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ALEXANDER-TECHNIK

"Balance - ein unbeschreibliches Gefühl"
(08.-10. April 2011 )


Walter Tschaikowski, der Autor von "Fit und ausbalanciert mit der Alexander-Technik",
sowie "Besser reiten mit der Alexander-Technik" lebt in Hamburg und unterrichtet die
Alexander-Technik hauptberuflich seit 1985.
Zum Seminar nach Wermelskirchen, in das Balletstudio Momo (Burscheid) lud er mit diesen Worten:
"Balance ist eine Ganzkörpererfahrung.
Sie entsteht durch die Mischung aus dem Erleben präziser Aufrichtung und stabiler Verwurzelung in den Boden.
Durch ein klares Zusammenwirken der aufrichtenden und lösenden Kräfte entlang der Körperachse entfaltet sich
eine Bewusstseins- und Wahrnehmungsweise, die durch das subjektive Erleben von Ruhe gekennzeichnet ist.
Führen wir unsere Bewegungen in dieser Bewusstheit aus, so erleben wir uns in neuer Klarheit,
zugleich innen und außen, als Ausführende und Beobachter in einem.

Unsere Bewegungen beim Reiten haben doppelte Funktion:
- Durch ständige Erneuerung der eigenen Balance halten wir unser Wahrnehmungsfeld lebendig.
- Durch ununterbrochenen, fließenden Kontakt zur Bewegung des Pferdes entwickeln wir die Fähigkeit,
das Pferd so zu lenken, dass wir in jedem Moment seine Balance unterstützen.
Zu lernen, in dieser Qualität zu reiten, ist ebenso komplex wie befriedigend.
Ich empfehle, dass wir uns täglich mit diesem Thema beschäftigen, auch ohne Pferd.
Zu diesem Zweck wurde das siebenminütige Training entwickelt.
Widmen wir täglich einen Teil unserer Energie diesem Prozess,
so wächst unsere Fähigkeit, uns zu balancieren, kontinuierlich.
Wir erleben eine gradlinigere Entwicklung von Körper, Geist und Seelenleben
und verstehen den Zusammenhang von körperlicher Balance und emotionaler Ausgeglichenheit.
Nun mehren sich die Momente, in denen wir unmittelbare Gegenwärtigkeit erfahren.
Die Intensität solchen Erlebens lässt sich in Worten nicht ausdrücken.
In unserem Seminar vertiefen wir das Siebenminütige Training
und arbeiten weiter an losgelassenem ausbalancierten Reiten.
Das Seminar kann mit oder ohne Pferd gebucht werden und ist offen für Neuzugänge.
Voraussetzung für eine sinnvolle Teilnahme ist der Wunsch, am Lösen persönlicher Haltungs- und Verhaltensmustern zu arbeiten.

Die Alexander-Technik ist ein pädagogisches System, keine Therapie in dem Sinn,
dass eine Behandlung stattfinden würde. Der "Schüler der Alexander-Technik" lernt sich selbst zu helfen, i
ndem er ein Bewusstsein wiederentdeckt, das ihm in der Tiefe vertraut ist, das neu und alt zugleich ist.
Es beginnt mit einem neuen Gefühl für Balance und Verbundenheit im eigenen Körper
und führt zu einer wachsenden Bewusstheit für unser Verbundensein mit allem Leben.
Heute gibt es weltweit über 4000 Lehrer und Lehrerinnen der Alexander-Technik
und viele Zehntausend Menschen, die von dieser Methode profitiert haben und es noch tun."



Nach meinem ersten Seminar im Februar 2009 "Flexibel und kraftvoll - Die lebendige Körperachse des Reiters"
habe ich aus diesem zweiten Seminar unglaublich viel für mich persönlich und als Reiter mitnehmen können.
Der Titel "Balance – ein unbeschreibliches Gefühl" trifft absolut meine Empfindungen.

Acht Kursteilnehmer trafen sich dieses Mal in einer richtigen Balletschule,

in Wermelskirchen -



mit Spiegeln an jeder Wand, an die ich mich erst ein Weilchen gewöhnen musste ;o),
spiegelten sie doch schahmlos jedes Pfund zu viel auf den Rippen und die eigene, falsche Körperhaltung.
Doch bekanntlich ist Erkenntnis der erste Schritt zur Besserung und ehe ich an meiner Haltung,
Aufrichtung und der Balance arbeiten konnte, musste ich ankommen in meinem Körper und fühlen.
Genauso wie ich einen "Selbstcheck" durchführe, ehe ich auf ein Pferd treffe,
nahm ich meine eingefahrenen Bewegungsmuster war, ließ Gedanken kommen und gehen,
die Hektik und den Stress abfallen, um mich einzulassen auf das Neue und die spannende Reise
näher zu meinem Körper. Die positive, freundliche und entspannte Atmosphäre gab mir dazu Raum,
die einleuchtenden und verständlichen Anleitungen von Walter Tschaikowski zeigten mir den Weg,
doch wirklich angekommen zu sein schien ich erst, als ich im Sattel, auf dem Holzbock platz nahm.

Balance im Sattel - Walter Tschaikowski hilft mir im Sattel in die Balance zu finden



"und da ist sie plötzlich" sagte Kursleiter Walter Tschaikowski und hatte damit vollkommen Recht:
Der erste Knoten war geplatzt und Nr. 1 der vielen "Aha-Erlebnisse" öffnete meine Augen nach innen,
um dann mit einem weichen, gleitenden Blick auch die blühenden Bäume draußen in der Dämmerung wahrnehmen zu können. Wahrnehmen ist das richtige Wort, denn ohne direkt hinzusehen, waren sie da.
Die Umwelt war plötzlich klarer, präsenter und ich selbst fühlte mich irgendwie verhafteter in diesem Gesamtbild, als wenn ich vorher nicht komplett, nicht mit allen Sinnen, nicht reel da gewesen wäre.
Es wurde ruhig, in mir.
Obwohl ich an diesem Freitag abend auspowert dort angekommen war
(und ich still hoffte, wir machen möglichst viel im Sitzen oder besser noch liegen :o),
war ich in diesem Moment hell wach, fühlte mich kraftvoll und stabil. Es ist schwierig in Worte zu fassen.
Es war ein Gefühl plötzlich mehr Teil dieser Welt, näher im Jetzt und näher bei mir zu sein,
ich fühlte mich stark und das ohne Anstregung, ganz im Gegenteil, durch Loslassen.

In meinem Verständnis geht es in der Alexander-Technik genau darum:
Bei sich, in aufgerichteter Balance zu sein und erst dadurch mit dem Rest der Welt in Einklang zu kommen,
die gesamte Umwelt im Ganzen aufmerksam, hochsensibel und doch vollkommen gelöst wahr zu nehmen. WOW! :o)

Am ersten Abend und das gesamte Wochende immer wieder lernten wir alle erneut das Stehen,
Gehen, sich setzen und wieder aufstehen -

Natürliches Stehen, Gehen, Sitzen lernen


Dinge des täglichen Lebens, von denen man meinen könnte, sie wären soo einfach, doch wirklich einfach,
im Sinne von leicht, von Leichtigkeit, wurden sie erst dann, durch die 'Primäre Steuerrung'.
Die 'Primary control' gab mir die Balance meines Kopfes im beweglichen Verhältnis zum Körper,
die stabilisierenden Mittellinien -horizontal, wie vertikal- und das gute Gefühl, vom Boden getragen zu werden.
Der Kopf und die Kopfhaltung ist wichtiger, als man glaubt, denn in der Tat wiegt der menschliche Kopf zwischen 5 und 7kg. Es ist einleuchtend, dass ein solch hohes Gewicht falsch getragen,
von Muskelverspannungen, über ein Hohlkreuz oder krummen Rücken bis hin zu degenerativen
Gelenksveränderungen führen kann. Doch lassen wir die großen Halsmuskeln los, lassen die automatischen,
natürlichen Balancemechanismen zu, richtet sich der gesamte untere Körper danach aus und kann die beste
Koordination hervorbringen. Abgesehen von dem unbeschreiblich guten Gefühl, dass sich in der persönlichen
Balance einstellt, ist die Alexander-Technik biomechanisch logisch nachvollziebar und für jeden zu erlernen...
wir konnten es ja alle mal, nur haben wir es über das Erwachsenwerden wieder verlernt.

'Primäre Steuerung' finden

Kursleiter Walter Tschaikowski hilft Teilnehmerin Heike durch eine Drehbewegung zur Primären Steuerung zu finden.

Der Schlüssel zu Freiheit und Leichtigkeit in jeder Bewegung, denn Stehen wurde plötzlich entspannend,
Gehen wurde weich, lösend und irgendwie hatte ich das Gefühl, mein Körper läuft von alleine,
ohne Anstregung und das Hinsetzen und wieder Aufstehen benötigte nun keinerlei Muskelanstrengung mehr,
es ging von alleine, als wenn ich die Last an einen Marionettenspieler abgegeben hätte –
nur dass ich selbst die Fäden in der Hand hielt.
Walter Tschaikowski berichtete immer wieder davon, dass wir Alle natürlich Stehen, Gehen,
Laufen und Sitzen könnten, nur eben gerade nicht mehr natürlich.
Im Kindesalter ging alles noch ganz leicht, heute ist das anders.
Wir sind steif, eher unflexibel, dabei trotzdem irgendwie wackelig und unsicher,
der Alltag fällt manchmal schwer, doch wir kämpfen uns brav weiter; Tag um Tag.
Wir reißen uns zusammen. Und genau das ist das Problem: das Kämpfen und das Zusammenreißen!
Wir ziehen uns in unserem gesamten Körper, jedem Muskel, jeder Faser und auch in der Achse,
sogar in der Seele zusammen und verlieren die Balance. Sicherlich ist auch die viele Arbeit an den
Computern (so wie gerade ;o), der hektische, ultimativ schnelle und im Ganzen ja doch eher ungesunde Lebenswandel mit an all diesen Problemen 'Schuld', doch F.M. Alexander lebte 1869-1955
und auch er kannte dieses 'Zusammenziehen' und 'Festhalten' – aber er fand einen Weg,
seine heutige Technik zur sinnvollen, bewussten Selbststeuerung mit welcher wir immer
wieder zur eigenen Balance zurückfinden können.

Und genauso ging das Wochenende weiter.
Nachdem wir Alle wieder Stehen, Gehen und Sitzen konnten, probierten wir in vielen, verschiedenen Übungen,
in ruhigen oder schnelleren Bewegungen aus, wie wir diese Balance erhalten und nicht wieder verlieren können,
natürlich auch im Sattel auf dem Holzbock.


Zwischenzeitlich kam ich hin und wieder sogar ins schwitzen, wenn wir gerade das "Traben"
oder "Galoppieren" übten, doch wir unternahmen auch Spaziergänge im Sonnenschein,
übten auch beim Berg rauf- und wieder runterkraxeln in der Losgelassenheit zu bleiben
und staunten über die neue Wahrnehmung. Bei einem Zwischenstopp auf einem Spieplatz
demonstrierten uns zwei kleine Jungs von vielleicht 5 oder 6 Jahren wie das alles geht ;o)
Die Kinder waren so nett und machten uns vor wie man so manch kniffeliges Spielplatzgerät
ganz einfach geschaukelt bekommt

Kidz machen die Sache mit der Balance vor

und als wir Erwachsenen dann an der Reihe waren, nutzen wir die Herausforderung
und freuten uns alle über die beeindruckenden Erfahrungen des eigenen Körpers.

Die Erwachsenen bemühen sich :o)

Natürlich übten wir das Ganze auch im Sattel, wenn auch für meinen Teil dieses Mal nur auf dem hölzernen Pferd, denn für mich war dies Anspruch genug. Dieses schwierig zu beschreibende Gefühl von Balance,
in wirklicher Losgelassenheit und Stabilität war bei mir und sicherlich bei vielen anderen Kursteilnehmern
auch kein dauerhafter Zustand, sondern es gleicht einem kurzen Blick auf´s große Ganze,
welcher einen neugierig und sehnsüchtig macht, denn es ist in der Tat unbeschreiblich, unglaublich
und wunderschön. Ich hatte das Bedürfnis, dieses neue Gefühl meines Körpers erst noch ein bisschen
besser kennenlernen zu wollen, ehe ich mich mit einer weiteren Balance, der des Pferdes konfrontiere.
Zuhause angekommen konnte ich dann natürlich trotzdem nicht anders, als mich sofort auf Rivaldo
zu setzen und ohne Sattel zu erspüren, ob ich meine Balance halten und wenn ich sie verlieren würde,
ob ich sie auf dem Pferd wieder finden könnte. Es ging schon erstaunlich gut.
Den ersten Tag ritt ich nur im Schritt, ohne Zügel und ließ mich nur Tragen, am Zweiten probierte ich
ein Schulterherein im Schritt, ohne Zügeleinwirkung aus und es fühlte sich nicht nur neu an,
es war auch anders. In einer Leichtigkeit nahm Rivaldo auf seinem inneren Hinterbein Last auf
und schob seinen Körper nicht einfach über die äußere Schulter herüber,
sondern ließ stattdessen das äußere Vorderbein frei nach vorne rausgreifen,
genauso wie ich es mir wünschte. Knaller :o)

Am letzten Tag des Kurses erarbeiteten wir die zusammenhängende Abfolge der Übungen,
das 7- Minütige Training, welches ich bis heute fast täglich geschafft habe, durchzuführen.
Sieben Minuten erscheinen nicht viel und sie sind es auch nicht, doch oft meinen wir, mich eingeschlossenen,
nicht mal dieses bisschen Zeit uns nehmen zu können, diese Zeit schlicht nicht zu haben,
weil doch dieses und jenes noch ansteht, doch es geht (!) und der Nutzen ist wirklich beeindruckend.
Das gesamte Ich profitiert, das Innere, wie das Äußere und letztlich sogar das Pferd.
Denn wie können wir von unserem Pferd Balance und Losgelassenheit erwarten, wenn wir es selbst nicht sind!?
Pferde sind stets bemüht um Harmonie und Einklang und in meinem ersten Ritt ohne Sattel
und ohne dass ich aktiv geritten wäre, habe ich erlebt, wieviel Einfluss und Möglichkeiten die Balance
des Reiters für das Reiten wirklich hat.

Durch einen von kindesbeinen an kranken Rücken ist mir Körperarbeit mehr als vertraut.
Ob Krankengymnastik, Yoga oder spezielle Aufbauprogramme sie alle belgeiten mich seit Jahrzehnten
und um meiner Verantwortung als Reiter gerecht zu werden, haben mir u.a. auch die Wanless-Methode,
Sally Swift, sowie die Lehren von Eckert Meyners bereits Wege gezeigt, die mich näher zu meinem Körper
bringen und mich damit zu einem angenehmeren Reiter für mein Pferd machen, doch die Alexander-Technik
hat mit diesem Wochenende mir ein Tor zu einer Welt geöffnet, von der ich bisher nur geahnt hatte.

Neben dem immerwährenden Anstoß der Pferde zur Persönlichkeitsbildung und Entwicklung,
bin ich meinen Pferden unendlich dankbar, dass sie mich nun auch auf einen Weg geleitet haben,
der körperliches und seelisches miteinander verbindet und ich nun nicht nur wegen ihnen, mich bewusster,
gelöster und stabiler in meinem Körper bewegen möchte. Persönliches Wachstum, ganzheitlich.

Reiten ist Kunst und wie jede Kunst braucht es vorallem Arbeit an sich selbst,
auch Geduld und Leidenschaft um eines Tages Meister zu werden.
Das Schöne an der Kunst ist, das man auf dem Weg zum Meister sein Leben bewusst und glücklich lebt,
das Erlernen und Praktizieren der Kunst ein tägliches Geschenk ist, selbst wenn man niemals Meister wird.

Bildeindrücke vom letzten Seminar







Februar 2011
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