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Nach ewig langer Zeit waren wir vom 17.-26. September 2010 endlich wieder ein Mal in Urlaub.
Die Wahl der Urlaubslandes fiel nicht nur deswegen auf Kroatien,
weil ich als Kind dort viele Urlaube verbringen durfte,
es musste vorallem Kroatien sein, weil ich durch die Recherche zur Sektion "Wild Life"
erfahren hatte, dass es dort verwilderte Hauspferde gibt.
Peter Zelibor, einem Hobbyfotographen waren die "neuen Wildpferde"
zufällig vor die Camera gelaufen und sein Reisebericht klang hoch spannend.
Also, Cam einpacken und nix wie hin! :o)



Die aktuell dort wildlebenden Pferde sind im Bosnienkrieg (1992-1995) geflohen,
leben vollkommen frei und vermehren sich zunehmend,
wodurch es also dort nicht nur ehemalige, verwilderte Hauspferde,
sondern auch mittlerweile "echte" Wildpferde gibt.
Und wir hatten das riesen Glück genau ein solches Exemplar dieser beiden Arten,
verwildertes Hauspferd und echtes Wildpferd zu finden... , doch fangen wir vorne an:

Peter Zelibor reiste wenige Wochen vor uns nochmal nach Kroatien/Bosnien
und konnte für uns rechachieren, wo sich die Pferde, welche er gefunden hatte, aufhalten könnten.
Sie waren mittlerweile hoch in die Berge hinter Mostar (Bosnien Herzegowina) gezogen,
in das Gebirge Velež, nahe dem kleinen Bergdorf Podvelez,
welches für uns anfangs nicht leicht zu finden war, denn keine unserer Turi-Karten stimmte.
Die Stadt Mostar selbst war sehr erschütternd und berührend für uns,
denn nahezu jedes Haus war übersäht mir Einschusslöchern und Granateneinschlägen.

In Mostar trifft Occident und Orient seit Jahrhunderten aufeinander.
Die Mehrheit der Bevölkerung sind bosnische Muslims ('Bosniaken'),
ein Teil sind Kroaten (Katholiken) und der andere Teil Serben (Orthodoxe Christen).
Über viele Jahrhunderte hat das Zusammenleben funktioniert, bis zum Jahr 1990.
In Mostar sind die drei Religionen mit voller Wucht aufeinander geprallt
und die Spuren des Krieges sind nicht zu übersehen.
Auch die Menschen machten einen gezeichneten Eindruck,
die gesamte Atmosphäre war sehr bedrückend und flöste uns ein wenig Angst ein.
Es ist schrecklich und unfassbar die realen Spuren eines Krieges live zu sehen
und es machte uns unglaublich wütend und traurig.
Es ist doch nochmal was anderes, wenn man etwas derartiges im Fernsehen sieht,
als wenn man mit eigenen Augen in die Gesichter von Menschen schaut,
die durch die Hölle gegangen sein müssen. Wenn ich junge Menschen auf der Strasse sah,
musste ich immer daran denken, wie alt sie wohl waren, als in diesen Strassen Krieg herrschte.

Nachdem wir im ersten Versuch stundenlang in und um Mostar herum erfolglos gesucht hatten,
der Weg uns durch einsame Bergdöfer führte, in denen die Menschen teilweise noch bewaffnet waren und alles andere als freundlich einem deutschen Auto gegenüber wirkten;
wir den ersten Schock über frische Einschusslöcher in neuen Strassenschildern überwunden hatten



und unbefestigste Wege uns nicht von unserem Vorhaben abbringen konnten,
fanden wir zwei Tage später endlich Podvelez.
Podvelez liegt auf einem 700m hoch gelegenen Plateau, mitten in dem Velez Gebirge (1.800m).
Dieses Hochplateau ist ausschließlich von Muslimen bewohnt,
welche in vielen, ganz kleinen Dörfern Viehzucht (Kühe, Schafe, Ziegen) betreiben.
In den Bergen waren wir mutterseelenalleine,
nur ab und zu kreuzten Schäfer und Schäferinnen mit ihren Tieren unseren Weg.

Diese Hochebene war Schauplatz schlimmer Kämpfe zwischen den Religionen im Balkankrieg.
Von 3000 Einwohnern kamen hier mind. 150 Menschen um.
Viele Häuser sind immer noch zerstört, überall stehen kleine und große Kreuze,
Denkmäler und Grabsteine an denen Blumen niedergelegt sind
oder es sind einfache Papierzettel an Bäumen, Steinen aufgehangen mit einem Foto des Gefallenen.
Immer wieder sieht man riesige Friedhöfe, auf denen man sehr gut die 'alten' Grabsteine
von den 'neuen' unterscheiden kann. Die 'neuen' Grabsteine waren in unerträglicher Überzahl.

Rechts und links der Wege stehen Warnschilder mit Totenköpfen darauf,
welche vor Tretmienen warnen und uns klar machten:
Selbst wenn wir hier die Pferde finden, aussteigen und "hinterherlaufen", das lassen wir besser.
Doch so weit kam es nicht, denn leider blieb unsere Suche erfolglos.
Doch wir nutzen die Zeit uns die wirklich wunderschöne Landschaft und Vegitation genauer anzuschauen dort hoch oben in den Bergen und Fotos davon zu schiessen,
denn das die Pferde hier wirklich leben, dokumentierte ja bereits Peter Zelibor
und so war auch das Gebiet selbst an sich erforschungswürdig.

Vegetation im Gebirge Velez:





Nach Stunden des Suchens gaben wir auf uns fuhren über den Pilgerort
Medjugorje, in welchem wir die herzlichsten Menschen in ganz Kroatien trafen,
zurück an die Küste, die Makarska-Rivera, in den kleinen Ort Gradac, in welchem unser Hotel lag.
Medjugorje war ein wundervolles Erlebnis.

Auch Kroatien selbst ist immer noch wunderschön.
Hier ist zwar deutlich weniger zerstört worden, wir sahen kaum Einschusslöcher,
doch viele Küstenorte gleichen kleinen Geisterdörfern,
denn unglaublich viele Häuser stehen leer und sind verlassen.
Ganze Hotelbunker stehen leer und verfallen vor sich hin.
Auf Nachfrage berichtete man uns, dass es sich bei den verlassenen Häusern und Hotels
um Objekte handelt, welche früher von Bosniern bewohnt bzw. betrieben wurden.
Durch den Krieg haben sie ihre Häuser, Hotels und Pansionen verlassen (müssen?) und
irgendein Abkommen verbietet es aber wohl den Kroaten die Objekte zu veräußern oder abzureißen.
Und so stehen sie leer und vermitteln in einer eigentlich wirklich schönen Urlaubsregion
einen gespenstigen Eindruck.
Einzig die wirklich unglaublich schöne Insel Korčula schien von allem verschohnt geblieben zu sein.
Bewiesen ist es nicht, aber eine Sage erzählt, dass der große Reisende Marco Polo
hier geboren worden sein soll. Sein Geburtshaus haben wir allerdings verpasst.
Natürlich gibt es auch den entsprechenden Souvenierladen dazu auf der Insel :o)
Hier boomte zumindest der Tourismus. Cafe´s und Restaurants waren gut besucht,
an Marktständen konnte man die üblichen, aber dennoch süssen Souvenirs kaufen
und es gab wirklich zauberhaft idyllische Plätze.
Architektonisch war hier besonders der veniziianische Einfluss nicht zu leugnen.
Traumhafte, romantische Bauten und Kirchen.
Die unzähligen kleinen Gassen sind malerisch und zauberhaft.
Ähnlich lebhaft ging es in der Küstenstadt Makarska zu,
welche Namensgeberin der Makarska-Rivera ist.
Auf der Halbinsel Pelješac fanden wir die große Ausnahme in Kroatien,
einen richtigen Sandstrand, an dem wir Halt machten und die Seelen baumeln ließen :o)

Aber zurück zu unserer Suche nach den Wildpferden:
Auf unserem Weg die Küste entlang, schon Richtung Heimwärts zu unserer letzten Station
Novi Vinodoslki (damals Novigrad), verließen wir hinter Šibenik die Autobahn
und nahmen absichtlich die kleinen Straßen durch das Velebit-Gebirge
und durch das Karstfeld der Gacka. In den der Gespanschaft Primorsko-Goranska,



irgendwo im Nirgenwo vor dem Bergort Otočac (auf knapp 500m Höhe)
und dem Minidörfchen Podomar trafen wir sie: WILDPFERDE!

WILDPFERDE!!!!!!!!!!!!!!!

















Sie standen grasend am Straßenrand, eine Stute mit ihrem Fohlen!
Es war nicht viel Zeit für Jubel, ausserdem hätte der die Pferde wahrscheinlich vertrieben,
stattdessen montierte ich schnell das Teleobjektiv an meine Camera und sprang aus dem Auto,
um mich dann langsam, aber wildknipssend den Pferden vorsichtig zu nähern.
Boa ... war ich aufgeregt :o)
Matthias freut sich zwar auch, dass wir nun doch noch echte Wildpferde zu sehen bekamen,
doch er war in größter Sorge, als ich den Pferden die Abhänge hinunter weiter folgte,
denn auch dieses Gebiet ist noch durchzogen von Tretminen
und auch hier prangten überall Warntafeln.
Doch ich war bereits den Pferden auf der Spur und das alles mit 'Mädchenschuhen',
statt der extra dafür eingepackten Wanderschuhe. Egal.
Die Mutterstute war offensichtlich genau ein solches geflohenes Hauspferd,
denn sie hatte einen Nummernbrand auf dem Rücken
und ein klassisches Brandzeichen auf der Flanke.





Ihre Tochter, das Fohlen, vielleicht war sie ca. 3/4 Jahr alt, hatte keinerlei Markierung.
Sie waren beide sehr scheu und liefen ruhigen, aber bestimmten Schrittes vor mir weg,
aber dennoch konnte ich viele viele schöne Bilder machen.
Natürlich lag mein Augenmerk auch auf den Hufen,
doch durch den Bewuchs des Bodens gelang es mir nur bei vier Aufnahmen,
einen Blick mit der Camera auf die Hufe zu werfen und festzuhalten.
Doch bereits dieser kleine Einblick zeigt, besonders bei dem Stutfohlen,
wie gesund und gut entwickelt ein Huf OHNE Bearbeitung aussehen kann,
wenn er denn genügend Bodengegendruck und Abrieb erfährt.
Wahnsinn wie der Strahl des Hinterhufes des Stutfohlens aussieht.
Ein vorbildlich ausgebildeter Strahl, breit, tragfähig, trocken
und die Form gleicht in der Tat einem Herz.
Die Trachen bei beiden Pferden sind sehr flach und niedrig,
die Zehen beim Fohlen auch kurz und rund.
Die Mutterstute hat an den Hinterhufen längere Zehen,
dieses sieht man auch auf einem der Bilder ein wenig.
Ich gehe davon aus, dass diese Mutterstute im Krieg geflohen ist
und ihre Hufe demnach auch irgendwann von Menschenhand bearbeitet wurden.
Es ist auf jeden Fall ein deutlicher Unterschied in der Qualität und Form
zwischen Mutter und Tochter zu erkennen.
Dennoch sieht keine von beiden Stuten rückständig aus.


Hinterhufe Stutfohlen





Hinterhufe Mutterstute



Vorderhuf Mutterstute



Beide Pferde sahen weder zu dick, noch zu dünn und gesund aus.
Die Beine, Gelenke und Sehnen, sofern ich das erkennen konnte,
waren klar, ohne Gallen, Schwellungen oder Verdickungen.
Beide Pferde hatten eine ausgesprochen gut bemuskelte Hinterhand,
vermutlich nicht nur weil sie ständig in Bewegung sind,
sondern weil diese Gegend in den Bergen natürlich sehr hügelig ist.
Mutter und Tochter hatten glänzendes, anliegendes Fell
und einen leichten Behang an den Köten.
Beide Pferde könnten vom Typ her einen spanischen Einschlag haben.
Die Stute hatte allerdings ganz viele kleine Kletten in der Mähne hängen,
ihre Tochter ein paar davon im Schweif,
vermutlich vom durchstreifen der Sträucher und Wälder.



Sie frassen beide immer wieder vom Boden das teilweisse vertrocknete Gras
und im gehen knabberten sie ständig an irgendwelchen Sträuchern und Bäumen.
Ich wünschte, ich hätte mehr Ahnung von Botanik,
dann hätte ich einige Pflanzen bestimmen können.
Ich sah das Stutfohlen auch an einem Strauch fressen, der rote Beeren trug.
Es fraß diese Beeren, ebenso wie die Blätter daran.
Ich konnte sie leider nicht identifizieren, dafür war der Strauch zu weit weg,
aber sie waren klein, rund und glatt. Vielleicht waren es Hagebutten ...
Es waren ziemlich viele Fliegen an und um ihre Köpfe und Augen,
doch es schien ihnen weder etwas auszumachen,
noch sahen die Augen irgendwie entzündet oder angegriffen aus.





Ich hatte das große Glück in einen frischen Äppelhaufen zu treten :o) - Glück hat viele Formen :o),
von welchem ich natürlich direkt einen Äppel in die Hosentasche steckte,
um ihn hinterher, am Auto auseinander zu nehmen und zu fotografieren.
Man kann sehr gut den hohen Rohfaseranteil in ihrer Nahrung erkennen
und wie vollständig alles verdaut wurde. Schaut selbst:



Ich vermute, dass die Stute bereits erneut trächtig war,
denn der Bauch sah doch sehr nach weiterem Nachwuchs aus.
Ich denke auch, dass dieses nicht ihr erstes Fohlen war.



Wie gern hätte ich den Hengst dazu gesehen oder die restliche Herde,
der sie sicherlich angehörten, doch dies blieb uns leider verwehrt. Nun ja.
Irgendwann wurde Matthias Sorge oben am Strassenrand dann auch zu groß
und er begann nach mir zu rufen, was die Wildpferde natürlich dann endgültig in die Flucht schlug.
Aber auch wenn ich sicherlich noch stundenlang hätte einfach nur da stehen können,
um sie zu beobachten und zu studieren, hatten wir gefunden, was wir suchten:
Wir haben echte Wildpferde sehen dürfen!
Ich schoss noch ein paar Bilder von der Landschaft und Vegitation
und ab zurück ins sichere Auto auf die Strasse.
Die Landschaft ist überall, so auch hier von relativ karger Vegitation,
doch man sieht immer wieder bunt blühende Wiesenblumen und Bodendecker.
Auch gibt es reichlich Bäume, meist Laubbäume und große Wälder entlang der Hänge.
Immer wieder ragen groß und kleine Felsen aus dem Boden und
mind. die Hälfte des Untergrundes ist unglaublich steinig. (Hufe!)
Der Boden ist durchsetzt mit Felsgestein und Steinen in den verschiedensten Größen,
von groß bis ganz klein.

Vegitation und Böden:















So sehen ursprüngliche Wiesen (ohne Düngung) aus:



Erst hier zu Hause erkannte ich auf den Bildern eine Art 'Track' (Trampelpfad).
Vielleicht ist dieser wirklich ein Weg den auch diese Wildpferde immer wieder regelmässig nutzen,
so wie es Jaime Jackson über die Mustangs in den USA berichtet hat (Buch 'Paddock Paradies').
Möglich wäre dieses, denn wenn ich mich versuche im Nachhinein zu errinnern,
steuerten die Pferde, 'auf der Flucht vor mir' genau dort hin.



Nach nur zwei, drei Metern sahen wir einen weiteren Äppelhaufen auf der Strasse liegen:



Auf dem Weg weiter durch die Berge nach Novi Vinodolski, ca. 20 Min. später,
sahen wir freilaufende Hauspferde rechts und links der Strasse grasen.
Weit und breit war kein Mensch zu sehen, aber sie hatten Glocken um den Hals,
so etwas wie Halfter an und störten sich auch wenig daran,
als ich ausstieg und ein paar Schritte auf sie zu machte.
Ganz anders als die Wildpferde vorher.
Die Halfter schienen Marke 'Eigenbau', teilweise mit Ketten.
Ziemlich schlimm und gefährlich.



Nachdem wir die adriatische Küste dann binnen 8 Tagen von Dubrovenik bis Rijeka
ein Mal komplett rauf und runter gefahren sind,
noch einen Abstecher auf die Insel Krk unternommen haben
und nach einem wunderschönen Ausklag des Urlaubes in Novi Vinodolski
traten wir die Heimreise an und kamen nach knappen 12 Stunden Autofahrt
(dank Stau in den Alpen) wieder wohlbehalten,
mit Fotos von echten Wildpferden im Rucksack :o) heile daheim an.

Auf der Rückreise beschlossen wir bereits das nächste Ziel:
Italien! Die Wildpferde der Giara di Gesturi ;o)











Info:
Falls ihr beim Betrachten der Bilder glaubt, ihr hättet Flecken auf den Monitor:
Dem ist nicht so, denn leider hat unsere Camera im Urlaub erheblich gelitten
und die meisten Bilder haben dicke Senorflecken. Sorry hier für.

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