StartseiteLifeHabitatHabitat Sommer


Im Sommer ist Rivaldo von früh morgens an knapp 9-14 Stunden, auf den großen Weideflächen mit "seiner" Herde (ca. 12 Wallache) gemischten Alters unterwegs. Mal schnell, tobend - mal ruhig, von Grashalm zu Grashalm.
Die Weideflächen haben eine Größe von ca. 10ha und sind von Ende April bis November geöffnet.
Die Pferde gelangen zu den einzelnen, von ihnen frei wählbaren Wiesenabschnitten über einen langen Gang, welcher gerade von Rivaldo sehr gerne als Rennstrecke genutzt wird. Diesen vermisst er immer besonders im Winter, denn hier kann er immer mal so richtig "Gas geben", ohne gleich wieder bremsen zu müssen :o).
Der Gang wird fast in der gesamten Länge von Birkenbäumen gesäumt, welche im Hochsommer ein wenig Schatten spenden und man die Pferde hier auch mal ruhen sieht.

Der Bewegungsanreiz im Sommer ist phantastisch, denn die Tränke ist am Stallgebäude montiert
und die Pferde müssen jedes Mal eine Strecke von ca. 800m zurücklegen, wenn sie saufen möchten.
(Leider ist diese Selbsttränke auf Tischhöhe angebracht.)

Durch das gute Weidemanagement der Stallherrn haben die Pferde auch im Herbst immer noch verhältnismässig viel Gras zur Verfügung, auch wenn ich das heutige Hochleistungsgras auf den Wiesen weniger als natürliche Pferdenahrung ansehe (Umkultivierung zu mehr Artenvielfalt!), bin ich dennoch sehr froh um die permanente Futteraufnahme und Fortbewegung hierbei.
Fast ständige Bewegung und Futteraufnahme sind zwei elementare Bausteine für ein gesundes Pferdeleben.
Stehen nur Hochleistungswiesen in einem Pensionsstall zur Verfügung, sieht man immer wieder Pferde im Sommer ihr Dasein auf einem Einzelpaddock fristen, während die restliche Herde auf den Weiden sein darf.
Meist sind es Pferde die zu Übergewicht neigen, Hufrehe gefährdet sind oder in der Vergangenheit mit Koliken zu kämpfen hatten. Die Sorge der Besitzer ist verständlich und im Grunde richtig, doch der psychische Schaden,
den die Pferde in dieser Isolation erleiden und der Bewegungsmangel, welcher auf einem "Briefmarkenstück" von Paddock entsteht, sind ein hoher Preis. Sofern man nicht die Möglichkeit hat etwas an der Weidebeschaffenheit, dem eiweiss- und fruktanreichen Aufwuchs zu verändern, sollte hier eher an die Nutzung einer Fressbremse gedacht werden, sowie an eine Unterstützung über Kräuter, als die Pferde in bewegungslose Einzelhaft zu sperren. Eventuell lassen sich ja auch Gruppen bilden, die in den Bedürfnissen einander ähneln.
Zudem ist Hufrehe nie nur ein Problem des Weidegrases, sondern immer auch der Hufgesundheit!
Wünschenswert wäre in jedem Falle die Umkultivierung der Weideflächen zu mehr Artenvielfalt für die Pferde!
Hier sind Einsteller, wie Stallbetreiber gleichermaßen gefordert, doch nur wo eine Nachfrage besteht,
wo sich Einsteller zu Wort melden, kann sich auch das Angebot der Stallbetreiber anpassen!


Als Wälzplatz im Sommer dient der Bereich, welcher im Winter als Hauptpaddock genutzt wird, nahe der Stallbauten. Die Pferde suchen dieses Areal regelmäsig auf um ein "Sandbad" zu nehmen oder im Schatten zu dösen.
Dieser Bereich wird auch im Sommer täglich von Äppeln befreit.

Noch vor dem kalendarischen Datum beginnt für uns bzw. für die Pferde :o) Ende April die Sommerzeit,
denn dann öffnen unsere Weiden. Mit dem vorsichtigen Anweiden von wenigen Minuten an der Hand beginnen wir bereits Mitte Februar und steigern dieses bis zur Wieseneröffnung auf mind. 1 Stunde, sofern möglich, auch länger. Rivaldo bleibt mit 'seiner' Herde am ersten Tag 1 Stunde auf den Wiesen, welches dann täglich um eine halbe Stunde erhöht wird, bis die Pferde letztlich bis zu 24 Stunden (nach Wunsch der Besitzer) grasen dürfen.
Die Anweidung ist die anspruchvollste Zeit in Sachen Flexibilität und Einsatzbereitschaft für uns Menschen, denn vor jedem Weidegang füttern wir ausgiebig Heu. Dieses senkt zum einen die Gier auf das Gras,
zum anderen bildet es im Pferdebauch die Grundlage für eine reibungslose Verdauung des frischen Grüns.
Auch wenn grundsätzlich die Möglichkeit bestünde Rivaldo 24Stunden weiden zu lassen, grast er den Sommer überwiegend 'nur' von 07.30-16.30 Uhr mit seiner Herde, da wir leider nicht über ideale Pferdeweiden verfügen.
Zur Mittagszeit kommt er für einen kurzen "Hüttenstopp" vorbei und frisst hier 'Futter Natur' und Heu.
Sind im September/Oktober alle Wiesen ein Mal abgefressen, wird sein Weidegang je nach Wetterlage (Fruktangehalt) bis ca. 22 Uhr ausgedehnt. Die Nächte verbringt er zusammen mit seinem besten Freund Ben und einigen weiteren Herdenpferden im Offenstall und auf den Paddocks; selbstverständlich mit permanentem Raufutterangebot.
24Stunden-Wiese mit gleichzeitigem Offenstallzugang (zur Raufutteraufnahme) ist rein organisatorisch schwer machbar, zudem bestehen unsere Wiesen leider hauptsächlich aus deutschem Weidelgras und eine solche Haltung wäre nahezu fahrlässig für Rivaldo´s Gesundheit. Hufrehe ist hier nur eine mögliche Folgeerkrankung von Vielen.
Die meisten Pferdeweiden bestehen aus einem solchen "Kuhgras", da viele Bauern von der Milchviehwirtschaft umgesattelt haben auf eine Pferdepension. Dieses Gras ist äußerst gehaltvoll, besonders reich an Fruktanen und Eiweiss, denn es wurde speziell zur Ernährung (Mast) von Kühen und Rindern gezüchtet. Leider ist es damit grundsätzlich nur sehr sehr begrenzt als Pferdefutter geeignet und eine Umkultivierung der Weideflächen zurück zu mehr Artenvielfalt mit Kräutern und unterschiedlichsten Gräsern wäre wünschenswert.
Mehr zu Gras und Weiden > !!! HIER !!!

Die Gemeinschaft der Pferde zur Sommerzeit ist wunderschön und spannend anzusehen und auch wenn das Herdenverhalten unserer Hauspferde nicht annährend so natürlich ist, wie das der Wildpferde, sitzte ich oft auf der Weide, beobachte die vielschichtigen Strukturen innerhalb der Herde und lerne von den Pferden.
Die Rangfolge einer Herde ist anders, als häufig angenommen wird, NICHT linear strukturiert.
Immer wieder beobachte ich Veränderungen und Verschiebungen der einzelnen Positionen.
Auch Freundschaften werden nicht nur innerhalb einer "Schicht" geschlossen,
sondern oft ist ein rangniedriges Pferd mit einem ranghohen Pferd befreundet.
Solche Zweierverbindungen wirken in die Gesamtrangfolge der Herde mit ein, wodurch z.B. ein eigentlich rangniedriges Pferd in mancher Situation die Previlegien eines Ranghohen erhält. Immer wieder ziehe ich neue Erkenntnisse aus solchen Beobachtungen und genieße es, einfach mit Pferden zu sein. Auch wenn unsere Herde ja Pferde in "Gefangenschaft" sind und ihr Verhalten nicht immer vollkommen natürlich ist, verhelfen mir in meinem täglichen Umgang mit Pferden derartige "Studien" zu einem besseren Verständnis und zu einem pferdgerechten handeln. Beobachten Sie doch auch mal Ihr Pferd innerhalb seiner Herde!

Juli 2009



Anmerkung zur natürlichen Schiefe:

Selbstverständlich stützt sich Rivaldo auch beim grasen vornehmlich auf seinem RECHTEN Vorderbein ab,
denn auf diesem Bein liegt sein Schwerpunkt, als Rechtshänder! Mehr zur Natürlichen Schiefe des Pferdes erfahren Sie
!!! HIER !!!


SitemapRegisterImpressumHaftungsausschluss