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Der natürliche Lebensraum des Pferdes ist die weite Landschaft,
es zählt zum Fernwanderwild und ist ein Lauf- und Herdentier!

„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und
seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken,
dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen."

(§ 2 des Tierschutzgesetz (TierSchG))







Wir bemühen uns, Rivaldo´s Leben so natürlich und artentsprechend zu gestalten,
wie nur irgend möglich, daher lebt Rivaldo in einem Offenstall im Herdenverband.
Als Vorbild dient uns immer die Natur - siehe hierzu auch die Geschichte des Urpferdes!


"Das größte Glück der Pferde ist ein Leben in der Herde!"


Rivaldo´s HABITAT :o))

Eine Untersuchung an 172 Sportpferden ergab, dass die häufigsten Erkrankungen dieser Pferde auf einen kontinuierlichen Bewegungsmangel infolge der Boxenhaltung zurückzuführen waren.
Dabei hatten die 172 Pferde in zwei Jahren insgesamt 237 Krankheiten.
Zwei Drittel dieser Erkrankungen
(35% Lahmheiten, 21% Atemwegserkrankungen, 14% Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts)
wurden durch ständiges Stehen in der Box verursacht,
ein Drittel waren Verletzungen und sonstige Erkrankungen.
(Klaus Zeeb, Artgemäße Pferdehaltung und verhaltsgerechter Umgang mit Pferden, Handbuch Pferd, BLV 1994)


Wildpferde bei Castelluccio, Italien - Foto (c) Dirk Hedderich


LAUF-/HERDENTIERE & FRISCHLUFTER!

Im Sommer ist Rivaldo von früh morgens an, knapp 9-14 Stunden auf den großen
Weideflächen mit "seiner" Herde (ca. 11 Wallache gemischten Alters) unterwegs.
Nachts schläft er im Offenstall. Auch zur Winterzeit ist er 24Stunden draußen an der frischen Luft,
kann sich bewegen, wie er möchte, spielt, tollt und rangelt fast den ganzen Tag mit seinen Kumpels
auf dem Winterpaddock.

Dem Lauftier Pferd können wir durch die freien Bewegungsmöglichkeiten, im Auslauf und Offenstall sehr gerecht werden. Ein Pferd in freier Wildbahn bewegt sich an einem Tag bis zu 16 Stunden, hauptsächlich in gemütlichem Schritt-Tempo. So wie der Pferdekörper auf eine kontinuierliche Futteraufnahme ausgelegt ist,
so ist auch die ständige Bewegung lebenswichtig. Sie gewärleistet eine gute Durchblutung der Organe,
der Muskulatur und versorgt Sehnen, Bänder und Gelenke fortwährend mit Nährstoffen.
So stellt auch eine plötzliche, schnelle Flucht für das Pferd in freier Wildbahn keine Gefahr für seinen Bewegungsapparat dar, denn es ist immer aufgewärmt und sozusagen "Start klar".
Was passiert wenn das Pferd sich längere Zeit nicht bewegt?
Es entsteht eine grundsätzliche Unterversorgung in allen Bereichen, auch in den Hufen.
Giftstoffe lagern sich ab und stauen sich an.
Wesentlicher Bestandteil der Gelenkschmiere ist z.B. die Hyaluronsäure.
Sie allein benötigt bereits 15 Minuten ehe sie mit der Produktion beginnt und bis eine Versorgung der Gelenke ausreichend ist, vergehen nochmals 15-30 Minuten, in der kalten Jahreszeit sogar noch länger!
Wird das Pferd vorher belastet, nehmen Knorpel und Knochen Schaden -> Arthosen sind die Folgen!
Ähnliches gilt für Bänder, Sehnen und die Muskulatur, sowie für das gesamte Herz-Kreislaufsystem.
Eine natürliche Haltung muss also vorallem kontunierliche Bewegung sicherstellen, wie in einem Lauf-Aktivstall oder zumindest einem Offenstall. Auch der Herdenverband ist Rivaldo ebenso wichtig, wie uns :o),
denn er geht in seiner Rolle als Herdenchef voll auf. Pferd sind keine Einzelgänger, sondern Herdentiere.
Auf eine harmonische Zusammenstellung der Pferdegruppen sollte immer größten Wert gelegt werden,
denn der beste Bewegungsstall verkehrt sich ins Gegenteil, wenn Unruhe vorherrscht.
Vorallem rangniedrige Pferde geraten schnell unter Dauerstress, wenn ihnen keine Rückzugsmöglichkeiten geboten werden oder nicht ausreichend Fressplätze vorhanden sind.
Studien haben zudem gezeigt, dass sich Gleiches gern mit Gleichem gesellt:

Ein Shetlandpony in mitten einer großen Warmblutherde wird nur schwer Anschluss finden. Man muss keine reinen Rasseherden bilden, aber man sollte darauf achten, dass die Pferdetypen (Nord- u. Südpferde),sowie Großpferd und Pony in der Anzahl und im Verhältnis zueinander passen. Um bei dem Beispiel des Shetlandponys zu bleiben, freundet sich dieses leichter mit einem Isländer oder Haflinger an, als mit einem Kaltblut oder Shirehorse. Ausnahmen bestätigen die Regel und aus Mangel an Alternativen, nimmt das Pferd, was es kriegt, so wie Rivaldo in seiner Zeit vor uns. Damals hatte er nur dieses eine Shetlandpony Sjonnie als Freund.
(Bild aus 2007)


"Die gefängnisähnliche Haltung ist die größte Gefahr für die Gesundheit unserer Pferde.“
(Dr. med. vet. Maximilian Pick)

Gerade für ein Jungpferd wie Rivaldo es war, als er zu uns kam, sind die Erfahrungen innerhalb einer Herde elementar wichtig, denn hier wird nicht nur über die spätere Sozialkompetenz entschieden, auch wird der Grundstein für eine gesunde Psyche gelegt. Das Jungpferd kann sich ausprobieren, Selbstvertrauen und dadurch Ausstrahlung gewinnen, mit Gleichaltrigen spielen und von älteren Herdenmitgliedern Respekt und Grenzen kennenlernen. Glücklicherweise wissen das mittlerweile auch die Behörden
(BMELV = Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz):
Die "Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten"
untersagen Jungpferdehaltung ohne gleichaltrige Solzialpartner!
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) gehörte zu der Leitlinien-Arbeitsgruppe des Ministeriums.

Pferde benötigen den direkten Kontakt und Austausch (nicht nur über einen Zaun) mit ihren Artgenossen,
sowie ihren persönlichen, individuellen Platz in der Herdenstruktur um psychisch, wie physisch ausgeglichen zu sein. In jeder Herde gibt es eine Rangordnung, welche jedoch nicht immer linear verläuft.
Meist ist die Hierarchie innerhalb einer Herde deutlich komplizierter, als der Mensch meint.
Sie weisst jedem Pferd seine persönliche Position und die damit verbundenen Rechte und Pflichten zu.
In der Natur leben Pferde z.B. in Familienbanden aus bis zu sieben Stuten, ihren bis zu dreijährigen Fohlen und einem Familienhengst. Erwachsene Hengste leben oft in locker strukturierten Junggesellengruppen, wer hier leitet und schützt variiert. In den Familien findet sich immer eine Leitstute und ein Familienhengst.
Die Dame führt, der Herr ist für die Verdeidigung zuständig.
Sind ausreichend Platz und Futter vorhanden, schließen sich mehrere Gruppen zusammen,
wobei die einzelnen Gruppen in sich stets bestehen bleiben.
Das Pferd bleibt ein Lauf-und Herdentier, 24 Stunden lang, so natürlich auch des Nachts!

"Interessanterweise stellten die Schweizer Veterinäre fest, dass es entgegen eines Vorurteils
bei Gruppenhaltung nicht häufiger zu Verletzungen kommt, als bei Einzelhaltung.
Bei der Haltung in Einzelboxen bzw. begrenztem Weidegang können die Tiere keine Herdenstruktur aufbauen,
wodurch es immer wieder zu Kämpfen um die Rangordnung kommt."

(Tiergesundheit aktuell, Quelle: VETimpulse, 16/2008)

Außenreize und die weite Sicht sind für Pferde ebenso von elementarer Bedeutung, denn sie stammen aus der Steppe und den offenen Tundren. Rings um den Stall und die Ausläufe von Rivaldo herum gibt es eine Menge in Sachen "Pferdekino" und den so wichtigen Außenreizen im Angebot: Nachbarställe beheimaten Lamas, Esel, Bullen, Kühe, Hühner, Hunde und natürlich auch Pferde. Mofas, Traktoren, Mähdrescher oder sonstige Landmaschinen fahren häufig entlang der Wege an den Wiesen und man kann hier beobachten, wie wenig Angst die Pferde wirklich vor solch´ "Monstern" haben! Meist nämlich gar keine ;o) - auf den Ausritten mit ihren Besitzern dann teilweise aber plötzlich irgendwie schon! ;o) Hier zeigt sich echtes Vertrauen zum Menschen.
Das Gelassenheitstraining ist quasi inklusive und die Pferde haben fast immer etwas zu schauen.
Ihren Blick können sie weit schweifen lassen, was ihrer Natur sehr entspricht.
Pferde sind keine Höhlenbewohner, wie wir Menschen.
Sie stammen aus Steppen, Tundren und Wäldern,
sie lieben die Weite und die freie Sicht!

Wildpferde Namibia, Aus - Foto (c) Gerhard Kyburz, Schweiz


Den Winterauslauf von Rivaldo und seiner Herde teilt ein Stichzaun in zwei Hälften, wodurch eine Art Rundlauf entsteht, welcher zu Bewgung annimiert und Bereiche strukturiert. An diesem freistehenden Stichzaun sind 5 Großraumheunetze, wie an einer Perlenkette aufgereiht, montiert. Da die Heunetze so von zwei Seiten genutzt werden können, gibt es für 8 Wallache 10 Fressplätze. Dies sichert auch dem rangniedrigsten Pferd einen Fressplatz und vermeidet Futterneidkämpfe. Befüllt sind die Netze mit ausreichend Heu und Stroh im Verhältnis 3:1, so dass ein dauerhaftes Raufutterangebot für die Pferde immer vorhanden ist. Langeweile, Magengeschwüre, aufgeblähte Hungerbäuche, Stereotypen wie Koppen oder Weben haben so keine Chance.

Gegen aufkommende Langeweile finden sich hier auch ein Spielball, ein ausgedienter Wasserbottich und ein abgestorbener Baum, sowie einige Knabberäste, welche wir den Pferden regelmässig anbieten.

Es wird von uns und zu unserer großen Freude auch von Rivaldo auf größt mögliche Hygiene geachtet,
denn Rivaldo ist selbst bemüht seine Hütte sauber zu halten und äppelt draußen.
Dieses Verhalten ist nur natürlich, denn Wildpferde würden niemals dort äppeln wo sie schlafen oder fressen!
Wir misten und entfernen die Äppel im Offenstall 2x täglich. Als Einstreu verwenden wir staubfreies Strohmehl und sind hiermit sehr zufrieden. Das zerkleinerte, gemahlene Roggenstroh besitzt eine vielfach höhere Saugkraft, gegenüber dem normalen Langstroh, wodurch die Amoniakbelastung für Hufe und Atemwege erheblich reduziert wird, auch wenn diese bereits eh sehr gering im Offenstall ist. Oben auf verstreuen wir zusätzlich eine geringe Menge Langstroh. Das Stroh, welches zur Raufutterergänzug dient, wird von uns seperat gelegt. Rivaldo´s hauptsächliches Raufutterangebot besteht aus Heu ad libitum. Die Einstreumenge halten wir möglichst gering, um Sehnen und Bandapparat nicht durch einen zu weichen Untergrund zu belasten.
Haben Sie als Mensch mal versucht auf einer Matratze zu laufen? Alleine darauf zu stehen ist schon anstrengend. Ähnlich ergeht es dem Pferd, dass in einer Matratzenhaltung stehen soll.

Jegliches Futter und Wasser erhält Rivaldo auf Bodenhöhe,
denn dieses ist die natürliche Fress- u. Saufhaltung eines Pferdes !!!

Wildpferde der Giara di Gesturi, Sardinien - Foto (c) Sandra Weber


Da die Bodenverhältnisse überwiegend weich sind (Wiesen, Paddockmatten und Sand, nur teilweise Beton),
muss für den so wichtigen Bodengegendruck, zur Anregung der Blutpumpen in den Hufen und zum grundsätzlichen Huftraining, manuell gesorgt werden. Siehe hierzu auch wietere Informationen in der Rubik "HOOFS" zum urzeitlichen Lebensraum des Wildpferdes und der heute wildlebenden Herden.
Aus diesem Grund findet das "Warm up" und das "Cool down", vor und nach jedem "Training", so fern es denn am Hof (Halle/Aussenplatz) stattfindet, immer draussen, auf den harten, befestigten Böden (Beton, Schotter, Feldwege) statt. Selbst an Tagen an denen kein "Training" angesagt ist, laufen wir selbstverständlich unsere "Bodengegendruck-Runden". Größere Ausritte und Spaziergänge stehen eigentlich fast täglich, mindestens jeden 2./3. Tag auf dem Plan. Da gerade die Haltungsform des Pferdes direkt mit seinen Hufen korrespondiert,
wird in der Rubrik HOOFS dieses Thema auch erörtert und noch weiter besprochen!
Ideal ist es, wenn Pferde nicht nur weichen Untergrund zur Verfügung haben, insbesondere dann,
wenn auch das Ausreitgelände steinig ist. Eine Faustregel besagt, dass die Pferde am besten auf genau dem Untergrund gehalten werden sollten, auf welchem sie sich unter dem Reiter am Meisten bewegen.
Aktivställe und auch das innovative Haltungssystem "Paddock-Paradis" von Jaime Jackson
sind absolut sinnvolle Haltungsformen, welche den Pferden ein naturnahes Leben ermöglichen.
(Beispiele zu sinnvollen Haltungssystemen sind in den "Right Directions - Habitat" zu finden.)
FEEDING) Viel wichtiger ist geeignetes Pferdeheu zur ständigen Verfügung.
Der Nutzen für Pferde in einer artgerechten Haltung und Umgebung ist unermesslich und weit unterschätzt.
Reiter von artgerecht gehaltenen Pferden kennen den Unterschied und wissen ein losgelassenes, zufriedenes und letztlich auch gesundes Pferd zu schätzen. Das Training gestaltet sich deutlich gelassener, Erfolge stellen sich schneller ein, weil die Pferde viel konzentrationsfähiger sind, denn ihre Grundbedürfnisse sind erfüllt.
Die ständige Bewegung im Haltungssystem und die bodennahe Futteraufnahme sind nicht nur Balsam für die Pferdessele, sie formen auch den Körper, die Muskulatur und bringen ein konditionsstarkes Pferd, mit gesunden Atemwegen hervor. Tierartz-/Zahnarztkosten minimieren sich und selbst die Hufe bearbeiten sich fast von selbst, wenn man entsprechend abwechselnde Bodenverhältnisse den Pferdehufen zur Verfügung stellt.

Letztlich profitiert sogar der Stallbetreiber von einer solch artgerechten Haltungsform!
Die Fütterung jedes einzelnen Pferdes in der Box entfällt vollständig, Heuraufen oder Netze regeln die zentrale Versorgung aller Pferde gleichzeitig, Liegehallen mit Minimaleinstreu (z.b. Strohmehl) über Gummibelägen sind nicht nur schneller gereinigt, als die Standart-Pferdebox, sie sind auch im Kostenfaktor nicht zu unterbieten.
Befestige, unvermatsche Ausläufe lassen sich schnell und leicht reinigen, auch ohen Gummistiefel :o).
Pferde in Lauf- und Bewegunsställen müssen auch nicht aufwendig von Hand geführt werden,
denn das täglich Rein-und Rausbringen von der Box zur Wiese oder zum Paddock und wieder zurück,
wird von den Pferden selbst übernommen, sie können jederzeit ihren Aufenthaltsort selbst frei bestimmen.
Auch die zentrale Wasserversorgung aller Pferde mittels einer (o. mehreren, entsprechend Herdengröße)
frostsicheren Schwimmer-/Brunnentränken stellt eine Arbeitserleichterung zur Winterzeiten dar,
denn durch die meist zugefrorenen oder vorsichthalber abgestellten Selbsttränken in den einzelnen Boxen,
heisst es in vielen Ställen im Winter Wasserkanister von Hand schleppen.

Gerne sind wir Ihnen bei der Optimierung Ihrer Haltungsbedingungen behilflich.



“Das Pferd als hochspezialisiertes Lauftier soll also bei einem Stockmaß von 1,70m,
mit einer Boxengrundfläche von 12m2 auskommen.
Nach dieser Formel wäre ein Dackel in einer Box mit den Ausmaßen von vier Bierkisten unterzubringen, 23 Stunden am Tag, um ihn eine Stunde spazieren zu führen!“
(Hanns Ullstein jun.)

Wildpferde in der Mongolei (Urpferd Przewalski) - Foto (c) Hartmut Göhler


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