicht liebt,
wer kleinlich und pedantisch ist, wer Winkelzüge macht,
wer unklaren Geistes ist, wer zweifelt, wer verneint, reitet schlecht.
Wer geradeaus will, wer das Leben sucht, wer die Ferne sucht, wer die Ferne liebt,
wer Gebieter ist und zumeist Gebieter seiner selbst, wer gefasst ist und in sich
gesammelt, wer sich vertraut und klaren Geistes ist, mag gut reiten.
Reiten ist ein unaufhörliches Ja sagen ...“
(Rudolf G. Binding)


Was zeichnet einen guten Reiter aus?

Körpergefühl, Selbstkontrolle, Beweglichkeit, Koordinationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Herz und
Leidenschaft sind aus unserer Sicht die wichtigsten Bausteine, sie alle haben mit FÜHLEN und SPÜREN zu tun,
niemals mit Kraft oder Gewalt. Neben den körperlichen Fähigkeiten ist das das pferdgerechte Denken
und damit der Wille zu lernen, immer und in erster Linie vom Pferd selbst, die Tugend des guten Reiters.
Die Persönlichkeitsenwicklung für und durch das Pferd ist der Schlüssel zur Einheit aus Pferd und Reiter.

In der Reiterei entwickeln zwei Körper ein Gleichgewicht!
(Christine Sander - Study Horsemanship)

Jeder der mit Pferden umgeht, sie reitet, sollte sich neben dem elementaren Basiswissen zur Fortbildung
und Wissenserweiterung verpflichtet sehen. Dieses betrifft jeglichen Punkt rum um´s Pferd!
Ob Haltung, Ernährung, Hufgesundheit und Anatomie, Geschichte oder biomechanische Reitkenntnisse...
Ich kann ein Pferd nur dann sinnvoll und artgerecht halten und bewegen, also auch reiten,
wenn ich weiss, wie es denkt und fühlt, was es fressen sollte, wie es leben möchte und wie es aufgebaut ist!
Niemand kann alles wissen und darum geht es grundsätzlich auch gar nicht, denn es hat etwas mit Respekt
und Achtung vor dem Gegenüber zu tun, sich für das Befinden, die Sorgen und Wünsche und die allgemeinen Gepflogenheiten im Pferdeleben zu interessieren, um meinem Partner Pferd gerecht werden zu können.
Auch in jeder guten menschlichen Beziehung achtet man auf- und einander, hört zu, ist wissbegierig auf die Meinung, die Erfahrungen und Einstellungen des Anderen, nimmt Rücksicht und geht auf den Anderen ein.

In Zeiten von Rollkur und Co. brauchen wir eine neue, moderene Reiterrei, welche aufbaut
auf dem Wissen der
ALTEN LEHRMEISTER, in welche neue Erkenntnisse der heutigen Zeit und Forschung einfließen und so eine verbesserte Reitkultur im 21. Jahrhunderts geschaffen wird!
Und vorallem brauchen wir mehr Gefühl!

Pferde wurden weder mit einem Sattel, noch mit einem Reiter auf dem Rücken geboren.
Wir als Reiter sind immer eine "Belastung" für unser Pferd und konfontieren es mit einem veränderten Gleichgewicht. Das Pferd ist von Natur aus Vorderlastig, natürlich schief und es bewegt sich hauptsächlich
über die Schubkraft vorwärts. Wenn wir diese wunderbaren Geschöpfe also reiten und dabei gesund erhalten möchten, dann müssen wir das Reitpferd neu balancieren und mehr Tragkraft ausbilden.
Hierzu ist die aufbauende Arbeit am Boden und eine vertrauensvolle Beziehung zum Menschen der erste Schritt.
Nur wenn das Pferd mir, als Mensch sein Leben bewusst anvertraut, sich in meiner Gegenwart geborgen
und wohl fühlt, kann eine Zusammenarbeit gelingen. Ohne eine solche Vertrauensbasis fehlt es an Allem.
Um das Pferd sinnvoll trainieren zu können, müssen wir das Pferd im GANZEN begreifen und es in jeder Hinsicht best möglich unterstützen. Was auch bedeutet, dass wir auf unsere reiterliche, körperliche Ausbildung größten Wert legen
und lernen das Pferd so wenig wie möglich, mit unserem Gewicht, dem eigenen Körper zu stören.
Um dies zu erreichen, bedarf es auch der eigenen Körperarbeit, z.B. über Yoga oder die Alexander-Technik. Sehr treffend formuliert hat genau diesen Punkt die Autorin Marie Symbill, mit ihrem Buch:
"Reiten ist ganz leicht… Du brauchst fast nichts zu machen -
Reiten ist aber auch sehr schwer, denn Du darfst auch fast nichts machen!"


Der Umgang und der "Sport" mit Pferden ist etwas Anderes als Fahrradfahren oder Tennis spielen.
Hier treffen zwei Lebewesen, zwei Körper, mit Gefühlen, Emotionen und Geschichten aufeinander.
Das Reiten, egal in welcher Sparte man unterwegs ist, hat immer den Einklang, die Harmonie und
ein gemeinsames Gleichgewicht zum Ziel. Zwei Teile, die zu Einem verschmelzen können.
Hierzu trainieren wir Menschen das Pferd, aber genauso sollten wir auch an uns selbst arbeiten!
Körperlich, wie geistig.
Nur eine lockerer Reiterhüfte kann einem gelösten und schwingenden Pferdrücken folgen,
nur unabhängige Hände können dem empfindlichen Pferdemaul oder Nase gerecht werden,
nur ein konzentrierter Geist kann eine ebensolche Leistung vom Pferd verlangen
und nur ein ehrliches Menschenherz wird Zutritt zur echten Harmonie, Geimeinsamkeit und Einklang erhalten.

Oft stehe ich meinem Pferd im Wege und beeinträchtige ihn durch mein eigenes Unvermögen in seiner Entwicklung
und in seinem Wohlbefinden, für das ich Sorge trage, ich verantwortlich bin, denn es lebt in meiner Obhut.
Ich mache täglich Fehler! In 99 von 100 Fällen, liegt der Fehler immer beim Menschen und nicht beim Tier!
Aber aus jedem Fehler versuche ich zu lernen, bitte meinen Rivaldo und die Pferde dafür um Verzeihung
und gebe mir größte Mühe die Dinge täglich, auf´s Neue besser zu machen! Ich freue mich, wachsen zu dürfen.
Meine Dankbarkeit dem Pferd gegenüber, findet in meiner eigenen Entwicklung,
dem Wachstum und Formung der Persönlichkeit und Körperwahrnehmung Ausdruck.
Vermeintliche Fehler des Pferdes kommen durch Missverständnisse
und durch ein nicht pferdgerechtes Verhalten des Menschen zu stande.

"Die Erkenntnis eines Reiters, dass er nie ausgelernt hat, ist es,
die ihn für sein Leben dieser Kunst verschreibt."

(R.W.)

In Zeiten von Rollkur und Co. braucht die Reiterwelt wieder Vor- und Leitbilder,
doch es sollte nie vergessen werden, dass die Pferde selbst die wahren Meister sind!
Kein Buch, keine Lehrmeinung sollte jemals über der Mitteilung des Pferdes stehen!
Hören Sie auf Ihr Pferd - es kennt die Antworten!

"Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." (Gal 6,2)
Der Sattel erzählte einmal selbstwusst: "Ich trage den Reiter!"
Mit der Zeit aber wurde ihm klar, dass eigentlich das Pferd ihn und den Reiter trägt
und dass er den Reiter nur tragen kann, weil er selbst ein Getragener ist.
Diese Einsicht kann befreien und stark machen: Wir alle sind getragene Träger!

(nach Rudolf Stertenbrink)

Reitmeister
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